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Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern - Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
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mittel blieb allerdings während des Krieges die treibstoffsparende und weit- verzweigteReichsbahn.DieReichswehrwies zudemauf das ProblemderOri- entierungswirkung für feindliche Luftangriffe hin, da die breiten hellen Fahr- bahnen als gut sichtbare Bänder die großen Städte verbinden würden und feindlichenTruppenalsEinmarschschneisendienenkönnten.Vielfachwurden imKriegdanndie FahrbahnenmitTarnfarbe gestrichen. Zudemwaren inder Regel die Fahrbahndecken zu dünn und viele Bereiche zu steil für schweres militärischesGerät undauchvieleBrückennichtdafür vorgesehen. Insgesamt entzog aus der Sicht vieler führenderMilitärs das Autobahnprojekt der Rüs- tungsproduktion wertvolle Ressourcen wie Stahl oder Arbeitskräfte. Die bis heute weit verbreiteteMeinung über denmilitärischenNutzen der Reichsau- tobahn ist nicht faktengedeckt, auch wenn bei der Planung und beim Bau phasenweisedarangeglaubtwurde.26 ArbeitsbedingungenundWiderstand Die Arbeiterschaft imAutobahnbauwar einer besonders hohen körperlichen Belastung undGefahr vonArbeitsunfällen ausgesetzt. Absichtlichwurden zur erhöhten Arbeitsbeschaffung bis Ende 1935 wenig schwere Maschinen und Arbeitsgeräteeingesetzt,wodurchderAnteilanschwererHandarbeitsehrhoch war.Das führteu.a. zumvermehrtenAuftretender»Schipperkrankheit«27.Die Unterbringung inmilitärisch organisierten »Arbeitslagern«, die zumTeil sehr weit vondenEinsatzorten entferntwaren, bei schlechterVerpflegungundHy- giene senkte zusätzlichdieAttraktivität des Einsatzes amReichsautobahnpro- jekt. Die hohe Anzahl vonArbeitsunfällen zeugte von dem geringenArbeits- schutz. So verunglückte bis 1938 ein Arbeiter auf sechs Autobahnkilometern tödlich. Das zynische Gesicht des Regimes offenbarte sich dann in der syste- matischen InstrumentalisierungvonTodesfällen in ritualisiertenFeiern fürdie 26 Vgl. Hansjoachim Henning, »Kraftfahrzeugindustrie und Autobahnbau in der Wirt- schaftspolitikdesNationalsozialismus1933bis 1936«, in:Vierteljahrschrift für Sozial-und Wirtschaftsgeschichte65(1978),217–242,241f.;Seidler,FritzTodt, 136ff.;Hans-PeterSang, »Technik und Staat imDritten Reich«, in: Armin Hermann undHans-Peter Sang (Hg.), Technikund Staat, Düsseldorf: VDIVerlag, 1992, 137–160, 157f.; DietmarKlenke, »Auto- bahnbau inWestfalenvondenAnfängenbis zumHöhepunkt der 1970er Jahre–EineGe- schichtederpolitischenPlanung«, in:WilfriedReininghausundKarlTeppe(Hg.),Verkehr undRegionim19.und20. Jahrhundert.WestfälischeBeispiele,Paderborn:Schöningh,1999, 249–270,253ff.;AxelDoßmann,BegrenzteMobilität.EineKulturgeschichtederAutobahnen inderDDR, Essen:KlartextVerlag, 2003, 32ff. 27 Nach wochenlangen monotonen Schaufelarbeiten kam es bei vielen geschwächten und häufig unterernährten Arbeitenden zuMuskelschwäche und Ermüdungsbrüchen an der Hals-BrustgrenzederWirbelsäule. TobiasKuster224 Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY
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Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Titel
Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern
Untertitel
Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Autoren
Roland Bernhard
Susanne Grindel
Felix Hinz
Herausgeber
Christoph Kühberger
Verlag
Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-7370-0686-6
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
294
Kategorie
Lehrbücher
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