Seite - 223 - in Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern - Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
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konnte sich ein eigenesFahrzeug zurBenutzung leisten. Für »einVolkaufRä-
dern«sollteder1934vonFerdinandPorscheentwickelteKdF-Wagensorgen.Für
fünf gesparte Reichsmark proWoche sollte jeder nach knapp fünf Jahren ein
eigenesKraftfahrzeugbesitzenkönnen. InWolfsburgwurdendannaberkeine
»Volkswagen«, sondern rund 55.000Kübelwagen (und 15.000Amphibienaus-
führungen) fürdieWehrmachtproduziert undzweiDrittel derBelegschaft ar-
beiteten als Zwangsarbeiter für dieRüstungsproduktion.DasVersprechender
»Volksmotorisierung«wurdenicht eingelöst.
MilitärischeNutzung
Hitlerhattebereits inMeinKampfausgeführt:»DerallgemeinenMotorisierung
derWelt, die im nächsten Kriege schon in überwältigenderWeise kampfbe-
stimmend inErscheinung tretenwird, könnte vonuns fast nichts entgegenge-
stelltwerden.«24ImDezember1932 fassteTodt ineinerDenkschriftStraßenbau
undStraßenverwaltung imnationalsozialistischenDeutschland fürdieNSDAP
(wegenderEinbandfarbe als »brauneDenkschrift« bezeichnet) dieMängel im
Straßenbau zusammen und formulierte Planungs-, Finanzierungs- und Aus-
führungsvorschläge für die Zukunft. Zur argumentativenUntermauerung der
Realisierungsnotwendigkeit des Autobahnprojektes imRahmen des »Wieder-
aufbaus des Reiches« führte Todt neben den Möglichkeiten zur Arbeitsbe-
schaffungauchdenstrategischenNutzenauf, indemerbehauptete,mankönne
mithilfe von 100.000 requirierten Fahrzeugen 300.000Mannmit Sturmgepäck
binnenzweiNächtenvonderOst-andieWestgrenzedesReichestransportieren.
Insbesondere hob er hervor: »Linienführung und Ausgestaltung sind nach
militärischenGesichtspunktenvorgeschlagen.«25Damit rannteerentsprechend
Hitlers »Grundplan« offene Türen ein und verbreitete diese Lesart in den
nächstenJahrenerfolgreichnichtzuletztauchzurLegitimationgegenüberdem
Militär,dasdemProjekteherablehnendgegenüberstand.DerAutobahnbauwar
in den ersten Jahrenmit demZiel derWiederwehrhaftmachungundder Stei-
gerungderMotorisierung fest verknüpft.WichtigstesmilitärischesTransport-
Werkstatt Geschichte 21 (1998), (Themenheft Netzwerk Autobahnen), 11–28, 22 und 24;
Vahrenkamp,TheGermanAutobahn, 92ff.
24 Adolf Hitler, Mein Kampf. Zwei Bände in einem Band, München: Frz. Eher Nachf.,
548–552.Auflage, 1940, 748.
25 Vgl. Seidler,FitzTodt, 30, 97ff.;WolfgangWirth, »Einführung«, in:Forschungsgesellschaft
fürStraßen-undVerkehrswesen (Hg.),DieAutobahn,Vonder Idee zurWirklichkeit,Köln:
FGSVVerlag,2005,5–23,11ff.;Karl-HeinzLudwig,»Technik«, in:WolfgangBenz,Hermann
Graml, Hermann Weiß (Hg.), Enzyklopädie des Nationalsozialismus, München: dtv,
5.Auflage2007, 283–302, 289f.
DerMythosvonderReichsautobahn 223
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Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern
Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
- Titel
- Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern
- Untertitel
- Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
- Autoren
- Roland Bernhard
- Susanne Grindel
- Felix Hinz
- Herausgeber
- Christoph Kühberger
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-0686-6
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 294
- Kategorie
- Lehrbücher