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biografiA. - Lexikon österreichischer Frauen, Band 3, P – Z
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S | Scharnschlager2854 Scharnschlager Anna; Täuferin Geb. ? Gest. 1565 Herkunft, Verwandtschaften: Eltern: Konrad Honigler und Margaret Rieper; Schwester: Veronika, verheiratet mit Hans Steger, Jurist in Kitzbühel; Nichte: Regina; Onkel: Dr. Jo- hannes Rieper, Dekan und Dompropst in Brixen. LebenspartnerInnen, Kinder: Verheiratet in erster Ehe mit Gallus Steger, dem Bruder ihrer Schwester Veronika; in zweiter Ehe mit Leupolt Scharnschlager; Kinder: Ursula, verheiratet mit Hans Felix aus Straßburg. Laufbahn: A.s Eltern Konrad Honigler und Margaret Rieper waren wohlhabende Bürger in Hall in Tirol. Ihr Onkel mütterlicherseits, Johannes Rieper, war Dekan der Bischofskir- che von Brixen. A.s Mann, Leupolt Scharnschlager, kam aus Rattenberg in Tirol. Ihr ge- meinsamer Lebensmittelpunkt war Hopfgarten in der Nähe von Kitzbühel. A. und Leupolt Scharnschlager hatten eine gemeinsame Tochter Ursula. Im Unterinntal war Rattenberg eines der Zentren der TäuferInnenbewegung in Tirol. Aus Rattenberg stammte auch einer der führenden Köpfe dieser religiösen Gruppierung im süd- deutschen Raum, Pilgram Marpeck († 1556). In dessen Umfeld haben sich wahrscheinlich A. und ihr Mann dieser Gemeinschaft angeschlossen. Aufgrund der staatlichen Maßnah- men gegen die TäuferInnen, die oftmals die Todesstrafe zur Folge hatte, – zwischen 1528 und 1542 wurden 139 TäuferInnen in Rattenberg und Kitzbühel hingerichtet –, entschlos- sen sich die Scharnschlager, Hopfgarten zu verlassen. A. war damals eine etwa vierzigjährige Frau und ihre Tochter Ursula etwa zwanzig Jahre alt. Bevor sie mit ihrer Familie außer Landes ging, verkaufte sie ihren Besitz an ihren Schwager Hans Steger, einen Juristen in Kitzbühel. Eine Truhe mit persönlicher Habe, Schmuck, Erbstücke und Kleidung im Wert von 77 Gulden, hinterließ sie zur Verwahrung bei ihrer Schwester Veronika. Auch sollte Veronika einige Sachen für sie verkaufen. Die Familie begab sich 1530 in das tolerantere Straßburg, wo bereits Pilgram Marpeck Zu- flucht gefunden hatte. In der Stadelgasse fanden sie ein Haus. Leupolt wurde als Seifensieder tätig. Bald stellte sich heraus, dass Straßburg nur eine Zwischenstation war. Anfang 1532 war Pilgram Marpeck von der Stadtregierung zum Verlassen der Stadt gezwungen worden. Seine Divergenzen mit dem Reformator der Stadt, Martin Bucer (Butzer) († 1551), waren zu groß geworden. A.s Mann trat nun an die Spitze von Pilgram Marpecks Straßburger TäuferInnen- gemeinde. 1533 heiratete die Tochter Ursula ein Mitglied dieser Gemeinde, Hans Felix, einen Glockengießer, Schlüsselmacher und Uhrmacher. Die beiden verließen Straßburg, um sich in Mähren (Znaim [Znojmo]) niederzulassen. Mit den Eltern blieben sie in Briefkontakt. 1534 wurden auch A. und Leupolt Scharnschlager von der Stadt vertrieben. Bevor sie weg- gingen, richtete Leupolt Scharnschlager noch einen sehr eindringlichen Appell für religiöse Toleranz an den Straßburger Stadtrat. Wohin sie sich begaben, ist unbekannt. Möglicher- weise sind sie Pilgram Marpeck gefolgt, der sich um diese Zeit in Sankt Gallen in der Schweiz aufhielt. A. bemühte sich in dieser Zeit auch, die Habe, die sie ihrer Schwester anvertraut hatte, zu bekommen, jedoch vergeblich. 1546 leben A. und ihr Mann in Ilanz in Graubünden in der Schweiz. Dort konnten sie auch ihren Glauben ungehindert praktizieren. Leupolt amtierte als Schulmeister. Er gehörte dem Äl-
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biografiA. Lexikon österreichischer Frauen, Band 3, P – Z
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
biografiA.
Untertitel
Lexikon österreichischer Frauen
Band
3, P – Z
Herausgeber
Ilse Korotin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79590-2
Abmessungen
17.4 x 24.5 cm
Seiten
1238
Kategorie
Lexika
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