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Schierl | S 2877
Erst nach mehreren Gesuchen an Fakultät, Rektorat und Unterrichtsministerium wurde
ihr erlaubt, sich am 2. Juli 1938 zu den Abschlussprüfungen („Rigorosen“) in Psychologie
anzumelden. Ihre Dissertation „Die Entwicklung der Materialbehandlung bei Mädchen
vom 8.–15. Lebensjahr mit besonderer Berücksichtigung des 11.–15. Lebensjahres“ wurde
am 12. Oktober 1938 approbiert. Nach Ablegen der Rigorosen konnte sie ihr Studium Ende
Oktober abschließen und am 31. Oktober 1938 im Rahmen einer „Nichtarierpromotion“
promovieren, bei gleichzeitig ausgesprochenem Berufsverbot im gesamten Deutschen Reich.
Laufbahn: Obwohl es Hinweise für eine erfolgreiche Emigration von M. Sch. gibt – sie
scheint in der Liste der emigrierten inländischen KandidatInnen und TeilnehmerInnen an
den Lehrgängen für PädagogInnen am Wiener Psychoanalytischen Lehrinstitut 1937/38
auf
– und eine Emigration 1939 nach Großbritannien in der Literatur angegeben wird, wurde
M. Sch. Opfer der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik. Sie wurde im Mai 1942 nach
Maly Trostinec deportiert und ermordet.
L.: Mühlleitner 1990, Reichmayr 1994, Weitzel 2000, Shoah Datenbank, Gedenkbuch für
die Opfer das Nationalsozialismus an der Universität Wien: http://gedenkbuch.univie.ac.at
Schierl Maria, geb. Koch, auch Schierl-Koch; Kinder- und Jugendbuchautorin
Geb. Turrach, Stmk., 24. 12. 1887
Gest. Baden b. Wien, NÖ, 12. 3. 1972
LebenspartnerInnen, Kinder: Richterswitwe.
Laufbahn: Veröffentlichte mehrere Jugendbücher.
Qu.: DB NS-Lit. Graz.
W.: „Aus dem letzten Winkel der Steiermark“ (1910)
L.: Giebisch/Pichler/Vancsa 1948, Giebisch/Guggitz 1964, Internationales Institut für Jugend
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literatur und Leseforschung 1999
Schiff Gertrud, verh. Kaldeck; Violinistin
Geb. Wien, 1901
Gest. Wien, 1980
Herkunft, Verwandtschaften: Eltern: Walter Schiff (1866 –1950); Mutter: Alice Friederike
Schiff (1872–1933); Geschwister: Margarete (Gretl) Schiff (1899 –1923); Wolfgang Schiff
(1900 –1961); Katharina Schiff (Käthe Boll-Dornberger) (1909 –1981).
LebenspartnerInnen, Kinder: Verheiratet mit Gottlieb Kaldeck (1866 –1941), der seine bei-
den Söhne Wilhelm und Bruno wie auch seine erste Frau früh verloren hatte. Tochter: Dora
Kaldeck (* 1932), verheiratet mit Georg Schimanko (* 1925).
Ausbildungen: War Schülerin von Arnold Schönberg und studierte in Berlin. Staatsprüfung
in Musik bei Prof. Erwin Weiss.
Laufbahn: Lebte in der Berggasse, in Wien 9, ab 1937 in der Schwarzspanierstraße. Hielt
in ihrer Wohnung Musikabende ab. In ihrer Wohnung in der Schwarzspanierstraße trafen
sich jüdische Bekannte, um die Emigration zu besprechen. Die Hausmeisterin, ein sehr frü-
hes NSDAP-Mitglied, schützte die jüdischen Parteien im Haus. Zur Jahreswende 1938/39
gelang G. Sch. und ihrer Familie die Flucht nach England. Die Tochter entkam mit einem
Kindertransport, der geistig behinderte Sohn musste in der Nervenheilanstalt Steinhof zu-
biografiA.
Lexikon österreichischer Frauen, Band 3, P – Z
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- Titel
- biografiA.
- Untertitel
- Lexikon österreichischer Frauen
- Band
- 3, P – Z
- Herausgeber
- Ilse Korotin
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2016
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79590-2
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1238
- Kategorie
- Lexika