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scher Wintergarten“); ab 1. 10. 1910 spielte sie in der Eröffnungsvorstellung des Kabaretts
„Himmel“. 1914–21 hielt sie sich mit ihrem Mann in Amerika auf und eröffnete in New
York ein eigenes Etablissement (das „Weiße Rössel“), in dem sie ein deutsch-amerikanisches
Kabarettprogramm anbot. 1921 kehrte sie nach Wien zurück.
L.: Czeike Bd. 2, 2004, Kosch 1953, Planer 1929, Teichl 1951
Fulda Nathalia (Lilly); Beamtin und Widerstandskämpferin
Geb. Wien, 27. 7. 1896
Gest. Vermutl. in Belgien, nach dem 10. 5. 1940
N. F. wird am 27. Juli in Wien geboren, über ihre Jugend ist wenig bekannt. Sie arbeitet als
Redaktionssekretärin der „Arbeiter-Zeitung“ und verfasst gemeinsam mit Käthe Leichter
zwischen 1934 und 1938 den Nachrichtendienst der „Revolutionären Sozialisten“ (RS). Da-
rüber hinaus ist sie Verbindungsfrau zwischen dem „Auslandsbüro österreichischer Sozial-
demokraten“ (ALÖS) in Brünn und den illegalen AktivistInnen der RS in Österreich. N. F.
nimmt an der Reichskonferenz der Vereinigten Sozialistischen Partei Österreichs teil, die
vom 30. Dezember 1934 bis 1. Jänner 1935 in Brünn stattfindet. Bei dieser Konferenz werden
die Richtlinien der RS festgelegt und die Parteiaufgaben in der Illegalität besprochen. Die
Teilnehmenden werden allerdings von einem Spitzel denunziert und L. F. wird Ende Jänner
1935 gemeinsam mit anderen AktivistInnen der RS verhaftet. Sie ist eine von vier angeklag-
ten Frauen im sogenannten Sozialistenprozess, der ab 16. März 1936 in Wien stattfindet;
insgesamt sind 28 Leute im Zusammenhang mit Widerstand gegen das „ständestaatliche“
Regime angeklagt. N. F. wird beschuldigt, im Auftrag des ehemaligen Chefredakteurs der „Ar-
beiter-Zeitung“, Oskar Pollak, Nachrichten politischen Inhaltes übermittelt zu haben. Bei
einer Hausdurchsuchung, die in ihrer Wohnung in Wien 5, Schlossgasse 16, stattfindet, wird
ein Brief Oskar Pollaks gefunden, der ihre Verbindung zu ihm und zur illegalen sozialdemo-
kratischen Parteiführung beweist. Die politische Komponente dieses Schreibens wird von N. F.
allerdings geleugnet und sie erklärt bei den Einvernahmen durch die Polizei und die Untersu-
chungsrichter, mit Oskar Pollak und seiner Frau Marianne nur privat befreundet zu sein. N. F.
wird gemeinsam mit zwölf weiteren Angeklagten am 24. März 1936 freigesprochen. Nach
ihrer Entlassung aus der Untersuchungshaft ist sie weiterhin für die RS aktiv.
N. F. emigriert nach Belgien und ist in dem ab Mitte März in Brüssel etablierten Büro der
„Sozialistischen Internationale“ tätig. Friedrich Adler arbeitet dort als Sekretär, weitere Mit-
arbeiterInnen aus Österreich sind u. a. Oscar und Marianne Pollak. Diese Anlaufstelle für
EmigrantInnen bietet Hilfe bei finanziellen Problemen, Behördenwegen sowie politische
Betreuung an. Bis zu seiner Auflösung am 10. Mai 1940 ist auch N. F. dort beschäftigt. Wäh-
rend des deutschen Einmarsches in Belgien im selben Jahr, versucht sie vor einer drohenden
Verhaftung durch die Gestapo nach Frankreich zu flüchten. Hier verliert sich ihre Spur.
Aller Wahrscheinlichkeit nach ist sie in einem belgischen Lager umgekommen.
Qu.: DÖW 6109/1,18881/1, 19311/1, 51043.
L.: Dokumentationsarchiv 1984, Dokumentationsarchiv 1987, Holtmann 1978, Kykal 1968,
Leichter 1968, Pasteur 1986, Sporrer/Steiner 1983, Steiner 1973, Weinzierl 1975
Karin Nusko
biografiA.
Lexikon österreichischer Frauen, Band 1, A – H
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- biografiA.
- Untertitel
- Lexikon österreichischer Frauen
- Band
- 1, A – H
- Herausgeber
- Ilse Korotin
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2016
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79590-2
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1422
- Kategorie
- Lexika