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Freihardt896
Freihardt Mizzi; Sängerin
Geb. Wien, ?
Gest. ?
Laufbahn: Mitglied des Thaliatheaters, schied dort 1914 aus und unternahm im selben Jahr
eine Tournee, beginnend am Ronacher-Theater als „Kinokönigin“. Spielte im Film „In Ver-
tretung“ mit.
L.: Neue Theater-Zeitschrift, Nr. 12., Jg. 1914, http://www.imdb.com/
Freisinger Hermine, geb. Witta; Schneiderin und Widerstandskämpferin
Geb. Wien, 10. 5. 1899
Gest. Wien, 1992
Die Schneiderin H. F., 1899 in Wien geboren, wurde am 3. Mai 1943 verhaftet. Bereits vor
ihrer Deportation ins Frauenkonzentrationslager Ravensbrück waren H. F. und ihre Familie
–
ihr Ehemann war nach den Nürnberger Rassegesetzen Jude – zahlreichen antisemitischen
Diskriminierungen und Bedrohungen ausgesetzt. Bis zum Dezember des Jahres 1938 musste
die als jüdisch kategorisierte Familie dreimal die Wohnung wechseln. 1938 nahm man ihr
auch den damals 12-jährigen als arisch klassifizierten Sohn, den sie in die Ehe mit dem Hilfs-
arbeiter Alfred Freisinger (geb. 1. September 1895 in Wien) mitbrachte, weg. Der Ehemann
war 1938/39 das erste Mal im Konzentrationslager Dachau inhaftiert. Nach der zweiten Ver-
haftung wegen „Schleichhandels“ am 3. Mai 1943 wurde er neuerlich nach Dachau depor-
tiert, wo er schließlich auch die Befreiung erlebte. Im Tagesrapport der Gestapo Wien heißt
es: „Alfred Isr. Freisinger hat sich mit der Vermittlung von Schleichhandelsgeschäften seiner
deutschblütigen Ehefrau befasst. Er hat es außerdem wiederholt unterlassen, den Judenstern
zu tragen. [ … ] In der Wohnung der Freisinger wurde die Jüdin Regina Sara Schmuck [ … ]
festgenommen. Sie hat sich seit September 1943 in Wien und Umgebung unterstandslos
herumgetrieben, um sich der Evakuierung zu entziehen.“ Aus diesem Tagesbericht geht auch
hervor, dass Frau H. F. einer weiteren Jüdin, die sich der Deportation entziehen wollte, Unter-
schlupf gewährte. In einer Haftbezeugung für Hermine Schorna gibt Frau H. F. im Dezember
1953 über ihre eigene Haftzeit zu Protokoll: „Ich selbst wurde am 3. 5. 1943 in Wien verhaftet,
auf die Elisabethpromenade überstellt, von wo ich nach einigen Tagen in das Landesgericht
I kam, nach zirka drei Monaten stellte man mich wieder auf die Elisabethpromenade zurück.
Im Oktober 1943 kam ich in das KZ Ravensbrück und wurde im Februar 1945 nach Wien
entlassen.“ In ihrem Bericht über die Verfolgung und das Frauenkonzentrationslager Ravens-
brück schreibt Frau H. F., dass sie zudem einen Tag im Keller der Gestapo am Morzinplatz
und drei Tage im Sammellager Sperlgasse inhaftiert gewesen sei. H. F. ist ebenfalls wie ihr
Ehemann wegen Schleichhandels verhaftet worden. Die Beherbergung von Jüdinnen legt
allerdings nahe, dass der sogenannte Schleichhandel auch zur Ernährung der Versteckten
diente. Zudem wurde Frau H. F. als so genannte Glaubensjüdin verfolgt. Frau H. F. wurde
am 5. Oktober 1943 unter der Häftlingsnummer 23852 im Frauenkonzentrationslager Ra-
vensbrück registriert. Während ihrer 17-monatigen KZ-Haft musste sie unter anderem im
Revier, einer Art Krankenstation für Häftlinge, arbeiten. Am 10. Februar 1945 wurde sie aus
dem Konzentrationslager entlassen. Nach ihrer Rückkehr nach Wien, wo sie abermals im
zweiten Wiener Gemeindebezirk lebte, arbeitete H. F. wieder als Schneiderin. H. F.s Sohn
biografiA.
Lexikon österreichischer Frauen, Band 1, A – H
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- biografiA.
- Untertitel
- Lexikon österreichischer Frauen
- Band
- 1, A – H
- Herausgeber
- Ilse Korotin
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2016
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79590-2
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1422
- Kategorie
- Lexika