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Sandrock2822
Johann Stelzl gibt sie am 26. April 1946 Folgendes zu Protokoll: „Am 15. 9. wurde ich von
Augustin geholt und zum Verhör ins Gestapohaus in der Kärntnerstrasse geführt. Es be-
gann zeitlich früh. Als ich nicht aussagte, was Augustin wissen wollte, musste ich mit
Augustin in die kleine Kanzlei nebenan gehen, die Kanzlei des Gestapobeamten Kollmann,
mich dort mit dem Bauch über einen Sessel legen und Augustin schlug mich mit einem
schweren Ochsenziemer, der irgend einen harten Gegenstand enthalten haben dürfte. Er
schlug mich hauptsächlich auf Gesäß und über die Hände, weil ich abwehren wollte. Dabei
war der Kollmann anwesend und machte höhnische Bemerkungen. Dann wurde ich in eine
Dachkammer gesperrt, wo Mesner und noch ein mir unbekannter Gestapomann waren.
Dort versuchte Mesner, der Spitzel, mich zu verhören und versetzte mir eine starke Ohr-
feige. Dort brach ich das erste Mal aus Schwäche zusammen. Um 1/2 3 Uhr nm. wurde ich
wieder zu Augustin geholt und wieder verhört und abwechselnd geschlagen. Dabei waren
sechs Gestapoleute anwesend, die den Augustin ermunterten, mich recht fest zu schlagen.
[…] Nach [einer] 1/2 Stunde wurde ich wieder in die Dachkammer geführt und erst am
Abd. um 1/2 8 Uhr entlassen und ins Gefängnis zurückgeführt.“ Durch die Misshandlun-
gen konnte P. S. 14 Tage lang nicht gehen und nur auf dem Bauch liegen. Am 3. Oktober
1944 wurde Frau S. unter der Nummer 75081 im KZ Ravensbrück registriert und Ende des
Monats nach Magdeburg-Polte, einem Nebenlager von Buchenwald überstellt, wo sie als
Häftling Nummer 32513 bis Mitte April 1945 Zwangsarbeit leisten musste. Unmittelbar
nach ihrer Rückkehr musste sich P. einer Operation unterziehen, die Ärzte stellten die Dia-
gnose Eierstockkrebs, welcher sich zweifellos durch die Haft verschlechtert hatte. Zudem
war sie stark unterernährt und litt an Nervosität und Rheuma. Die gesundheitlichen wie
wirtschaftlichen Verhältnisse waren in den Nachkriegsjahren sehr schlecht. Sie lebte – spä-
ter auch der Ehemann – mit den Eltern in einer Zimmer-Küche-Kabinett-Wohnung. Der
Vater war schwer tuberkulös. Durch die Krankheit konnte Frau S. zunächst auch keiner
Beschäftigung nachgehen. Im August 1948 heiratete sie Rudolf Sandrieser. Aufgrund des
„Doppelverdienergesetzes“ drohte ihr dadurch der Verlust des Arbeitsplatzes bei der Bun-
desbahn, da der Ehemann eine Beschäftigung im Hüttenwerk Donawitz hatte. Obwohl P. S.
bis 1949 nachbestrahlt wurde, bildeten sich einige Jahre später erneut Metastasen. Sie starb
am 11. Juni 1959 in der Grazer Frauenklinik.
Qu.: Archiv der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück: Häftlingsdatenbank; DÖW 13158e;
IKF: Fragebogen, ausgefüllt von Rudolf Sandrieser (3. 3. 2006); Justizanstalt Leoben: Gefan-
genenvermerk 03. 08. 1944–17. 11. 1944; Landesarchiv Steiermark: Opferfürsorgeakte.
L.: Muchitsch 1966
Brigitte Halbmayr
Sandrock Adele; Schauspielerin
Geb. Rotterdam, Niederlande, 19. 8. 1863
Gest. Berlin, Deutsches Reich (Deutschland), 30. 8. 1937
Herkunft, Verwandtschaften: Vater: Eduard O. Sandrock, deutscher Kaufmann; Mutter:
Nans ten Hagen (1831–1917), niederländische Schauspielerin. Sie wuchs mit ihren sieben
Geschwistern in Rotterdam und Berlin auf. Darunter Schwester Wilhelmine (1862–1948),
Schauspielerin, Bruder Christian (1865 –1924), Maler und Schriftsteller.
biografiA.
Lexikon österreichischer Frauen, Band 3, P – Z
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- Titel
- biografiA.
- Untertitel
- Lexikon österreichischer Frauen
- Band
- 3, P – Z
- Herausgeber
- Ilse Korotin
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2016
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79590-2
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1238
- Kategorie
- Lexika