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Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern - Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
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sind ihr damit inhärent. In ihnen kristallisieren sich die gemeinsamen Vor- stellungeneinesethnisch,politischoderauchreligiöskonstituiertenKollektivs.3 ModerneGesellschaften orientieren sich in einemsolchenBezugsrahmen, um einZusammengehörigkeitsgefühl zuentwickelnundsie sehendarinetwasNa- türliches und Selbstverständliches. Es scheint, und dies macht vergleichende Bezüge zurÄra desKaltenKrieges interessant, dass bis in dieGegenwart Ge- sellschaften diesbezüglich äußerst anfällig sind. Mythen sind, auch wenn sie historischeBezügeaufweisen,stetsKonstrukte:WilhelmTell,soeinBeispiel, ist die Erfindungdes humanistisch gebildetenObwaldner IntellektuellenundPo- litikersHans Schrieber ausdem fünfzehnten Jahrhundert;4unddemNeutrali- tätsmythos zumDurchbruchverhalf derZürcher Staatsarchivar undUniversi- tätslehrer Paul Schweizer, der 1895 die Schweizer Neutralität im ersten fun- diertenGeschichtswerkzurNeutralität aufalteTraditionenzurückführte.5Dies zeigt,wiebedeutsameschweizerischeMythenengmitderGeschichtsschreibung verflochten sind. Mythen sind als Konstrukte nicht einfach realitätsfern, sie konstituierenundstabilisierengesellschaftlicheRealitätundhabensodurchaus eine realpolitische Wirkung.6 Das ist eine ihrer zentralen Funktionen. Sie schaffenKonsensundwirkenderGefahreinerAuflösungfragilerGesellschaften entgegen,was insbesondere fürdie schweizerischeGesellschaft (alsWillensna- tion)nichtohneBedeutungzuseinscheint.Mythenenthaltenstetsverbindliche, der Kritik entzogene Wahrheitsansprüche. Dies macht sie auch schwer an- greifbar.Da sie primär geglaubtwerden, lassen sie sichmittels historisch-kri- tischerReflexionnur schwerhinterfragen. Individuenhaltenan ihnen festund lassensichmitrationalenArgumentenalleinnichtüberzeugen.Mythenerfüllen auf der kollektiven Ebene vor allemdie Funktion, auf dialektische Fragender Gesellschaft keineunangenehmendialektischenAntwortengebenzumüssen.7 Sie mögen auch den Zufall in der Geschichte nicht, und sie stehen für das anthropologische Bedürfnis nach Sinnsuche imhistorischen Prozess.Mythen unterstützensoIdeologien, indemsiedieErzählungzuspezifischenWertenund Vorstellungen liefern,mitwelchen Ideologienvermitteltwerden. ImEndeffekt stellenMythen damit eineKombination vonErinnerung und Wertendar.8SiesindengmitGeschichtsbildernverbunden.9Letzterelassensich 3 Jeffrey Verhey,Der »Geist von 1914« und die Erfindung der Volksgemeinschaft, Hamburg: HamburgerEdition, 2000, 22. 4 VolkerReinhardt, SchweizerMythen.Der Stoff aus demdieMythen sind – oder auchnicht, Zürich:Vontobel-Stiftung, 2014, 27. 5 Furrer,DieNation imSchulbuch, 219. 6 Verhey,Der»Geist von1914«,22–23. 7 EugenKotte, »Not toHave Ideologies But to BeOne«. DieGründungsgeschichte derUSA in amerikanischen Schulgeschichtsbüchern aus den Jahren 1968–1985, Hannover: Verlag HahnscheBuchhandlung, 1997, 392. 8 DavidTr8fas,»VerdrängtesGedenken.DerErsteWeltkrieg inSchweizerTageszeitungen«, in: MarkusFurrer248 Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY
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Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Titel
Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern
Untertitel
Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Autoren
Roland Bernhard
Susanne Grindel
Felix Hinz
Herausgeber
Christoph Kühberger
Verlag
Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-7370-0686-6
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
294
Kategorie
Lehrbücher
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