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und Darstellende Kunst in Wien, fand in der Saison 1922/23 ein erstes Engagement am
Linzer Landestheater und trat dann in Mährisch-Ostrau sowie an verschiedenen Kaba-
rettbühnen in Wien und Deutschland auf. Des Tourneelebens überdrüssig und unter dem
Eindruck von Werner Fincks Berliner „Katakombe“ gründete sie in Wien die Kleinkunst-
bühne „Der liebe Augustin“, die am 7. November 1931 im Café Prückel in Wien 1, Biber-
straße, ihre Pforten öffnete. Trotz enormer Anfangsschwierigkeiten, die auf die mangelnde
finanzielle Basis zurückzuführen waren, konnte sich „Der liebe Augustin“, getragen von ei-
nem engagierten und idealistischen Ensemblekollektiv rund um den Haus- und Blitzdich-
ter Peter Hammerschlag, den Blitzzeichner und Maler Alex Sekely und den Komponisten
Fritz (Fred) Spielmann, bald durchsetzen und in der Wiener Theaterszene Fuß fassen. Der
Zuzug der Exilanten aus Nazi-Deutschland, allen voran des Schriftstellers Gerhart Herr-
man Mostar, mit dem St. K. auch privat eine enge Beziehung verband, trug zur künstle-
rischen Bereicherung wesentlich bei. Ab 1935 wurde im Sommer auf der Hohen Warte
in Wien-Döbling auch ein Freilufttheater, „Der liebe Augustin im Grünen“, bespielt. Die
letzte Vorstellung des „Lieben Augustin“, der die Ära der politisch-literarischen Kleinkunst
in Wien begründet hatte und – trotz zensurbedingter Einschränkungen durch den Stän-
destaat
– gegen den Faschismus aufgetreten war, fand am 9. März 1938 statt.
Nach dem „Anschluss“ war St. K. mit ihrer Familie gezwungen, Österreich zu verlassen.
Unter teilweise lebensbedrohenden Bedingungen flüchtete sie über Jugoslawien und Grie-
chenland nach Palästina. In Tel Aviv eröffnete sie am 8. April 1940 wieder ein eigenes Ka-
barett, „Papillon“, dem allerdings trotz Anfangserfolgs kein langer Bestand beschieden war.
St. unternahm daraufhin Tourneen durch verschiedene Orte des Landes und trat auch vor
Soldaten der britischen Armee auf. Zuletzt veranstaltete sie ab 1943 erfolgreiche Chan-
son- und Leseabende auf dem Dachgarten ihres Wohnhauses in Tel Aviv (etwa F. Werfel,
„Jakobowsky und der Oberst“ oder B. Brecht, „Furcht und Elend des Dritten Reiches“), die
jedoch aufgrund von terroristischen Bombendrohungen eingestellt werden mussten.
Entschlossen, zum frühestmöglichen Zeitpunkt nach Österreich zurückzukehren und den
Theaterbetrieb wieder aufzunehmen, kam St. am 29. April 1947 nach Wien zurück und
hatte wie viele Remigranten mit anfänglichen Schwierigkeiten – in ihrem Fall ging es
um die Wiedererlangung der Theaterkonzession – zu kämpfen. Trotzdem konnte sie den
„Lieben Augustin“, der zwischenzeitlich von Fritz Eckhardt übernommen worden war, zu
Saisonbeginn 1947/48 wieder eröffnen. Als sich allerdings das Konzept des literarischen
Kabaretts als nicht (mehr) zeitgemäß erwies, wagte sich St. K. im April 1948 auf Anraten
des späteren Justizministers Christian Broda an die Aufführung von Szenen aus Brechts
„Furcht und Elend des Dritten Reiches“, womit sich erstmals ein Wiener Theater mit dem
Thema der Vergangenheitsbewältigung auseinandersetzte. Aufgrund des durchschlagenden
Erfolgs entschloss sich St. K., dieser neuen Linie treu zu bleiben und ihrem Theater den
programmatischen Namen „Theater der Courage“ zu geben. Der eklatante Nachholbedarf
an Gegenwartsliteratur und die Entdeckung neuer Autoren bestimmten den vorerst eher
avantgardistischen Spielplan, es kam zu vielen, oft finanziell risikoreichen Ur- und Erstauf-
führungen, etwa W. Borchert, „Draußen vor der Tür“, J. P. Sartre, „Die ehrbare Dirne“ oder
F. Bruckner, „Die Rassen“. Das „Theater der Courage“ wurde damit – so wie vormals „Der
Liebe Augustin“ – richtungweisend für eine neue Gattung von Kleinbühnen in Wien. Und
biografiA.
Lexikon österreichischer Frauen, Band 2, I – O
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- biografiA.
- Untertitel
- Lexikon österreichischer Frauen
- Band
- 2, I – O
- Herausgeber
- Ilse Korotin
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2016
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79590-2
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1026
- Kategorie
- Lexika