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Die»StraßendesFührers«
ZudenVorläufernderReichsautobahnengehört die 1921 fürdenöffentlichen
Verkehr freigegebene »Automobil-Verkehrs- undÜbungs-Straße« (AVUS) in
Berlin.Die ersteAutobahnEuropaswardie verzweigte »Autostrada« vonMai-
land zu den oberitalienischen Seen, 1924 realisiert von dem Ingenieur und
AutobahnpionierPieroPuricelli. IndenUSAwurdenauchbereits inden1920er
Jahren erste autobahnähnliche Straßen eröffnet. Die erste deutscheAutobahn
wardie 18Kilometer langekreuzungsfreie »Kraftwagenstraße« vonKölnnach
Bonn, die vomKölner Oberbürgermeister KonradAdenauer 1932 eingeweiht
wurde.BereitseinJahrspäterstuftendieNationalsozialistendieseAutobahnzur
Landstraßeherab.Dieprivate »Studiengesellschaft fürdenAutomobilstraßen-
bau« (STUFA) legte seit 1924 die theoretischenGrundlagen für eine umfang-
reichePlanungvon»Nur-Autostraßen«.Der »Verein zurVorbereitungderAu-
tostraßeHamburg–Frankfurt–Basel« (HAFRABA)wurde1926gegründet. In
AnlehnungandieEisenbahnwurdedieBezeichnung»Autobahn«bereitsEnde
der 1920er Jahre erfunden, welche die bis dahin übliche Bezeichnung »Nur-
Autostraße« ablöste. Bereits vor 1933 lag bei der HAFRABA eine detaillierte
Planungkreuzungsfreier Straßenmit geteiltenRichtungsfahrbahnen alsAuto-
mobilstraßennetzfertigvor.DiePlänekonntenamEndederWeimarerRepublik
nichtmehr realisiertwerden.10FürdieNSDAPunterlagdiePlanungvonAuto-
bahnenwährend derWeimarer Republik einer »großkapitalistischen und jü-
dischen Interessenswirtschaft«,weshalb sie diese »undeutsche Idee«,wie auch
dieKPD,als»Luxusstraßen«ablehnte.11Nach1933wurdendiePlanungenfürein
Autobahnnetz in Deutschland von den Nationalsozialisten übernommen, er-
weitertundfertiggestelltunddieUrheberschaftdurchdiefolgendeBezeichnung
reklamiert: »StraßenAdolfHitlers«. DerHAFRABA-Vereinwurde in die »Ge-
sellschaft zur Vorbereitung der Reichsautobahnen e. V.« (GEZUVOR) umge-
wandelt.Durchdas »Gesetzüber die Errichtung einesUnternehmens ›Reichs-
autobahnen‹« vom 27. Juni 1933 konnte dann im August die »Gesellschaft
Reichsautobahnen« als Tochtergesellschaft der Deutschen Reichsbahn-Gesell-
schaft gegründet werden. Am30. Juni ernannteHitler Fritz Todt zum »Gene-
ralinspektorfürdasdeutscheStraßenwesen«.VorallemTodtverbreitetedenNS-
Mythos,Hitlerhabeursprünglichdie IdeedesAutobahnbausunddenPlan für
ein großesAutobahnnetz gehabt undverhindertemit derMacht seinesAmtes
10 Vgl. RichardVahrenkamp, TheGermanAutobahn 1920–1945. HafrabaVisions andMega
Projects, Lohmar: JosefEulVerlag, 2010, 44ff.
11 Vgl.KurtKaftan,DerKampfumdieAutobahnen.GeschichtederAutobahneninDeutschland
1907–1935, Berlin: H.WigankowVerlag, 1955, 16ff., 113ff., 124ff., 165ff.; Martin Korn-
rumpf,HAFRABAe.V.DeutscheAutobahn–Planung1926–1934, Bonn:Kirschbaum,1990,
8ff., 44, 48, 65, 82.
TobiasKuster218
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY
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Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern
Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
- Titel
- Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern
- Untertitel
- Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
- Autoren
- Roland Bernhard
- Susanne Grindel
- Felix Hinz
- Herausgeber
- Christoph Kühberger
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-0686-6
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 294
- Kategorie
- Lehrbücher