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Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern - Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Seite - 191 -
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geschichtswissenschaftliche Interpretationslinien davon aus, dass Hitlers Per- sönlichkeit, seine Ideenund seineWillensstärke die Erklärungendafür liefern würden,umdenNationalsozialismuszuerklären.DazuwurdeauchderBegriff »Hitlerismus«geprägt:32 Hinter einerderartigen Interpretation steckt imallgemeinen (sic!) eineSicht, diedie ›Intentionalität‹derHauptakteuredeshistorischenDramashervorhebtundaußerdem der jeweiligen Handlung besonderes Gewicht einräumt. Diese Art des Denkens kennzeichnet natürlichHitlerbiographien ebensowiedie in jüngererZeit aufgekom- menen ›psychohistorischen‹ Studien. Sie ist allerdings auch bei einigen wichtigen nichtbiografischenUntersuchungenzumNationalsozialismuszu finden.33 Durch eine starke Fokussierung auf Adolf Hitler, wie dies zwangsläufig bei biografischenAnsätzenderFall ist(z.B.beiJoachimFest34),kannnachKershaw eine»extremePersonalisierungkomplexerProbleme«nichtverhindertwerden, weil es dadurch zu einer Reduktion der »Probleme auf Fragen zuHitlers Per- sönlichkeit und Ideologie« kommt.35Dies kann noch deutlicher bei psycho- historischen Ansätzen illustriert werden. So schreibt etwa der Psychologe Manfred Koch-Hillebrecht in seinemBuch »HomoHitler« über Adolf Hitler: Seine desaströse Politik ist am besten zu erfassen, wennman sie als unmittelbaren Ausdruck einer bösartigen, rücksichtslosen, unaufrichtigenund selbstsüchtigenPer- sönlichkeit ansieht. In seinemProgrammmageshalbwegsbrauchbareAnsätzegege- benhaben;dochseinePersönlichkeitwendetealles zumSchlimmen.36 Letztlich wurden in psycho-historischen Interpretationen meist Krieg und Holocaust ausHitlers psychischer Konstitution erklärt,über seinen »Ödipus- komplex,Monorchismus [Einhodigkeit], neurotischer Psychopathie, gestörter Pubertät undpsychischenTraumata«.37 Daneben wurden aber auch politikwissenschaftliche Interpretationen, wie etwa jene vonKarl Dietrich Bracher, derHitler innerhalb desNS-Staates eine 32 Ian Kershaw, Der NS-Staat. Geschichtsinterpretationen und Kontroversen im Überblick, ReinbekbeiHamburg:Rowohlt-Taschenbuch-Verlag, 13.Auflage1995, 116. 33 Ebd. 34 Fest,Hitler. 35 Kershaw,DerNS-Staat, 117;Kershawselbst setzt sichmitdiesemProbleminderEinleitung zu seiner eigenenHitler Biographie auseinander: »Schließlichdrängt sichmirdieÜberle- gungauf, obesnichtmöglich ist,dieauffallendePolarisierungderAnsätze zuüberwinden und sie in einerHitler-Biographie aus der Feder eines ›strukturalistischen‹Historikers zu integrieren,derdemGenreBiographiemiteinemkritischenBlickbegegnet. Instinktivister vielleicht bestrebt, bei komplexen Prozessen die Rolle des Individuums, wie wirkungs- mächtig esauchsei, eherabzuwertenals zuüberhöhen.«,Kershaw,Hitler, 8. 36 ManfredKoch-Hillebrecht,HomoHitler. PsychogrammdesdeutschenDiktators,München: Siedler, 1999, 37. 37 Kershaw,DerNS-Staat, 118. Hitler-Mythen inösterreichischenGeschichtsschulbüchern 191 Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY
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Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Titel
Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern
Untertitel
Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Autoren
Roland Bernhard
Susanne Grindel
Felix Hinz
Herausgeber
Christoph Kühberger
Verlag
Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-7370-0686-6
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
294
Kategorie
Lehrbücher
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