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an den Sitzungen der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung (WPV), im Mai 1922 hielt
A. F. ihren ersten Vortrag zum Thema „Über Schlagephantasien und Tagträume“ und wurde
Mitglied der WPV. 1923 Eröffnung einer psychoanalytischen Praxis in Wien 9, Berggas-
se 19, auf der gegenüberliegenden Seite des Vorzimmers von S. Freuds Ordination. Mit
der Gründung des Lehrinstitutes der WPV 1925 übernahm A. F. Aufgaben als Lehr- und
Kontrollanalytikerin und wurde 1925 Schriftführerin des Lehrausschusses. 1924 Aufnah-
me in das „Geheime Komitee“. 1927 erschien das Buch „Einführung in die Technik der
Kinderanalyse“, eine Sammlung von Vorlesungen, die sie 1926/27 im Wiener Lehrinstitut
abgehalten hatte. Für ihren 1923 an Krebs erkrankten Vater übernahm A. F. eine Vielzahl
an Pflichten. 1927 wurde sie Sekretärin der Internationalen Psychoanalytischen Vereini-
gung. 1935, nach der Emigration von Helene Deutsch, Übernahme der Leitung des Wiener
Lehrinstituts. 1936 erschien ihr Hauptwerk „Das Ich und die Abwehrmechanismen“, das für
die Entwicklungspsychologie und die neu entstehende analytische Ich-Psychologie einen
wesentlichen Beitrag leistete. A. F.s besonderes Interesse galt der Kinderanalyse. Die erfor-
derlichen Änderungen der in der Erwachsenenanalyse entwickelten analytischen Technik
für die Behandlung von Kindern waren für sie von besonderem Interesse. A. F. arbeitete
an der „Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik“ mit. Ab 1927 kam es wiederholt zu
theoretischen Auseinandersetzungen zwischen ihr und der in England lebenden Kinderana-
lytikerin Melanie Klein. Innerhalb der Wiener Vereinigung hielt A. F. zahlreiche Kurse und
Seminare über die Theorie und Technik der Kinderanalyse; sie sprach u. a. vor PädagogInnen
und HorterzieherInnen auch öffentlich zu diesem Thema. Bedeutsam für die Kinderanalyse
wurde ihr Konzept der „Entwicklungslinien“. Gemeinsam mit Dorothy Burlingham und
Edith Jackson eröffnete A. F. im Februar 1937 eine Kindertageskrippe – die Jackson Nur-
sery – in Wien. 1938 wurde diese Einrichtung aufgelöst. Zu Pfingsten 1938 floh A. F. mit
ihrem Vater über Paris nach London. Sie wurde nach der Auflösung der WPV Mitglied
der British Psychoanalytical Society und war als Lehr- und Kontrollanalytikerin und im
Lehrausschuss tätig. Nach dem Tod ihres Vaters im Jahr 1939 veranlasste sie die Herausga-
be seiner „Gesammelten Werke“. 1941 Eröffnung des Kriegskinderheims „Hampstead War
Nurseries“ (gem. mit D. Burlingham), das 1945 wieder geschlossen wurde. 1947 Gründung
des „Hampstead Child Therapy Course“, einer Ausbildungsstätte für Kinderpsychoanalyti-
kerInnen, 1952 Eröffnung der „Hampstead Clinic“, einer daran angeschlossenen psychoso-
matischen Kinderklinik. Sie leitete diese Klinik bis zu ihrem Tod. A. F. war am Aufbau der
Freud-Archives in der Library of Congress, Washington, beteiligt sowie an der dreibändigen
Freud-Biografie von Ernest Jones. Ab 1945 Beteiligung an der Herausgabe der Zeitschrift
„The Psychoanalytic Study of the Child“.
Mitglsch., Ausz.: WPV, gem. mit Marianne Kris, Ernst Kris, Anni Katan, Robert Wäl-
der, Wilhelm Reich und Jeanne Lampl-de Groot Mitglied des „Kinderseminars“, so genannt
nicht wegen Kinderanalyse, sondern wegen der jungen Mitglieder der Vereinigung, die sich
gegenüber der ersten Generation als Kinder fühlten. Internationale Psychoanalytische Ver-
einigung, British Psychoanalytical Society. Mai 1920 Gemmenring, den bis dahin nur die
sieben Mitglieder des 1912 von Ernest Jones gegründeten psychoanalytischen Komitees er-
halten hatten; zahlreiche Ehrentitel verschiedener Universitäten und Länder, z. B. Ehrendok-
torat der Rechtswissenschaften der Harvard und der Yale University für psychoanalytische
biografiA.
Lexikon österreichischer Frauen, Band 1, A – H
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- biografiA.
- Untertitel
- Lexikon österreichischer Frauen
- Band
- 1, A – H
- Herausgeber
- Ilse Korotin
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2016
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79590-2
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1422
- Kategorie
- Lexika