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Mädchen dazu an, bis dies ausdrücklich verboten wurde. Den Beitritt zur Jugendorganisation
BDM (Bund deutscher Mädel) hat sie erfolgreich verweigert. Gegen Ende des Krieges haben
sie und andere Mitglieder der katholischen Jugendgruppe in nächtlichen Aktionen gezielt
Naziplakate abgerissen und auch öffentliche Todesanzeigen von Gefallenen, die mit den
Worten „In stolzer Trauer …“ begannen. Nach ihrer Promotion 1946 wurde ihr von ihrem
Doktorvater Prof. Rupprich (den sie bewusst gewählt hatte, um nicht bei dem Nazifreund
Prof. Nadler dissertieren zu müssen) eine Stelle als Assistentin angeboten; das hat sie abge-
lehnt, da sie gerade geheiratet hatte und eine Familie gründen wollte. Sie arbeitete mehrere
Jahre als Sekretärin der Pfarre Gumpendorf, während ihr Mann, der den Krieg als Sanitä-
ter verbracht hatte, Medizin studierte. In diesen Jahren (1947–1951) sind ihre drei Kinder
geboren. 1954 übersiedelte die Familie nach Haugsdorf in Niederösterreich, wo Heinrich
Hrachovec als praktischer Arzt und später als Gemeindearzt arbeitete. M. H. war danach für
viele Jahre Organisatorin der allgemeinärztlichen Praxis und des großen Haushalts. In den
70iger Jahren des 20. Jahrhunderts gaben sie und ihr Mann den Anstoß für die „katholischen
Familienrunden“ in Haugsdorf, an denen bis zu 70 Ehepaare teilnahmen. Es gab regelmäßige
Treffen mit Gedankenaustausch, Vortragsabenden, Nachbarschaftshilfe, auch Gebetsrunden,
Messen und Wallfahrten sowie über einige Jahre eine sehr lebendige Theatergruppe mit viel
besuchten Aufführungen. Bald nach dem Tod ihres Mannes 1986 übersiedelte M. H. in ein
Pensionistenheim nach Wien. Sie starb dort im Alter von 76 Jahren.
Qu.: Transkript eines Interviews mit Maria Hrachovec, geführt von Dr. Elisabeth Holzinger
1983.
W.: „Beiträge zum humanistischen Bildungsprogramm des Peter Luder, Rudolf Agricola
und Konrad Celtis, Diss. Wien“ (1946), „Chronik der Pfarre Wien Gumpendorf 1950 –1958,
unveröffentlicht“
Evamaria Glatz
Hribar Maria, geb. Olip; Bäuerin und Widerstandskämpferin
Geb. Sele Fara/Zell Pfarre, Kärnten, 24. 8. 1924
Herkunft, Verwandtschaften: Die Eltern sind Kärntner Slowenen, sie haben insgesamt acht
Kinder.
LebenspartnerInnen, Kinder: 1946 Heirat mit einem Bauern. M. H. hat acht eigene Kinder
und zwei Ziehtöchter.
Laufbahn: 1929 übersiedelt die Familie nach Ebriach. M. H. muss bereits im Alter von
12 Jahren am elterlichen Bauernhof mitarbeiten. 1942 werden ihre Eltern von der Gestapo
wegen Unterstützung von PartisanInnen verhaftet und ins Klagenfurter Gefängnis gebracht.
Der Vater stirbt an den Folgen der Folterungen, die Mutter, sie ist zu dieser Zeit schwan-
ger, wird nach Aichach deportiert. M. H. muss nun den Hof und die Geschwister alleine
versorgen, bis sie selber verhaftet wird. Sie ist von Ende Dezember 1942 bis Anfang Mai
1945 inhaftiert. Verurteilung durch das OLG wegen Unterstützung von PartisanInnen im
Grenzgebiet zwischen Kärnten und Slowenien am 23. 7. 1943.
L.: Amesberger/Halbmayr 2001, Brauneis 1974
biografiA.
Lexikon österreichischer Frauen, Band 1, A – H
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- Titel
- biografiA.
- Untertitel
- Lexikon österreichischer Frauen
- Band
- 1, A – H
- Herausgeber
- Ilse Korotin
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2016
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79590-2
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1422
- Kategorie
- Lexika