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biografiA. - Lexikon österreichischer Frauen, Band 1, A – H
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Fischer | F 833 und arbeitete als Textilarbeiterin in verschiedenen Betrieben. Sie übersiedelte gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Schwester Antonie von St. Pölten nach Wien. 1916 wurde sie Mitglied der Sozialdemokratischen Partei und der freien Gewerkschaften. Am 23. September 1918 gebar sie ihren einzigen Sohn Karl Fischer, den sie selbstbewusst „Kegel“  – ein Ausdruck für ein uneheliches Kind  – nannte. Dieser Name wurde später von Karl Fischer als Deckname im Untergrund verwendet. M. F. kam 1935/36 durch ihren Sohn mit den „Revolutionären Kommunisten Österreichs“ (RKÖ) in Kontakt, sie wurde deren Mitglied und stellte ihre Wohnung in der Wiener Gu- senleithnergasse 11 als Sekretariat für die Untergrundarbeit zur Verfügung. Durch die enge politische Verbindung mit ihrem Sohn war ihr Leben in Folge auch un- trennbar mit dem Schicksal ihres Sohnes verbunden. M.s Sohn Karl wurde 1936 verhaftet und am 23. September 1937 gemeinsam mit Georg Scheuer und weiteren Gesinnungsgenossen im Wiener „Trotzkistenprozess“ wegen Hoch- verrat zu fünf Jahren schwerem Kerker verurteilt  – verschärft durch einen Fasttag vierteljähr- lich  –, mit der Februaramnestie 1938 aber vorzeitig aus der Haft in Krems-Stein entlassen Er emigrierte anschließend über die Schweiz nach Belgien und Frankreich, wo er im Widerstand gegen den Nationalsozialismus aktiv war. 1943 in Frankreich festgenommen, wurde er 1944 an die Gestapo ausgeliefert und anschließend ins Konzentrationslager Buchenwald deportiert. Nach dem „Anschluss“ Österreichs an Deutschland schloss sich M. F. der trotzkistischen Widerstandsgruppe „Gegen den Strom“ an, wobei sie wiederum ihre Wohnung in der Wie- ner Gusenleithnergasse als Zentrale zur Verfügung stellte. Ihre Freunde und Gesinnungs- genossen nannten sie liebevoll „Mitzi-Tante“. Als Decknamen für ihre Untergrundarbeit verwendete sie das Wort „Netz“. Sie arbeitete in dieser Zeit bei der Wiener Firma Hans Amfaldern als Hilfsarbeiterin. Am 27. Januar 1941 verurteilte sie der Reichstreuhänder der Arbeit für das Wirtschaftsgebiet Wien-Niederdonau durch einen Ordnungsstrafbescheid wegen Arbeitsverweigerung an einem Sonntag zu einer Geldstrafe von 8 Reichsmark. 1943 wurde die Widerstandsgruppe „Gegen den Strom“ von der Gestapo aufgerollt. Bei einer Hausdurchsuchung wurden bei M. F. eine Schreibmaschine, Papier und weitere Utensilien für die Herstellung von Flugblättern sichergestellt, die sie in eigens angefer- tigten Geheimfächern von Wäschekästen versteckt hatte. Sie wurde am 14. Mai 1943 auf Befehl des Reichssicherheitshauptamtes wegen „hochverräterischer Betätigung“ in Schutzhaft genommen und am 10. Dezember 1943 mit anderen Gesinnungsgenossen wegen Vorbereitung zum Hochverrat vom 5. Senat des Volksgerichtshofes in Wien zu fünf Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt. Sie verbüßte ihre Haftzeit zunächst im Frauenzuchthaus Jauer (Jawor) in Niederschlesien (Polen) und anschließend im Frauenstrafgefängnis in Leipzig-Kleinmeusdorf. Am 20. April 1945 wurde sie durch amerikanische Truppen befreit. Zu Fuß schlug sie sich bis nach Linz durch, wo sie durch Zufall  – noch in Zuchthauskleidung  – von ihrem Sohn Karl, der zuvor aus dem Konzentrationslager Buchenwald entlassen worden war, in der Nietzschestraße wiederentdeckt wurde. Karl nahm sie bei sich in seiner Linzer Wohnung auf. Am 21. Januar 1947 wurde Karl Fischer auf der Linzer Nibelungenbrücke an der sowje- tisch-amerikanischen Demarkationslinie vom sowjetischen Geheimdienst NKWD entführt und wegen angeblicher Spionage zu fünfzehn Jahren „Besserungsarbeitslager“ verurteilt.
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biografiA. Lexikon österreichischer Frauen, Band 1, A – H
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
biografiA.
Untertitel
Lexikon österreichischer Frauen
Band
1, A – H
Herausgeber
Ilse Korotin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79590-2
Abmessungen
17.4 x 24.5 cm
Seiten
1422
Kategorie
Lexika
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