Seite - 259 - in Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern - Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
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sammensetzungbis2003anhielt.KonsensundKonkordanzwurdeninderPhase
desKaltenKriegesmythologisiert und innereKonfliktewurdenpraktischaus-
geblendet. Während sich die globale Konfliktlage ideologisierte, entideologi-
sierten sich imInnerendiedrei großenschweizerischenParteienmilieus (Frei-
sinn,SozialdemokratenundChristlichdemokraten).DieKonkordanzwurdeals
schweizerische TugendundEigenheit dargestellt und fand ihrenNiederschlag
insbesondere in Geschichts- und Staatskundelehrmitteln. Darin nahm sie ei-
gentlichemythologisierendeZügean.44
WohlstandundBürgerlichkeit
Wenn heute in nationalkonservativen Kreisen in der Postphase des Kalten
KriegesvorallemdieSchweizalsErfolgsmodellangepriesenwird,sowardiesim
KaltenKrieg eineVerbindungvonWohlstandundBürgerlichkeit.Das helveti-
scheSelbstbildbezog sichaufdenneutralenKleinstaat, dermit großemmate-
riellemKomfort ausgestattet war.45 In Lehrmitteln scheinen solche Bezüge je-
dochhöchstpunktuell auf.Mitunterkonntensieauchzur»Überheblichkeit im
Sonderfall« ausarten, einAnsatz, der sich bereits imErstenWeltkrieg ausma-
chen lässt und missionarische Züge annehmen konnte. SolcheÄusserungen
findensich jedochkauminLehrmitteln, sondern ineinemverbreitetenöffent-
lichenGeschichtsbild.46
BilanzundvergleichendeBezüge
Kommenwir abschliessend auf die beidenMythenstränge nochmals zu spre-
chen: Die klassischen Mythenerzählungen – angelegt in einem Dreieck von
Freiheit, Neutralität undWehrhaftigkeit – liessen sich imZeitalter des Kalten
Krieges nahtlos fortführen und sie erhielten gar eine doppelte Akzentuierung
undBestätigung:einmal,bedingtdurchdenRückblickaufdieZeitwährenddes
ZweitenWeltkriegs und dann im Kontext der aktuell wahrgenommenen Be-
drohungslageundSituierungderSchweiz imKaltenKrieg.EinezweiteGruppe
(ichwürde hier eher vonGeschichtsbildern trotz des fliessendenÜberganges
sprechen) deutete vor allem aktuelle aber auch generelle Positionen undmo-
bilisierteeinebreitereÖffentlichkeit.DieserfolgtemitHilfevonRückgriffenauf
die Zeitgeschichte und unter Zuhilfenahme einfacher Deutungen. Verbreitet
sindhier auchStereotypenbildungenundFeindbilder.
44 Vgl. Furrer,DieNation imSchulbuch,258–260.
45 Furrer,DieApotheosederNation, 103.
46 Ebd.
Mythen imKaltenKrieg.DasBeispiel Schweiz 259
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Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern
Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
- Titel
- Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern
- Untertitel
- Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
- Autoren
- Roland Bernhard
- Susanne Grindel
- Felix Hinz
- Herausgeber
- Christoph Kühberger
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-0686-6
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 294
- Kategorie
- Lehrbücher