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Frischauf-Pappenheim | F 927
Frischauf-Pappenheim Marie, Ps. Maria Heim, Marie Pappenheim; Dermatologin und
Schriftstellerin
Geb. Pressburg, Ungarn (Bratislava, Slowakei), 4. 11. 1882
Gest. Wien, 24. 7. 1966
Herkunft, Verwandtschaften: 1885 übersiedelte die Familie nach Wien. Vater: Max Pap-
penheim, Volksschullehrer; Mutter: Regina, geb. Sprecher; Bruder: Martin (1878–1943),
Dr.med., in Palästina Univ. Prof. für Psychiatrie und Neurologie.
LebenspartnerInnen, Kinder: 1918 Heirat mit Hermann Frischauf (1879 –1942), Dr.med.,
Jugendpsychiater in Wien, Scheidung; 1938–40 KZ Buchenwald, gestorben an den Folgen
der KZ-Haft; Sohn: Johannes (* 1919), Dr.med., Univ. Prof. in Wien.
Ausbildungen: 1903 Matura, gegen den Willen der Eltern Studium der Medizin an der
Universität Wien, 1909 Promotion zur Dr.med.; Facharztausbildung zur Dermatologin.
Laufbahn: M. F.-P. war 1918–34 als Fachärztin für Dermatologie in Wien mit Praxis und
Wohnung in der Rathausstraße 11 im 1. Bezirk tätig. Bereits während des Studiums war
sie schriftstellerisch u. a. als Mitarbeiterin der „Fackel“ tätig. Nach der russischen Okto-
berrevolution begann sie sich mit dem Marxismus zu beschäftigen und war ab 1919 Mit-
glied der neugegründeten Kommunistischen Partei Österreichs. Ihre Praxis entwickelte
sich zu einem kulturellen und politischen Treffpunkt. Im Dezember 1928 gründete sie
gemeinsam mit Wilhelm Reich die „Sozialistische Gesellschaft für Sexualberatung und
Sexualforschung“, eine Einrichtung von sechs „proletarischen Sexualberatungsstellen“ mit
kostenloser Beratung und hielt Frauenberatungsstunden in ihrer Praxis. Sie war ein füh-
rendes Mitglied im „Österreichischen Bund der Freunde der Sowjetunion“. Von 1930–38
führte sie den Egon Grünberg & Co. Verlag in Wien, der eine enge Verbindung zur Kom-
munistischen Jugendinternationale hatte. 1934 nach den Februarkämpfen engagierte sie
sich bei der illegalen „Sozialistischen Arbeiterhilfe“ und vermutlich auch bei der illegalen
KPÖ und der „Roten Hilfe“. Nach einer kurzfristigen Haft emigrierte sie nach Paris, wo
sie als kosmetische Ärztin und in der Partei tätig war. Nach dem „Anschluss“ Österreichs
folgte die Gründung des „Cercle Culturel Autrichien“, um durch Vorträge, Lesungen und
Konzerte für die Befreiung Österreichs zu wirken und die Identifikation Österreichs mit
Deutschland zu verhindern. 1940 flüchtete sie vor dem deutschen Vormarsch nach Süd-
frankreich. Sie wurde im Lager Gurs nahe den Pyrenäen interniert. Nach der Öffnung
des Lagers beim Herannahen der deutschen Truppen 1940 gelang ihr die Emigration
nach Mexico City, wo sie als Ärztin tätig war. Hier arbeitete sie gelegentlich bei „Freies
Deutschland“ und vermutlich bei „Austria Libre“ mit, sowie in der KPÖ-Parteigruppe in
Mexiko. Sie engagierte sich in zahlreichen Initiativen, war Mitgründerin des deutschspra-
chigen Exilverlags „El Libro Libre“ und im „Heinrich-Heine-Klub“ tätig. Schwierigkeiten
bei der Existenzsicherung führten zu ihrer Rückkehr nach Wien im Mai 1947. Bis 1952
war sie als Dermatologin in einer Ambulanz der Wiener Gebietskrankenkasse tätig, da-
neben als Mitarbeiterin der „Stimme der Frau“. Erst jetzt folgte wieder verstärkt die Prä-
sentation ihrer schriftstellerischen Tätigkeit in der Öffentlichkeit. Sie trat wiederholt als
engagierte Kommunistin auf, z. B. mit dem Appell am 3. 5. 1950 an alle österreichischen
SchriftstellerInnen, sich dem Aufruf des österreichischen Friedensrats gegen die Produk-
tion von Atomwaffen anzuschließen.
biografiA.
Lexikon österreichischer Frauen, Band 1, A – H
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- biografiA.
- Untertitel
- Lexikon österreichischer Frauen
- Band
- 1, A – H
- Herausgeber
- Ilse Korotin
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2016
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79590-2
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1422
- Kategorie
- Lexika