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Kallmus | K 1551
Die Woche (Berlin ab 1914), Das Wiener Magazin (ab 1917), Vu (Paris ab 1917), Officiel de
al Couture et la Mode (Paris ab 1917), Das Magazin (Berlin ab 1926), Femina (Paris ab 1925),
Moderne Welt (Wien ab 1921), Madame (München ab 1953), Querschnitt, Der Tanz, Uhu;
Ausz.: Verkehrsflächenbenennung: 2012 Madame-d’Ora-Park in 1220 Wien.
Qu.: Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg; Sammlung Hans Frank, Bad Ischl (Brief-
wechsel mit Arthur Benda); Österreichische Nationalbibliothek; Bildarchiv und Theater-
sammlung; Mag. Wolf-Erich Eckstein, IKG Wien.
L.: Beckers 1993, Faber 1983, Faber 1984, Faber 1987, Faber 1992, Geber/Rotter 1999, Ger-
ber/Rotter/Schneider 1992, Kempe 1977, Philipp 1984
Kallmus Leopoldine (Poldi, Poldy), verh. Wittgenstein; Amateurpianistin und Hausfrau
Geb. Wien, 14. 3. 1850
Gest. Wien, 3. 6. 1926
Herkunft, Verwandtschaften: Der Vater Jakob Kallmus (1814 –1870), der ursprünglich aus
Prag stammte, war ein Weißwarenhändler, der sich in Wien niedergelassen hatte und schon
in jungen Jahren vom Judentum zum Katholizismus konvertierte. Die Mutter Marie Stall-
ner kam aus einer südsteirisch-katholischen Kaufmannsfamilie. Ihr Ehemann Karl Witt-
genstein (1847–1913) galt in der Spätzeit der Donaumonarchie als einer der mächtigsten
Unternehmer. Von ihren acht Kindern gelangten insbesondere Paul (1887–1961) und Lud-
wig (1889 –1951) zu Weltruhm. Ersterer wurde, nachdem er im 1. Weltkrieg seine rechte
Hand verloren hatte als „einarmiger Pianist“ bekannt, letzter gilt als einer der bedeutendsten
Philosophen des 20. Jahrhunderts.
Laufbahn: L. K.-W. wurde als drittes von vier Kindern des Ehepaares Jakob und Marie
Kallmus am 14. März 1850 in Wien geboren. Die Familie war gut situiert, aber nicht reich.
Da ihre Mutter katholisch war und der Vater früh konvertiert, war sie seit frühester Kindheit
vom Katholizismus geprägt und brachte diese Komponente nach ihrer Eheschließung auch
in die jüdisch-protestantische Familie Wittgenstein ein. Schon frühzeitig widmete sich die
äußerst musikalische L., zu deren Lehrern u. a. Karl Goldmark zählte, intensivst dem Kla-
vierspiel. Die Musikbegeisterung verband sie auch mit ihrem Ehemann Karl Wittgenstein,
der in einem Haus aufgewachsen war, wo der Geiger Joseph Joachim, mit dem die Familie
weitläufig verwandt war, und Johannes Brahms ein und ausgingen.
L. K., die drei bis vier Stunden täglich musizierte und damit professionelle Dimensionen
erreichte, entwickelte insbesondere in der Begleitung von Sängern große Fähigkeiten und
war in der Folge u. a. mit der Sängerin Marie Fillunger befreundet. Die Musik bildete auch
einen Fluchtpunkt für die mit acht Kindern etwas überforderte Frau, die unter der Domi-
nanz ihres erfolgreichen, aber autoritären Ehemannes litt, und die Erziehung der Kinder
weitgehend Kinderfrauen oder ihrer ältesten Tochter Hermine überließ. Der Selbstmord
dreier Söhne in jüngeren Jahren überschattete ihr Leben zusätzlich. Nachdem ihre letzten
Jahre zunehmend von Neurosen und Krankheiten geprägt waren, verstarb sie im 77. Le-
bensjahr an Arterienverkalkung.
Qu.: H. Wittgenstein, Erinnerungen (unpubl. Typoskript), Wien 1944/48.
L.: Gaugusch 2011, Nedo/Ranchetti 1983, Prokop 2003
Ursula Prokop
biografiA.
Lexikon österreichischer Frauen, Band 2, I – O
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- biografiA.
- Untertitel
- Lexikon österreichischer Frauen
- Band
- 2, I – O
- Herausgeber
- Ilse Korotin
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2016
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79590-2
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1026
- Kategorie
- Lexika