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Th. M. (geb. Lutzer) wurde am 14. August 1912 in Krems geboren. Ihr Vater war Tischler
und einer der Mitbegründer der lokalen Sozialdemokratie, ihre Mutter war in einer Berg-
mannsfamilie in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen. Auch Th. war seit ihren Jugend-
jahren in den Organisationen der ArbeiterInnenbewegung aktiv, bei den Kinderfreunden,
im Arbeiter-Turnverein (ATV), den Roten Falken und in der Sozialistischen Arbeiterju-
gend. Nach dem Besuch der Volks- und Bürgerschule arbeitete M. von Oktober 1929 bis
zum Februar 1934 in der Tagesheimstätte der Kremser Kinderfreunde als Hortleiterin und
Erzieherin. Von 1930 bis 1933 gehörte sie der Sozialdemokratischen Partei als Mitglied
an, hierauf trat sie auf dem Wege der „Linksradikalen Arbeiteropposition“ (LRAO), einer
linksoppositionellen Gruppierung innerhalb der Sozialdemokratie, zur KPÖ über, die be-
reits im Mai dieses Jahres verboten worden war. Auch ihr späterer Ehemann Alois, den sie
im Mai 1943 heiratete, gelangte 1933 über die LRAO zur kommunistischen Bewegung und
wurde im Kremser Kommunistischen Jugendverband (KJV) aktiv.
Nachdem infolge der Februarkämpfe des Jahres 1934 alle sozialdemokratischen Organisatio-
nen, darunter auch die Kinderfreunde, verboten worden waren, endete M.s Dienstverhältnis
mit der sozialdemokratischen Kinderorganisation. Bis 1938 folgten Jahre der Arbeitslosig-
keit. Von Juni bis August 1934 saß sie aufgrund ihrer illegalen politischen Arbeit im Kreis-
gericht Krems in Untersuchungshaft. Von Mai bis Juli 1935 war sie erneut inhaftiert, was
ihren geplanten Besuch der „Internationalen Leninschule“ in Moskau vereitelte.
Nach einem fünfmonatigen Fachkurs für Buchhaltung war M. im Herbst 1938 drei Monate
als Kontoristin und Stenotypistin bei einer Kremser Speditionsfirma beschäftigt. Nach ihrer
Übersiedlung nach Wien begann sie im Februar 1939 über Vermittlung des Arbeitsamtes
als Bibliothekarin zu arbeiten. Bis März 1945 war sie hierauf in der Bibliothek des „Statis-
tischen Amtes für die Alpen- und Donau-Reichsgaue“, das in der Neuen Burg am Wiener
Heldenplatz untergebracht war, als Vertragsangestellte beschäftigt. M.s Angaben zufolge
waren die meisten der höheren Beamten dieses Amtes antinazistisch (monarchistisch) ein-
gestellt, was ihren Prüfungserfolg und ihre Einstellung ins Amt begünstigte. Parallel dazu
besuchte sie zu ihrer Weiterbildung Kurse der Volkshochschulen und des „Freien Lyzeums“.
Gegen Kriegsende wurde M. ausgebombt, worauf sie auf eigenen Wunsch hin aus dem
Dienstverhältnis mit dem Statistischen Amt ausschied und nach Krems zurückkehrte.
Nach der Befreiung vom Faschismus begann M. in Krems als Frauenleiterin der KPÖ-Be-
zirksleitung zu arbeiten. Sie gehörte auch (als erste Frau) dem provisorischen Gemeinderat
der Stadt Krems an und wurde am 21. September 1945 zur amtsführenden Stadträtin ge-
wählt, zuständig für Schule und Kultur. Insgesamt setzte sich der damalige Stadtsenat aus
zwölf Mitgliedern zusammen, die drittelparitätisch von den drei demokratischen Parteien
ÖVP, SPÖ und KPÖ entsendet wurden. Als Stadträtin für Schule und Kultur machte sich
M. um die Erhaltung von Kulturdenkmälern verdient, gründete ein Stadtorchester, förderte
Laienbühnen und den Sport und setzte vor allem in schulpolitischer Hinsicht Akzente:
1947 gelang es ihr, von den sowjetischen Besatzungstruppen die Freigabe einer Kaserne
zu erreichen, die nach ihrer Sanierung zur Schule umgebaut wurde. Hierauf fanden in der
ehemaligen Pionierkaserne fünf Lehranstalten Platz, 100 Familien erhielten hier eine neue
Wohnung. Bei den Gemeinderatswahlen des Jahres 1950 erreichte die KPÖ zwar 15 Prozent
der Stimmen, M. musste nun aber nach fünf Jahren Amtstätigkeit als Kulturstadträtin aus