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vonGeschichtslehrmitteln finden etlichedieser Bilder. Erfassen lassen sie sich
hier vorerst nurpunktuell. Es sinddiese:41
– dieVerpflichtungzurModerne;
– KonkordanzundKonsens;
– WohlstandundBürgerlichkeit sowieÜberheblichkeit imSonderfall.
DieVerpflichtungzurModerne
Die »Verpflichtung zurModernisierung«währenddesKaltenKriegeswar eine
»alternativlose Norm«.42DieWelt ließ sich (fast) nur in eine westlich-demo-
kratische und östlich-sozialistische unterteilen. Modernisierungstheorien im
Zeitalterder Ideologien (KarlDietrichBracher) aufbeidenSeitenwaren,wenn
sie sich auch konkurrierten, ein gemeinsamer Nenner und Grundlage. Anti-
kommunismus, verbunden mit Fortschrittsorientierung, mutierte zu jenem
hochlegitimiertenGesellschaftsmodell, das erst Ende der 1960er Jahre in eine
Krise geriet.Wirtschaftskonjunktur undKalterKrieg schufen ein konsensstif-
tendesFortschrittskonzeptimZeicheneinesintegrativenModernitätsideals.Die
zeitgenössischenTextpassagen in Schweizer Geschichtslehrmitteln atmen die-
sen Geist. Im Lehrmittel von Eugen Halter (1972) manifestiert sich dies an-
schaulich: In das Kalte-Kriegs-Narrativ eingeflochten sind Abbildungenmo-
derner Schweizer BautenundderMondlandung. Insbesondere diemeist kurz
gehaltenen Kapitel zum Kalten Krieg spiegeln den Konkurrenzcharakter der
Systemeunddie tiefeÜberzeugung, aufder richtigenSeite des Fortschritts zu
stehen,wider.43
KonkordanzundKonsens
HistorikerinnenundHistorikerordnendieEpochederlangen1950erJahreauch
alsZeitdesKonsens,desKonsumsunddesKaltenKriegesein.InderTatschufen
die ökonomischenwie auch die gesellschaftspolitischenRahmenbedingungen
unterdenVorzeichenvonWachstumundpolitischemKonformitätsdruckideale
Voraussetzungen für den politischen Konsens und die Konkordanzregie-
rung.1959 formierte sich die Schweizer Landesregierung als sogenannte
»Zauberformel«, eine Vielparteienregierung, die in ihrer proportionalen Zu-
41 Vgl. Markus Furrer,Die Apotheose der Nation. Konkordanz und Konsens in den 1950er
Jahren, in:UrsAltermatt u.a. (Hg.),DieKonstruktioneinerNation.NationundNationali-
sierung inderSchweiz, 18.–20. Jahrhundert, Zürich:Chronos, 1998, 101–118.
42 Vgl. AleidaAssmann, Ist die Zeit aus den Fugen?Aufstieg undFall des Zeitenregimes der
Moderne,München:CarlHanserVerlag, 2013, 82.
43 Eugen Halter, Vom Strom der Zeiten. Zweiter Teil, St. Gallen: Fehr’sche Buchhandlung,
3.Auflage1972, 177.
MarkusFurrer258
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Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern
Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
- Titel
- Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern
- Untertitel
- Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
- Autoren
- Roland Bernhard
- Susanne Grindel
- Felix Hinz
- Herausgeber
- Christoph Kühberger
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-0686-6
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 294
- Kategorie
- Lehrbücher