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Formentini | F 865
Erzherzog Ferdinands (1578–1637) stand und später Hauptmann zu Gradisca wurde. Er
stammte aus der Grafschaft Görz. Mit hoher Wahrscheinlichkeit war A. M. v. F. bereits
verwitwet, als sie 1622 Fräuleinhofmeisterin der jungen Kaiserin Eleonora Gonzaga d. Ä.
(1598–1655) wurde. Im folgenden Jahr erhielten sie und ihr Schwager Caspar v. Formen-
tini sowie ihre überlebenden Kinder Ludwig, Aurora und Elisabeth den Freiherrenbrief
und das Prädikat „zu Tulmein“ verliehen. Als 1624 die Obersthofmeisterin der Kaise-
rin ihr Amt resignierte, bestimmte Eleonora Gonzaga d. Ä. die Obersthofmeisterin ihrer
Stieftöchter, Ursula v. Attems (1568 –1641), zu deren Nachfolgerin, während A. M. v. F.
als Obersthofmeisterin in den Hofstaat der Erzherzoginnen wechselte. Bei Hoffesten trat
sie mehrfach als Akteurin in Erscheinung. Sie starb 1629 im Amt, und die Kaiserin ließ
den Leichnam auf ihre Kosten balsamieren und zur Beisetzung nach Görz/Goricia über-
führen. Wie erfolgreich A. M. v. F. ihre Position zugunsten ihrer Kinder bzw. der Familie
einsetzen konnte, zeigen die Ämter der Kinder ebenso wie die Standeserhöhung, bei der
sie ihre Zugangsmöglichkeiten zu Kaiser und Kaiserin genutzt haben wird, um die Ver-
dienste ihres Mannes in Erinnerung zu rufen.
L.: Gotha 1848, Keller 2005, Khull 1898, Koltai 2002 Katrin Keller
Formentini Aurora Katharina Freiin v., verh. Batthyány; Hoffräulein
Geb. 1609
Gest. 1653
Herkunft, Verwandtschaften: Eltern: Carl v. Formentini († vor 1623), innerösterreichischer
Rat, Hauptmann zu Gradisca, und Anna Maria v. Rohrbach († 1629), Obersthofmeiste-
rin. Geschwister: Ludwig Felix (1604 –1650), kaiserlicher Kämmerer, verheiratet mit Gräfin
Anna Margarita v. Schwamberg († 1660); Elisabeth, Hoffräulein der Kaiserin, tritt 1634
ins Kloster der Karmeliterinnen in Wien ein. Kinder: Maria Eleonora (1633 –1654), heira-
tet 1650 Ladislaus Esterházy, den Sohn des ungarischen Palatins; Christoph (1637–1687),
Oberst, kaiserlicher Kämmerer, ab 1666 Obermundschenk in Ungarn, heiratet 1661 Maria
Palocsai; Paul (1639 –1674), heiratet 1662 Katharina Illéhazy; Barbara (1640 –1692) heiratet
1658 Peter Széchy.
Laufbahn: Sie stammte aus einer in der Grafschaft Görz ansässigen Familie und kam ver-
mutlich mit ihrer Mutter nach Wien, die seit 1622 als Hofmeisterin fungierte. Spätestens
1627 wurde A. selbst Hoffräulein der Erzherzoginnen Maria Anna (1610 –1665) und Cecilia
Renata (1611–1644). Während ihrer Zeit bei Hof entwickelte A. offensichtlich besonders zu
Erzherzogin Maria Anna ein enges Verhältnis, das in den Briefen der Erzherzogin immer
wieder aufscheint. Auch lange nach der Eheschließung des Fräuleins standen die beiden
brieflich und über Dritte als Vermittler in Kontakt. Für A. F., deren Schönheit und höfische
Sitten von Zeitgenossen hervorgehoben werden, arrangierte die Kaiserin 1632 eine lukra-
tive Eheschließung mit dem gerade konvertierten Adam I. Batthyány (1610 –1659), der in
Ungarn über erhebliche Güter verfügte. Dass der Bräutigam das Hochzeitskleid bezahlte,
deutet die sehr beschränkten Mittel des verwaisten Hoffräuleins an. Er war zum Zeitpunkt
der Eheschließung wirklicher Kämmerer Kaiser Ferdinands II. (1578 –1637), wurde später
kaiserlicher Rat, ungarischer Obersttruchseß und 1633 in den Grafenstand erhoben. Wäh-
biografiA.
Lexikon österreichischer Frauen, Band 1, A – H
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- Titel
- biografiA.
- Untertitel
- Lexikon österreichischer Frauen
- Band
- 1, A – H
- Herausgeber
- Ilse Korotin
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2016
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79590-2
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1422
- Kategorie
- Lexika