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sener Allrounder und Mitbegründer der Wiener Secession beeinflusste seine Schülerin vor
allem auf dem Gebiet des Holzschnittes. In einigen Blättern, die sich heute in Privatbesitz
befinden, schließt die Künstlerin nahtlos an die abstrakten Arbeiten ihres Lehrers an. Es
ist anzunehmen, dass sie nach Abschluss ihrer Ausbildung bei Böhm im Sommer 1910 die
Künstlerkolonie Dachau besuchte, denn im Dezember 1910 heiratete sie. Die erste Tochter,
Gertrud, kam bereits 1911 zur Welt. In der Skodagasse, wo die jungen Eheleute auch wohn-
ten, führte sie nach eigenen Angaben ihr Atelier. Ob im Wohnhaus Nr. 15 oder im Haus
Nr. 44, wie von Eisler angegeben, ist ungeklärt. Wahrscheinlich hatte sie auch eine Ausbil-
dung in Metallbearbeitung, da sie dieses Material sehr gut beherrschte und auch bevorzug-
te. In zwei Publikationen des Österreichischen Werkbundes, dessen Mitglied sie ebenfalls
war, findet sie 1916 und 1920 Erwähnung. Gmeiner und Pirhofer zeigen in ihrem Buch
über den Österreichischen Werkbund 1985 lediglich eine Abbildung der Metallarbeiten
ohne auf die Künstlerin einzugehen. Die zwei Semester, 1926/27, als Gasthörerin an der
Kunstgewerbeschule in Wien bei Rudolf von Larisch im Kurs für Ornamentale Schrift und
Heraldik können als eine Fortbildung im heutigen Sinne betrachtet werden. 1908 fand ihre
erste Ausstellungsbeteiligung in der Wiener Kunstschau mit einem Plakatentwurf statt. In
den Jahren 1921, 1923 und 1936 stellte sie mit der Vereinigung der bildenden Künstlerinnen
Österreichs, deren Mitglied sie war, an verschiedenen Örtlichkeiten Landschaftsbilder und
ein Porträt aus. Vor einigen Jahren wurde ein signierter Plakatentwurf in der Zeitschrift
der kommunistischen Frauenbewegung in Österreich „Stimme der Frau“ abgebildet. Er
zeigt eine große Gruppe von Frauen, in deren erster Reihe drei von ihnen ein überdimen-
sionales Plakat halten, mit der Aufschrift „DEN FRAUEN IHR RECHT“. Wie weit sich
die Künstlerin auch politisch mit diesem Thema auseinandersetzte, ist nicht bekannt. Bei
der älteren Tochter Gerti kann eine gewisse Prägung durch das Elternhaus angenommen
werden und so ist ihr politisches Engagement (in der kommunistischen Bewegung) besser
verständlich. Wie nachlässig mit der weiblichen Urheberschaft eines Kunstwerkes damals
umgegangen wurde, kann man an Hand der Zuordnung des Exlibris von M. S.-D. für K. von
A. Hardt-Stremayr beobachten. Dem Autor des Buches über Jugendstil-Exlibris, Helmut
Franck, lag ein mit M. Deutsch handschriftlich signiertes Exlibris zur Bearbeitung vor. Da es
einen Maler Moritz Deutsch in der Literatur gibt, der in Wien lebte, erfolgte sehr schnell die
falsche Zuordnung, die aber unmöglich stimmen kann, denn Moritz Deutsch starb bereits
1882 in Wien. Diese falsche Zuordnung hatte auch zur Folge, dass die Künstlerin, die noch
1993 bei Witte angeführt wird, dann in der Exlibris-Bibliographie europäischer Künstler
1996 durch Moritz Deutsch ersetzt wurde.
Mitglsch.: Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs, Österreichischer Werkbund.
Ausstellungsbeteiligungen: Wiener Kunstschau 1908; Jahresausstellung der Vereinigung
bildender Künstlerinnen Österreichs 1921; Jahresausstellung der Vereinigung bildender
Künstlerinnen Österreichs 1923; Jahresausstellung der Vereinigung bildender Künstlerin-
nen Österreichs 1936.
Qu.: Mitteilungen Fr. Dr. Eva Schmidt-Kreilisheim, Enkelin, Sammlung d. Univ. f. an-
gewandte Kunst Wien, Kunstarchiv Werner J. Schweiger, Wien, Archiv der Vereinigung
bildender Künstlerinnen Österreichs, Archiv Wien-Bibliothek, Gewista Plakatsammlung,
Mitteilung von Prof. Dr. Heinz Decker, Deutsche Exlibris Gesellschaft.
biografiA.
Lexikon österreichischer Frauen, Band 3, P – Z
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- Titel
- biografiA.
- Untertitel
- Lexikon österreichischer Frauen
- Band
- 3, P – Z
- Herausgeber
- Ilse Korotin
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2016
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79590-2
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1238
- Kategorie
- Lexika