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biografiA. - Lexikon österreichischer Frauen, Band 1, A – H
Seite - 872 -
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F | Foster872 ge hielten. Ihr Engagement im Rahmen der Sozialdemokratie prägte E. F. nachhaltig eben- so wie das Erlebnis des zunehmenden Antisemitismus, den sie schon als Schülerin hautnah in der eigenen Klassengemeinschaft zu spüren bekam (Foster, 1989, 55–56). Ein weiterer wesentlicher Einfluss in E. F.s Leben war die Begegnung mit der Individual- psychologie Alfred Adlers, dessen Vorlesungen sie besuchte. Sie unterzog sich einer Analyse bei der Ärztin und Individualpsychologin Lydia Sicher und arbeitete zusammen mit Danica Deutsch in einer Kinderberatungsstelle in Döbling. Ihr Medizinstudium, das E. F. 1933 be- gonnen hatte, musste sie wegen finanzieller Probleme abbrechen. Als die politischen Verhältnisse sich zunehmend verschärften, entschloss sich E. F. zusam- men mit ihrem Mann Sam im Sommer 1937 Österreich zu verlassen. Als Rucksackreisende trampten sie durch verschiedene europäische Länder bis in das sozialdemokratisch regierte Schweden. Ein halbes Jahr danach wurden E. und Sam durch die veränderte politische Situation zu Flüchtlingen. E. F. konnte ihren Bruder und ihre Mutter nachkommen lassen, ihrem Vater wurde ein Visum von schwedischer Seite her verweigert. E. F. lebte sich schnell in Schweden ein. Sie lernte die Sprache und verdiente Geld mit Deutschunterricht und Hilfsarbeiten. Durch die politischen Ereignisse bedroht, versuchte das Ehepaar Visa für ein überseeisches Land zu bekommen. Nach etlichen erfolglosen An- suchen, erhielten sie schließlich im Dezember 1939 Einreisegenehmigungen für Mexiko. Um nicht mit deutschen Pässen reisen zu müssen, legten Sam und E. ihre Staatsbürgerschaft zurück und beantragten Nansenpässe. Durch die finanzielle Unterstützung der jüdischen Gemeinde in Schweden war es ihnen möglich , am 18. Jänner 1940 per Schiff nach New York aufzubrechen, wo sie auf der vorgelagerten Einwanderungsinsel Ellis Island interniert wurden und erst mit der Hilfe von Verwandten weiterfahren konnten. Über Kuba gelangten sie schließlich nach Mexiko und ließen sich in der Hauptstadt nieder. Im Mai 1940 kam E.s erster Sohn Jorge zur Welt, zwei Jahre später folgte Tomás. Da beide Kinder in Mexiko geboren worden waren, wurde auch den Eltern die mexikanische Staats- bürgerschaft zuerkannt. Sam betätigte sich erfolgreich als Unternehmer, wodurch es der Familie möglich war, Freunde aus dem Bereich der Sozialdemokratie finanziell zu unterstüt- zen. E. F. war weiterhin politisch engagiert. Im Jahr 1941 gelang es ihr noch rechtzeitig, Visa für einige verfolgte Freunde und Verwandte in Österreich zu organisieren. E. F.s Familie war vor allem mit anderen Emigranten befreundet, die einander im Exil gegensei- tig beistanden. Zu Mexikanern konnten Sam und E. F. in all den Jahren keinen näheren Kontakt knüpfen. Als ihnen bekannt wurde, dass die australische Regierung Immigranten einlud und auch verschiedene Vergünstigungen anbot, entschloss sich die Familie im Jahr 1948 nach Sydney zu ziehen, wo bald darauf die Tochter Alice zur Welt kam. Die folgenden dreizehn Jahre be- schreibt E. F. als die miserabelsten ihres Lebens. Ihrem Bericht nach hatten Frauen zu dieser Zeit in Australien kaum Möglichkeiten , sich selbständig zu bewegen, geschweige denn berufstätig zu sein. Als rückständig schildert sie auch das Schulsystem (Foster, 1989, 129). In dieses konservati- ve Umfeld konnte sich E. F. nie wirklich einfinden. Ein unentgeltliches Betätigungsfeld fand sie schließlich in der Worker’s Education Association. Außerdem gründete sie den Samstagsclub für Jugendliche, wo verschiedene Freizeitaktivitäten angeboten wurden. 1961 zog die Familie in die USA, wo sich E. F. bald darauf von ihrem Mann trennte. Nach dem Krieg besuchte sie mehrere Male Österreich. 1983 kam sie zum fünfzigjährigen Ma-
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biografiA. Lexikon österreichischer Frauen, Band 1, A – H
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
biografiA.
Untertitel
Lexikon österreichischer Frauen
Band
1, A – H
Herausgeber
Ilse Korotin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79590-2
Abmessungen
17.4 x 24.5 cm
Seiten
1422
Kategorie
Lexika
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