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zurück und arbeitet hier bis zu ihrer Heirat mit Rudolf Fischer 1928 als Hausgehilfin. Der
am 5. Dezember 1905 in Wien geborene Rudolf Fischer war von Beruf Hilfsdreher und
hatte während der nationalsozialistischen Herrschaft in Österreich eine leitende Stellung
im Organisationsapparat der Kommunistischen Partei inne. Er verfasste Flugschriften für
die KPÖ und hielt bei politischen Treffen Referate. Bei allen seinen Tätigkeiten war ihm
seine Frau behilflich. Er wird am 2. November 1942 zum Tode verurteilt und am 28. Jän-
ner 1943 im Wiener Landesgericht hingerichtet. M. F. ist zunächst Mitglied der Sozial-
demokratischen Partei, sie tritt jedoch nach den Februarkämpfen 1934 und der Auflösung
dieser Partei der bereits 1933 verbotenen KPÖ bei. Unter dem Decknamen „Mitzi“ ist sie
Mitglied der illegalen Wiener Stadtleitung der KPÖ und arbeitet von November 1939 bis
zum Sommer 1940 als Bezirksleiterin der KPÖ-Favoriten. In dieser Funktion ist sie so-
wohl für die Verteilung der illegalen Zeitschriften der KPÖ „Rote Fahne“ und „Weg und
Ziel“ verantwortlich als auch für die Sammlung von Geldspenden für die Angehörigen
der inhaftierten kommunistischen WiderstandskämpferInnen. Sie gilt als erfolgreiche
Mitarbeiterin am Aufbau der illegalen KPÖ und nimmt an zahlreichen Treffen führender
KP-FunktionärInnen teil, die einige Male auch in der Wohnung des Ehepaares Fischer
stattfinden.
M. F. wird gemeinsam mit ihrem Mann am 29. April 1941 verhaftet. Wegen „Vorbereitung
zum Hochverrat“ wird sie am 16. Jänner 1943 zum Tode und zum Ehrenrechtsverlust auf
Lebenszeit verurteilt. Ein Gnadengesuch wird am 20. Jänner 1943 von der Gestapoleitstelle
Wien abgelehnt. Sogar die Überlassung der Leiche der zum Tode Verurteilten an die An-
gehörigen, wenn auch nur zur schlichten Bestattung, wird aus staatspolizeilichen Gründen
verboten, um den „kommunistischen Parteigängern“ jede Gelegenheit zu nehmen „die Be-
stattung ihrer Gesinnungsgenossen propagandistisch auszuwerten“. Das Todesurteil an M. F.
wird am 30. März 1943 um 18 Uhr 16 vollstreckt. Das Ehepaar Fischer hinterließ eine
damals dreizehnjährige Tochter. Die Briefe aus dem Gefängnis, die von beiden vorliegen,
beschäftigen sich hauptsächlich mit ihr.
Eine Gedenktafel im Ehrenhain der hingerichteten WiderstandskämpferInnen am Wiener
Zentralfriedhof erinnert an das Ehepaar Fischer. 1949 wurde die Wohnhausanlage der Ge-
meinde Wien, Laxenburgerstrasse 98 in Favoriten (10. Wiener Gemeindebezirk) nach M.
und Rudolf Fischer benannt.
Qu.: DÖW 19793/34.
L.: Dokumentationsarchiv 1984, Steiner 1995,Weinert 2004 Karin Nusko
Fischer Maria (Marie); Seidenwinderin und Widerstandskämpferin
Geb. St. Pölten, NÖ, 30. 6. 1897
Gest. Wien, 6. 2. 1962
Herkunft, Verwandtschaften: M. F. kam am 30. Juli 1987 in St. Pölten als eine von drei
Töchtern des Sattlergehilfen Johann Fischer und der Antonie Fischer, geb. Kronigl, zur Welt.
Ihre Schwestern waren Amalie (geb. am 17. Februar 1895 in Melk, gest. am 19. Juli 1943 in
Brünn durch Suizid) und Antonie (gest. 1934) Fischer.
Laufbahn: Nach Absolvierung der Volksschule erlernte sie den Beruf der Seidenwinderin
biografiA.
Lexikon österreichischer Frauen, Band 1, A – H
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- Titel
- biografiA.
- Untertitel
- Lexikon österreichischer Frauen
- Band
- 1, A – H
- Herausgeber
- Ilse Korotin
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2016
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79590-2
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1422
- Kategorie
- Lexika