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Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern - Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
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Es existieren zudieser Sichtweise durchaus auch alltagsgeschichtliche Spiegel- quellen, die trotz ihrer oftmaligen allzu blumigen Ausschmückungen einen »authentischen Kern« besitzen, »der aufs neue die in ›einfacheren‹ Bevölke- rungsschichten verbreitete Tendenzwiderspiegelt, ihreDankbarkeit zu perso- nalisieren und alle vom Dritten Reich empfangenen sozialenWohltaten un- mittelbar Hitler als ihrem Urheber und Stifter zuzuschreiben.«27 Peter Tepe identifiziert diesenZugangals eineprinzipielleMöglichkeit derMythisierung, indemnämlichbestimmteMenschen,fürdieeinePersoneinpolitischerHeldist, dazuneigen,diesermehrpositiveLeistungenzuzuschreibenalsihmzukommen. In der extremstenAusprägung gilt etwa das Erreichen des großenpolitischen Zieles allein als dasWerk des politischenHelden.28Damit kames letztlich zu einerVerschmelzungzwischenpolitischenAnliegenundHitler,29einPhänomen, welchesweitüberdenZweitenWeltkrieg hinauswirkte.Dazumuss zwar ange- merktwerden,dassessichdabeiumeinenProzesshandelte,der inderFrühzeit derNSDAPseineWurzelnhat,jedochüberdasAmtscharismadesKanzlers1933 unddesFührersalsAbwandlungdesReichspräsidentenamtes1934 führteund letztlichvonderPropagandamassivverstärktwurde.30IanKershawerkenntmit derverstärktenBerichterstattungabHerbst1930bereits jenenWendepunkt,an demnichtmehr nur eine kleine politischeGruppe von Fanatikern einen »Fe- tisch« betrieb, sondern ein Hitlerkult breit einsetzte, der für Millionen von DeutschendieHoffnungauf einneuesZeitalter signalisierte.31 DerhistorischeMythosundseinBruch Blicktmanauf dieKarriere des politischenHitler-Mythosnach1945 inunter- schiedlicher Verarbeitung zurück, kannman durchaus verschiedene Stränge ausmachen, welche vonAdolfHitlers angeblich zentraler Rolle imNS-System überzeugtblieben. Ohneder nationalsozialistischen Ideologieweiter anzuhängen, gingen etwa 27 Kershaw,DerHitler-Mythos, 89;DieQuellen rundumdenHitlerkult, welche letztlich den Hitler-Mythos abstütze, waren mannigfaltig und wurden nicht nur durch die offizielle Propaganda vorangetrieben; ThomasMergel, »Führer, Volksgemeinschaft undMaschine. PolitischeErwartungsstrukturen in derWeimarerRepublik unddemNationalsozialismus 1918–139«, in:WolfgangHardtwig(Hg.),PolitischeKulturgeschichte1918–1939,Göttingen: Vandenhoeck& Ruprecht, 2005, 91–127, 123; Ian Kershaw,Hitler. 1889–1836, Stuttgart: DeutscheVerlags-Anstalt, 2.Auflage1998, 611ff. 28 Tepe,Entwurf einerTheoriedespolitischenMythos, 59;Tepeargumentiert auch,dasspoli- tischesHeldentum/Heldenverehrungals anthropologischeMöglichkeit angelegt sei, 56. 29 Vgl.Ebd., 55. 30 Vgl.Kühberger,MetaphernderMacht, 320. 31 Kershaw,DerHitler-Mythos, 45. ChristophKühberger190 Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY
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Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Titel
Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern
Untertitel
Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Autoren
Roland Bernhard
Susanne Grindel
Felix Hinz
Herausgeber
Christoph Kühberger
Verlag
Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-7370-0686-6
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
294
Kategorie
Lehrbücher
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