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Freiberger | F 895
Ausbildungen: Sie besuchte die Volks- und Bürgerschule.
Laufbahn: H. F. arbeitete nach Ende der Schulpflicht bis zu ihrer Verhaftung als Verkäuferin.
Als Kind war sie Mitglied bei den Roten Falken, als Berufstätige trat sie dem freigewerk-
schaftlichen Zentralverband kaufmännischer Angestellter bei. Im Mai 1935 schloss sich die
damals 18-Jährige der als überparteilich getarnten kommunistischen Jugendorganisation
„Jung Urania“ an. Hier betätigte sie sich als Kassierin für die Mädchenzelle. Aufgrund die-
ser illegalen Betätigung wurde sie 1937 wegen §5 des Staatsschutzgesetzes zu insgesamt
fünfeinhalb Monaten Arrest, zweieinhalb Monate davon streng, verurteilt. Davor soll sie
ebenfalls bereits einmal wegen kommunistischer Umtriebe inhaftiert gewesen sein.
Während der NS-Zeit wurde sie erstmals am 9. Dezember 1939 wegen Betätigung für
die Kommunistische Partei verhaftet. In der Urteilsschrift vom 23. Februar 1942 heißt es:
„Sämtlichen Angeklagten wird von der Anklage zur Last gelegt, vom Frühjahr bis Dezem-
ber 1939 in Wien fortgesetzt und teilweise gemeinschaftlich miteinander und mit anderen
das hochverräterische Unternehmen, mit Gewalt ein zum Reichsgebiet gehöriges Gebiet
vom Reiche loszureissen und mit Gewalt die Verfassung des Reiches zu ändern (§80 Abs.
1 und 2 RStGB), vorbereitet zu haben, wobei die Tat sämtlicher Angeklagter auf die Her-
stellung und Aufrechterhaltung eines organisatorischen Zusammenhaltes zur Vorbereitung
des Hochverrates, die Tat der Angeklagten Leopold Weixelbaum, Hermine Freiberger und
Hermine Krečka außerdem auch auf Beeinflussung der Massen durch Verbreitung bzw.
Herstellung von Schriften gerichtet war.“ Das Wiener Oberlandesgericht/Landesgericht I
verurteilte H. F. zu vier Jahren Zuchthaus. Die Verbüßung der Strafe führte jedoch nicht
zur Entlassung in Freiheit, sondern zur Deportation ins Frauenkonzentrationslager Ravens-
brück. Dort wurde sie am 17. März 1944, aus dem Polizeigefängnis Leipzig kommend, unter
der Häftlingsnummer 32159 registriert.
Nach der Befreiung des Frauenkonzentrationslagers am 30. April 1945 durch die Rote Ar-
mee blieb H. F. zunächst noch in Ravensbrück; entweder, weil sie selbst krank war, oder um
die zurückgebliebenen kranken österreichischen Häftlinge zu betreuen. Sie kehrte mit dem
von Friedl Sinclair und Rosa Jochmann organisierten Transport
– die österreichische Regie-
rung verabsäumte dies – am 20. Juli 1945 nach Wien zurück.
Über ihr Leben nach der Befreiung ist nur wenig bekannt. Die über 5-jährige Haftzeit
konnte sie nicht brechen. Sie engagierte sich auch danach in der KPÖ und für eine Welt des
Friedens. Ebenso war sie von Anbeginn Mitglied der österreichischen Lagergemeinschaft
Ravensbrück, einem Zusammenschluss der Überlebenden des Frauenkonzentrationslagers
sowie der ehemaligen Häftlinge des Frauenzuchthauses Aichach. H. F. verstarb 1975 nach
schwerer Krankheit im 58. Lebensjahr in Wien. Für ihre Kameradinnen blieb sie – wie
Bertl Lauscher im Nachruf schrieb – „die kleine Mimi, die wir nur mit Gesang, Mut und
Fröhlichkeit in unserer Erinnerung haben“.
Qu.: DÖW: Erkennungsdienstliche Kartei der Gestapo Wien; http://www.doew.at/php/
gestapo/; Sonderbestand Ravensbrück am DÖW: 50.210/61a; 50.776/564; 50.993/778;
50.496/333; 50.780/568; 50.118/12; DÖW: 20.000/f225.
L.: Lauscher 1975
Helga Amesberger
biografiA.
Lexikon österreichischer Frauen, Band 1, A – H
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- biografiA.
- Untertitel
- Lexikon österreichischer Frauen
- Band
- 1, A – H
- Herausgeber
- Ilse Korotin
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2016
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79590-2
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1422
- Kategorie
- Lexika