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nal des toskanischen Konsuls im Kochen, und in Urmia wurde sie von einem persischen
Prinzen für den Harem angestellt, sie sollte Kleider für die Frauen schneidern und sie „in
allerlei europäischen Dingen“ unterrichten.
Insgesamt verbrachte sie mehr als dreißig Jahre im Orient, ihr Leben war von großer Mo-
bilität geprägt, die vornehmlich ökonomisch begründet war. Auf Anraten ihres Sohnes, der
mittlerweile einen hohen Posten am persischen Hof bekleidete, entschloss sie sich, nach
Kärnten zurückzukehren, wo sie im August 1847 eintraf. Auf der Heimreise unternahm sie,
von Konstantinopel ausgehend, eine Pilgerreise nach Jerusalem, schließlich auch nach Rom
und Loreto. Ende 1844 beginnt sie, noch in Persien, mit der Niederschrift ihrer Erlebnisse,
die nicht zuletzt ihre Erfahrungen im Vorderen Orient und auch ihre Rückreise(n) nach
Österreich enthalten. Sie ist damit eine der wenigen Frauen aus bäuerlichem Milieu bzw.
aus einfacheren gesellschaftlichen Verhältnissen, die eine Autobiographie (samt Reiseschil-
derungen) hinterlassen hat. Diese wurde schließlich 1849 erstmals veröffentlicht.
Wie ihren Aufzeichnungen zu entnehmen ist, war sie in ihrem Heimatdorf mittlerweile
selbst zur Fremden geworden, und sie wünschte sich sehnlichst, in den Orient zurückkeh-
ren zu können, am liebsten mit ihrem Sohn nach Teheran, der der erste Österreicher in
persischen Armee-Diensten war. Dieser war jedoch 1848 nach Paris gegangen, wo er eine
französische Witwe heiratete, die er in Teheran kennen gelernt hatte. Letzte Meldungen
finden sich in österreichischen Zeitungen bis Ende 1850, so berichtet die Wiener Zeitung
vom 22. Mai 1850, dass ihr Sohn sie auf dem Weg nach Teheran aufsuchen wolle. Er dürfte
jedoch nicht mehr in den Iran zurückgekehrt sein. A. F. wird noch einmal von Arthur de
Gobineau Mitte 1855 auf seinem Weg nach Teheran gesehen. Ob sie tatsächlich bei einer
weiteren Reise in den Iran den Strapazen erlag, wie Slaby (2010) anführt, konnte bislang
nicht verifiziert werden.
Qu.: Archiv der Diözese Gurk: Pfarramt Himmelberg, Geburtsbuch, Familienbuch, Sterb-
buch; Pfarramt Tiffen, Hs. 1, fol. 60. Kärntner Landesarchiv: Verlassabhandlungen von
Anna und Thomas Hafner, Bezirksgericht Feldkirchen – Sch. 90; Katasterkarte des Jahres
1826 Ortschaft Schleichenfeld, Franziszeischer Kataster (KG Pichlern).
W.: „Forneris, Anna, geb. Hafner: Schicksale und Erlebnisse einer Kärntnerin während ihrer
Reisen in verschiedenen Ländern und fast 30jährigen Aufenthaltes im Oriente, als: Mal-
ta, Corfu, Constantinopel, Smyrna, Tiflis, Tauris, Jerusalem, Rom, ec. Beschrieben von ihr
selbst“ (Laibach 1849. Reprint. Mit einem Nachwort neu herausgegeben von Adolfine Mi-
sar, Klagenfurt 1985. 2. erweiterte Neuauflage. Mit einem Nachwort versehen von Adolfine
Misar, Bettina Wellacher und Jolanda Woschitz, Klagenfurt 1995)
L.: Gobineau 1922, Habinger 2006, Kreuzer 1996, Misar 1985, Misar/Wellacher/Woschitz
1995, Rossi 1993, Slaby 2010, Sylle 2005, Thornton 1981, Woschitz/Wellacher 1992
Gabriele Habinger
Forst Grete, verh. Schuschny, Künstlername Forst-Schuschny, geb. Feiglstock; Sängerin
Geb. Wien, 16. 8. 1878
Gest. KZ Maly Trostinec bei Minsk, Russland, 1. 6. 1942
LebenspartnerInnen, Kinder: 1911 Heirat mit Hans Schuschny (1851–1915), Bankier i. R.
Ausbildungen: Gesangsausbildung bei Hermine Granichstätten.
biografiA.
Lexikon österreichischer Frauen, Band 1, A – H
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- biografiA.
- Untertitel
- Lexikon österreichischer Frauen
- Band
- 1, A – H
- Herausgeber
- Ilse Korotin
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2016
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79590-2
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1422
- Kategorie
- Lexika