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Schriftstellerin. Nach ihrer Heirat 1841 zog sie mit ihrem Mann nach Graz. Der erhoffte
Ruf ihres Mannes auf einen Universitätslehrstuhl nach Innsbruck blieb aus. Als „Conzipis-
ten“-Gattin gehörte sie zwar dem höheren Beamtenstand, nicht jedoch wie ihre Familie dem
„besitzenden Stand“ an. Diese autobiografischen Splitter finden sich in „Frauenleben“ wieder.
1848 schrieb sie das dreibändige Bildungs- und Erziehungswerk für Frauen als Novum in
Form eines unterhaltsamen Briefromans. Ziel war es, den Frauen der besseren Stände prakti-
sche Anweisungen für die Kindererziehung zu geben, aber auch den Platz der Frau in der Fa-
milie und Gesellschaft vor allem als Gattin und Mutter darzulegen. Die drei Bände können
als „Chronologie einer Disziplinierung“ gelesen werden, als Bestandsaufnahme von realen
und möglich scheinenden Widerständigkeiten gegen das gleichzeitig propagierte Frauenide-
al. Obwohl sie die Revolution von 1848 ablehnte, setzte sie sich für gewisse soziale Reformen,
vor allem für Dienstboten, ein, so für eine Altersversicherung. Ihre Ideen bezüglich der Ein-
führung einer staatlichen Sozialversicherung und Familienförderung waren ihrer Zeit weit
voraus. Ihre Gedanken zu kirchlichen Reformen, z. B. hinsichtlich der Aufhebung des Zöli-
bats, erschienen ebenfalls 1848 in einem Schreiben an die Bischofskonferenz in Würzburg
und riefen einen öffentlichen Geschwisterstreit hervor. Während die Kirche dieses Schreiben
unbeachtet ließ, wurde ihre darin enthaltene Kritik an den freireligiösen Deutschen Katholi-
ken von ihrem Bruder in einem offenen Brief angegriffen. S. v. Sch.s Erwiderung
– ihre letzte
Publikation
– war eine Verteidigung ihres römisch-katholischen Glaubens.
Ausz.: Nach dem Thronwechsel von Kaiser Ferdinand zu Franz Joseph bemühte sich S. v. Sch.
um die Aufnahme ihrer Arbeit in die kaiserliche Privatbibliothek, was am 26. Jänner 1849
bewilligt wurde und sie zur Trägerin der „Goldenen k. k. Civil-Verdienst-Medaille“ machte.
W.: „Bildungs- und Erziehungs-Werk. Erfahrungen aus dem Frauenleben zum Selbststudi-
um für Frauen, Mütter, Töchter. 3 Bände“ (1848), „Offenes Sendschreiben an den Congress
der hochwürdigen Erzbischöfe und Bischöfe zu Würzburg“ (1848), „Erwiderung auf den an
mich gerichteten offenen Brief meines Bruders“ (1848)
L.: Hauch 1990, Kronthaler 2000, Neunteufl 1974, ÖBL, Schmid-Bortenschlager/
Schnedl-Bubenicek 1982, Wurzbach, Wikipedia, http://www.onb.ac.at/ariadne/vfb/
Scherer-Hönigsberg Klara, Clara, verh. Scherer; Internistin und Gynäkologin
Geb. Wien, 1. 2. 1879
Gest. Wien, 20. 6. 1942
Herkunft, Verwandtschaften: Vater: Paul Hönigsberg, Arzt; Mutter: Emma Hönigsberg geb.
Breuer (1851–1927), Frauenrechtsaktivistin, Mitbegründerin des österreichischen Frauen-
stimmrechtskomittees; Schwester: Margarete Hilferding, geb. Hönigsberg.
LebenspartnerInnen, Kinder: Verh. mit Eduard Scherer, Maschinenbauingenieur; Töchter:
Margarethe und Eva.
Ausbildungen: Studium der Medizin in Wien, 1904 Promotion.
Laufbahn: K. Sch.-H. war jüdischer Herkunft, wurde jedoch durch ihre Eheschließung mit
Eduard Scherer nach damaligem Eherecht, das keine interreligiösen Ehen erlaubte, evan-
gelisch (List 2006, S. 62). Im Jahr 1904 trat sie in die Ärztekammer ein. Sie ging zunächst
mit den beiden Töchtern nach Pilsen, wo ihr Ehemann bei den Skodawerken angestellt war.
Hier durfte K. jedoch aufgrund ihrer jüdischen Herkunft nicht als Ärztin arbeiten. Als die
biografiA.
Lexikon österreichischer Frauen, Band 3, P – Z
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- Titel
- biografiA.
- Untertitel
- Lexikon österreichischer Frauen
- Band
- 3, P – Z
- Herausgeber
- Ilse Korotin
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2016
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79590-2
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1238
- Kategorie
- Lexika