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ge hielten. Ihr Engagement im Rahmen der Sozialdemokratie prägte E. F. nachhaltig eben-
so wie das Erlebnis des zunehmenden Antisemitismus, den sie schon als Schülerin hautnah
in der eigenen Klassengemeinschaft zu spüren bekam (Foster, 1989, 55–56).
Ein weiterer wesentlicher Einfluss in E. F.s Leben war die Begegnung mit der Individual-
psychologie Alfred Adlers, dessen Vorlesungen sie besuchte. Sie unterzog sich einer Analyse
bei der Ärztin und Individualpsychologin Lydia Sicher und arbeitete zusammen mit Danica
Deutsch in einer Kinderberatungsstelle in Döbling. Ihr Medizinstudium, das E. F. 1933 be-
gonnen hatte, musste sie wegen finanzieller Probleme abbrechen.
Als die politischen Verhältnisse sich zunehmend verschärften, entschloss sich E. F. zusam-
men mit ihrem Mann Sam im Sommer 1937 Österreich zu verlassen. Als Rucksackreisende
trampten sie durch verschiedene europäische Länder bis in das sozialdemokratisch regierte
Schweden. Ein halbes Jahr danach wurden E. und Sam durch die veränderte politische
Situation zu Flüchtlingen. E. F. konnte ihren Bruder und ihre Mutter nachkommen lassen,
ihrem Vater wurde ein Visum von schwedischer Seite her verweigert.
E. F. lebte sich schnell in Schweden ein. Sie lernte die Sprache und verdiente Geld mit
Deutschunterricht und Hilfsarbeiten. Durch die politischen Ereignisse bedroht, versuchte
das Ehepaar Visa für ein überseeisches Land zu bekommen. Nach etlichen erfolglosen An-
suchen, erhielten sie schließlich im Dezember 1939 Einreisegenehmigungen für Mexiko.
Um nicht mit deutschen Pässen reisen zu müssen, legten Sam und E. ihre Staatsbürgerschaft
zurück und beantragten Nansenpässe. Durch die finanzielle Unterstützung der jüdischen
Gemeinde in Schweden war es ihnen möglich , am 18. Jänner 1940 per Schiff nach New
York aufzubrechen, wo sie auf der vorgelagerten Einwanderungsinsel Ellis Island interniert
wurden und erst mit der Hilfe von Verwandten weiterfahren konnten. Über Kuba gelangten
sie schließlich nach Mexiko und ließen sich in der Hauptstadt nieder.
Im Mai 1940 kam E.s erster Sohn Jorge zur Welt, zwei Jahre später folgte Tomás. Da beide
Kinder in Mexiko geboren worden waren, wurde auch den Eltern die mexikanische Staats-
bürgerschaft zuerkannt. Sam betätigte sich erfolgreich als Unternehmer, wodurch es der
Familie möglich war, Freunde aus dem Bereich der Sozialdemokratie finanziell zu unterstüt-
zen. E. F. war weiterhin politisch engagiert. Im Jahr 1941 gelang es ihr noch rechtzeitig, Visa
für einige verfolgte Freunde und Verwandte in Österreich zu organisieren.
E. F.s Familie war vor allem mit anderen Emigranten befreundet, die einander im Exil gegensei-
tig beistanden. Zu Mexikanern konnten Sam und E. F. in all den Jahren keinen näheren Kontakt
knüpfen. Als ihnen bekannt wurde, dass die australische Regierung Immigranten einlud und
auch verschiedene Vergünstigungen anbot, entschloss sich die Familie im Jahr 1948 nach Sydney
zu ziehen, wo bald darauf die Tochter Alice zur Welt kam. Die folgenden dreizehn Jahre be-
schreibt E. F. als die miserabelsten ihres Lebens. Ihrem Bericht nach hatten Frauen zu dieser Zeit
in Australien kaum Möglichkeiten , sich selbständig zu bewegen, geschweige denn berufstätig zu
sein. Als rückständig schildert sie auch das Schulsystem (Foster, 1989, 129). In dieses konservati-
ve Umfeld konnte sich E. F. nie wirklich einfinden. Ein unentgeltliches Betätigungsfeld fand sie
schließlich in der Worker’s Education Association. Außerdem gründete sie den Samstagsclub für
Jugendliche, wo verschiedene Freizeitaktivitäten angeboten wurden.
1961 zog die Familie in die USA, wo sich E. F. bald darauf von ihrem Mann trennte. Nach
dem Krieg besuchte sie mehrere Male Österreich. 1983 kam sie zum fünfzigjährigen Ma-
biografiA.
Lexikon österreichischer Frauen, Band 1, A – H
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- biografiA.
- Untertitel
- Lexikon österreichischer Frauen
- Band
- 1, A – H
- Herausgeber
- Ilse Korotin
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2016
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79590-2
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1422
- Kategorie
- Lexika