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Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern - Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Seite - 217 -
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MythosisteineGeschichte,diemansicherzählt,umsichübersichselbstunddieWelt zuorientieren,eineWahrheithöhererOrdnung,dienichtnureinfachstimmt,sondern darüber hinaus auchnochnormativeAnsprüche stellt und formativeKräfte besitzt.7 DievomNationalsozialismusgeschaffeneNarrationvonderÜberwindungvon NotundArbeitslosigkeitmitdemvisuellenKerndesAutobahnbausunddermit Spaten bewaffnetenArbeiterkolonnen entsprach durchdiewirtschaftliche Er- holung scheinbar der Realität, erlangte dadurchWahrheitsstatus undwar als Mythos nicht erkennbar, denn als »fundierende Geschichte« (J. Assmann) ist nichtmehrbedeutend,obsie fiktivoder faktisch ist. Sie löstedabeidasSystem stabilisierender und identitätsstiftender Emotionen aus. Die tatsächlichen HintergründevonUrsacheundWirkungdeswirtschaftlichenAufschwungsz.B. durchdieAufrüstungwurdendagegennichtwahrgenommenbzw.manwollte diese auch gar nicht wahrnehmen, weil nach Jahren der Desorientierung der Nationalsozialismus nun einen neuen Orientierungsrahmen anbot. Sehr ge- schicktkonntedieTatsacheausgenutztwerden,dassanvielenStellen imReich der Streckenbaugleichzeitig ablief. Sokonnten jeweils regional diewirtschaft- lichenundpropagandistischenEffekte ausgenutztwerdenund auchwennnur geringe Streckenlängen realisiert wurden, konnte mit der Visualisierung des Gesamtplans dieMonumentalität desVorhabens hervorgehobenwerden. »Die AutobahnenbotenderPropagandaeinenVorteilwiesonstkeinanderesObjekt. Sie waren räumlich ubiquitär und zeitlich omnipräsent.«8Ein nicht zu unter- schätzender Effekt war die systemstabilisierendeWirkung staatlicher Investi- tionenindieörtlicheInfrastruktur,wassichdurchdieAbnahmederOpposition zumNS-RegimeinWahlbezirkenmitAutobahntrassenund-baustellenbelegen lässt.9 Es ist nachvollziehbar, dass vor Ort Baugewerbe undHandwerk profi- tierten und das Identifikationspotenzial für die Bürgerinnen und Bürger mit demmodernen Bauwerk und dem verkehrstechnischen Anschluss an andere »Reichsteile« wachsen musste. Innenpolitisch repräsentierte sie den wirt- schaftlichenAufschwung und die Konsolidierung des Arbeitsmarktes, außen- politisch brachte sie Prestige und Reputation durch die Wahrnehmung als moderne»technischeGroßleistung«. 7 JanAssmann:DaskulturelleGedächtnis.Schrift,ErinnerungundpolitischeIdentität infrühen Hochkulturen,München:C.H.Beck, 2.Auflage1997, 76. 8 Detlev Humann, »Arbeitsschlacht«. Arbeitsbeschaffung und Propaganda in der NS-Zeit 1933–1939,Göttingen:Wallstein, 2011, 100. 9 Vgl. Nico Voigtländer und Hans-Joachim Voth,Highway to Hitler, University of Zürich. DepartmentofEconomics,WorkingPaperNr.156 (Mai2014), 15ff.GrundlagederAnalyse warendienichtmehrfreieWahlimNovember1933unddieVolksabstimmungnachdemTod vonHindenburg imAugust 1934nachderErrichtungderEinparteienherrschaft. DerMythosvonderReichsautobahn 217 Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY
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Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Titel
Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern
Untertitel
Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Autoren
Roland Bernhard
Susanne Grindel
Felix Hinz
Herausgeber
Christoph Kühberger
Verlag
Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-7370-0686-6
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
294
Kategorie
Lehrbücher
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