Seite - 2824 - in biografiA. - Lexikon österreichischer Frauen, Band 3, P – Z
Bild der Seite - 2824 -
Text der Seite - 2824 -
S |
Sandrock2824
LebenspartnerInnen: Liiert mit dem bedeutenden österreichischen Schriftsteller Hermann
Bahr, Verlobung.
Ausbildungen: Gesangsunterricht an der Neuen Akademie der Tonkunst von Theodor Kul-
lak; Schauspielunterricht erst bei der Mutter, dann beim Hofschauspieler Heinrich Ober-
länder.
Laufbahn: W. S. verbringt ihre Kindheit in Rotterdam. Die Familie übersiedelt 1873 nach
Berlin, wo W. S. zur Schule geht, die deutsche Sprache erlernt und erste kleine Rollen in
Schulaufführungen spielt. Unter dem dominanten Einfluss der Mutter kommen W. S. und
ihre Schwester Adele früh zum Theater. W. S. debütiert bald am Berliner Nationalthea-
ter, kommt dann in Franz Wallners Theater in Berlin unter Vertrag und geht danach ans
Hoftheater in Sankt Petersburg. Anschließend kehrt sie nach Berlin zurück, wo sie als „Pup-
penprinzessin“ am Kroll’schen Theater zu sehen ist. Sie tritt auch immer wieder als Sänge-
rin auf; ihr größter Erfolg ist das „Veilchen-Couplet“, gesungen in holländischer Sprache.
Im Frühjahr 1884 holt sie der Intendant des k. k. Hofburgtheaters, Adolf von Wilbrandt,
nach Wien, wo sie bis 1898 wirkt und in den Jahren 1895–1898 regelmäßig zusammen
mit ihrer jüngeren Schwester Adele auftritt. Um den Jahreswechsel 1893/40 unterhält W. S.
eine romantische Beziehung mit Hermann Bahr, die zur Verlobung führt. Rückschlüsse
auf die Art des Verhältnisses lassen sich aus diversen Briefwechseln ziehen; so wendet sich
Adele Sandrock am 29. 12. 1893 an Bahr, bittet ihn zum Sylvesterabendessen mit „Willy“
(Wilhelmine), „dem kleinen Schnitzler“ und anderen zu kommen. Tags darauf folgt ein in
klagend-satirischem Ton gehaltener Brief, worin sie ihm vorwirft, sie wisse, welchen Armen
er sich entwinde, sie könne ihm nicht dazu gratulieren und hoffe, dass kein Bastard daraus
werde, ein in diesen Fragen bewanderter „Dr. Sz.“ habe keine Zeit, sich darum zu kümmern.
In ihren Briefen aus der Zeit nach 1900 nennt W. S. Bahr „Herr Doktor“ und bittet ihn, sich
bestimmte Aufführungen anzuschauen, da er der einzige Verehrer ihres schauspielerischen
Talents sei. Im Jahr 1898 hat W. S. an das damalige Kaiserjubiläums-Stadttheater (heute
Volksoper) gewechselt, sie zieht sich einige Jahre später zusehends aus der Schauspielerei
zurück. Die Familie Sandrock wird nun von der erfolgreicheren Schwester Adele erhalten,
die zu diesem Zweck 1902 an das Deutsche Volkstheater in Wien zurückkehrt. Nach dem
Ersten Weltkrieg gibt W. S. ihren Beruf vollständig auf und lässt sich in Berlin-Charlotten-
burg nieder, wo sie mit Adele eine Wohnung teilt. Als diese stirbt, vollendet W. S. deren Bio-
grafie und gibt sie 1940 heraus. Außerdem kauft W. S. eine Familiengruft im evangelischen
Matzleinsdorfer Friedhof in Wien, wo Adele unter großer medialer Aufmerksamkeit und
im Beisein von Größen aus Politik, Kunst und Gesellschaft beigesetzt wird und wo später
auch W. S. zur letzten Ruhe gebettet wird.
Qu.: Im Nachlass von Hermann Bahr im Österreichischen Theatermuseum (Wien) finden
sich spätere Briefe von W. S. (nach 1900) an Bahr sowie zwei Briefe von Adele Sandrock an
Bahr. Im Deutschen Theatermuseum (München) finden sich Briefe Bahrs an W. S., hier sind
auch Korrespondenzen zwischen den beiden Schwestern erhalten.
W.: „Puppenprinzessin in ‚Die Puppenprinzessin’ (Eduard Jacobson und Otto Girndt)“,
„Mutter – Michael“ (1923, Regie: Carl Theodor Dreyer), „Witwe Monthieu – Die große
Sehnsucht“ (1930, Regie: Stefan Székely)
L.: Balk 1997, Balk 2005, Eisenberg 1891, Eisenberg 1903, Sandrock 1940
biografiA.
Lexikon österreichischer Frauen, Band 3, P – Z
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- biografiA.
- Untertitel
- Lexikon österreichischer Frauen
- Band
- 3, P – Z
- Herausgeber
- Ilse Korotin
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2016
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79590-2
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1238
- Kategorie
- Lexika