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Im Dezember 1939 kam sie mit der von Roman Karl Scholz geleiteten Österreichischen
Freiheitsbewegung (ÖFB) in Berührung, wurde durch Gerhard Fischer-Ledenice in diese
eingeführt und legte im Februar des darauffolgenden Jahres den Eid auf die Bewegung ab.
Scholz übertrug ihr als „Frauenschaftführerin“ Aufbau und Leitung der Frauengruppe. Un-
ter dem Decknamen „Mucki“ oder auch „Lou“ betreute sie eine Gruppe von ca. zehn Frauen
und führte der Bewegung auch neue TeilnehmerInnen zu. Als Mitglied des Vollzugsaus-
schusses nahm sie meist an den wöchentlichen Zusammenkünften der Führungsgruppe um
Scholz, zu dessen engen Vertrauten sie gehörte, teil und war in die Planungen und Aktionen
der Gruppe eingebunden, etwa in die Ausforschung eines Munitionsdepots der Wehrmacht
im Halterbachtal, bei der sie einen Ohnmachtsanfall vortäuschte, um die Wachen abzulen-
ken und ihren Kameraden unbewacht den Zutritt zu verschaffen.
Als die ÖFB durch den Burgschauspieler Otto Hartmann, selbst leitendes Mitglied der Be-
wegung, an die Geheime Staatspolizei verraten wurde, war K. unter den ersten Festgenomme-
nen: Sie wurde am 23. 7. 1940 in Wien verhaftet und bis zum Dezember in der Rossauerlände
festgehalten, dann ins Landesgericht I überstellt. Am 23. 2. 1944 wurden sie im Rahmen des
gegen Scholz und andere in Wien abgehaltenen Volksgerichthofsprozesses wegen Vorbereitung
zum Hochverrat zu sechs Jahren Zuchthaus und sechs Jahren Verlust der Ehre verurteilt; vier
ihrer Mitangeklagten, darunter Scholz, wurden hingerichtet. Sie verbüßte ihre Strafe im Frauen-
zuchthaus Jauer der Haftanstalt Krems. Erst das nahende Kriegsende beendete auch das Leiden
der Gefangenen: L. K. wurde aus „kriegsbedingten Gründen“ am 19. 2. 1945 entlassen; durch
die Haft war allerdings ihre Gesundheit stark beeinträchtigt, dass sie ihre Karriere als Pianistin
beenden musste.
Nach dem Ende des Krieges trat L. K. noch als Zeugin in Kriegsverbrecherprozessen in Wien
vor die Öffentlichkeit. So fungierte sie vor allem im November 1947 als Hauptbelastungszeugin
im Volksgerichtsprozess gegen den Verräter und Agent provocateur Otto Hartmann, und hin-
terließ dabei einen so starken Eindruck, dass der Gerichtsreporter des „Neuen Österreich“ sie
als die „wohl interessanteste Person des ganzen Prozesses“ bezeichnete, in deren „bitterernster
Geschichte ihres traurigen Schicksals ein ganz klein wenig die Romantik des Kampfes an der
Seite des von allen verehrten Chorherrn [R. Scholz] mitklingt“ (Neues Österreich, 7. 11. 1947).
Qu.: DÖW; IKG Wien; Datenbank Orpheus Trust, Wien; MA 61, Wien.
L.: Albu 2001, Brauneis 1974, Dokumentationsarchiv 1987a, Dokumentationsarchiv 1992b,
Karl von Vogelsang-Institut 1989, Klusacek 1968, Schuh 1994, Tidl 1978, Das Kleine Volks-
blatt, 7. 11. 1947, Neues Österreich, 7. 11. 1947, ÖBL-Online
Elisabeth Lebensaft
Kann Edith; Zoologin
Geb. Krems, NÖ, 1907
Gest. 1987
Ausbildungen: 1926 –31 Studium der Naturgeschichte und Geographie für das Lehramt an
Mittelschulen an der philosophischen Fakultät der Universität Wien, 1932 Lehramtsprü-
fung; 21. 3. 1921 Promotion.
Laufbahn: Anschließend an die Lehramtsprüfung Probejahr; Hydrobiologische Kurse in Lunz,
nach der Promotion arbeitslos, unterbrochen von vorübergehenden Vertretungen in der Schule,
biografiA.
Lexikon österreichischer Frauen, Band 2, I – O
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- biografiA.
- Untertitel
- Lexikon österreichischer Frauen
- Band
- 2, I – O
- Herausgeber
- Ilse Korotin
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2016
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79590-2
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1026
- Kategorie
- Lexika