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Schaschl-Schuster | S 2855
testenrat der dortigen Gemeinde der Taufgesinnten an. In Ilanz besuchten sie auch Tochter und
Schwiegersohn mit den inzwischen geborenen Enkelkindern, zwei Mädchen und zwei Buben.
Von Ilanz aus bemüht sich A. weiterhin, an die in Tirol zurückgelassene Habe zu gelangen.
Brieflich wandte sie sich an ihre Nichte Regina, die sie in Salzburg ausfindig machen konn-
te, ihr die Sachen zukommen zu lassen. Sie urgierte noch die Schulden von zehn Gulden,
die Reginas Vater, bei ihr hatte, als sie ihm vor dreißig Jahren ein Fass Wein verkauft hatte.
Ferner erkundigte sie sich, ob ihr Onkel Johannes Rieper noch lebe, und falls er gestorben
sei, ob sie in seinem Testament bedacht worden sei. A. erfuhr von ihrer Nichte, dass sie von
der ganzen Angelegenheit nichts wisse und auch nichts mehr in Erfahrung bringen könne,
da beide Eltern nun tot seien. Was den Onkel betrifft, wurde A. nach Brixen verwiesen, dort
Erkundigungen einzuziehen.
1563 versuchte sie, von einem Gerber in Chur das ihm gewährte Darlehen wieder zu bekom-
men. Die Sorge um materielle Güter und finanzielle Angelegenheiten scheint A.s ganzes
Leben durchzogen zu haben. Ihr dürften die finanziellen Gebaren für ihre Familie anheim-
gestellt gewesen sein. Vielleicht wollte sie eine finanzielle Absicherung erreichen, um ihren
Mann den Rücken für seine Leitungstätigkeiten frei zu halten; Leupolt war nämlich ein Ver-
treter der Ansicht, dass die geistlichen Vorsteher von der Gemeinde besoldet werden sollten.
Im Frühling 1563 starb Leupolt Scharnschlager, der sich als einer der profiliertesten Täu-
fer im süddeutschen Raum etabliert hatte. Sechs seiner Schriften fanden Aufnahme ins so
genannte „Kunstbuch“, einer Sammlung von 42 Briefen und Schriften, die im Kreis um
Pilgram Marpeck tradiert wurden, das der Augsburger Kunstmaler Jörg Propst Rotenfelder,
genannt Maler von Augsburg, 1561 zusammengestellt hatte (ed. Fast / Rothkegel 2007, Nn.
19, 20, 29, 30, 31, 32).
A. hatte mittlerweile die siebzig überschritten und ihr Gesundheitszustand ließ zu wün-
schen übrig. Sie wandte sich zwei Mal mit der Bitte an Ursula, nach Ilanz zu kommen und
bis zu ihrem Tod bei ihr zu bleiben. Doch dieser Wunsch A.s ging nicht mehr in Erfüllung,
denn noch vor A., die Anfang des Jahres 1565 starb, war Ursula verstorben.
A. dürfte aber ein ansehnliches Vermögen hinterlassen haben, denn nach ihrem Tod forderte
ein Mann bei Gericht für seine Frau, die A.s Cousine gewesen sein soll, A. Sch.s Erbe. Es
stellte sich heraus, dass der Mann ein Betrüger war. Von offizieller Seite wurde nämlich
mit beträchtlichem finanziellem Aufwand versucht, die noch lebenden Verwandten A.s in
Mähren, nämlich ihre zwei Enkelsöhne, ausfindig zu machen. Diese kamen dann auch mög-
licherweise in den Genuss von A.s Hinterlassenschaft.
L.: Boyd 1992, Fast/Rothkegel 2007, Klaassen 1992, Klaassen 1996, Klassen 1967, Rothkegel
2001, Schieß 1932
Ingrid Roitner
Schaschl-Schuster Reni, Renée, Irene; Keramikerin, Grafikerin und Textilkünstlerin
Geb. Pola, Istrien (Pula, Kroatien), 26. 4. 1895
Gest. Wien, 28. 5. 1979
Ausbildungen: 1912–1916 Besuch der Kunstgewerbeschule (A. Böhm, O. Strnad, J. Hoffmann).
Laufbahn: Mitarbeit an O. Lendeckes Zeitschrift „Die Damenwelt“. Ausstellungen:
Mode ausstellung (1915), Kunstschau (1920), Deutsche Gewerbeschau München (1922),
biografiA.
Lexikon österreichischer Frauen, Band 3, P – Z
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- Titel
- biografiA.
- Untertitel
- Lexikon österreichischer Frauen
- Band
- 3, P – Z
- Herausgeber
- Ilse Korotin
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2016
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79590-2
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1238
- Kategorie
- Lexika