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Schimitzek | S 2885
Oxford. D. S. entwickelt eine starke emotionale Bindung zu ihrer Ziehfamilie und wird
auch noch im hohen Alter den Kontakt halten. Dank eines Stipendiums der Jüdischen So-
lidarität kann D. S. nun eine deutsche Reformschule besuchen, wo sie auf zahlreiche andere
deutsche und österreichische Flüchtlinge trifft, Freundschaften knüpft und eine besonders
gute Ausbildung genießt. In Lockridge war ihr verboten, deutsch zu sprechen, nun in Ox-
ford verweigert sie sich lange Zeit der Sprache, da sie nicht auffallen will. Erst im Alter von
14 Jahren beginnt sie, die Sprache wieder zu erlernen. In den Ferien fährt sie nach London
zur Mutter, die im Austrian Centre arbeitet. So kann sie die Gruppenabende der antifa-
schistischen Exil-Jugendorganisation „Young Austria“ besuchen, wo Hannah Fischer ihre
erste Gruppenleiterin wird und D. S. an politischen Diskussionen teilnimmt und Kontakte
knüpft. D. S. wird die Zeit in Oxford später als sehr glückliche beschreiben, und nach ihrer
Rückkehr nach Österreich im Jahr 1946 ihre Ziehfamilie so oft wie möglich besuchen. Zu-
rück in Wien, steht die Familie vor zahlreichen Problemen: Der Familienbesitz der Schiffs
wird zwar von den US-Besatzern freigegeben, aber die Wohnung wird einem neuen Mieter
zugesprochen, da er die Wohnung „in gutem Glauben“ erworben hat. Die obdachlos ge-
wordene Familie bekommt keinerlei Unterstützung vom Staat und kann sich nur durch die
Hilfe von Freunden durchschlagen. D. S. engagiert sich in der kommunistischen Bewegung
„Freie Österreichische Jugend“ (FÖJ). Ihre Lehre in einer Gärtnerei schlägt fehl, da ihre
Füße durch das Tragen zu kleiner Schuhe im Exil deformiert sind. Die Schullaufbahn wird
deshalb mehrmals unterbrochen. Sie arbeitet später als Gärtnergehilfin und Sekretärin. Im
Jahr 2002 werden ihr ein paar tausend Euro als Entschädigung für die Enteignung in der
NS-Zeit zuerkannt. D. S. akzeptiert dieses Geld nur, um es an karitative Organisationen zu
spenden. In ihrer Pension schreibt sie das Buch „Warum so und nicht anders“, in dem sie
ihre Lebensgeschichte und die ihrer Familie aufarbeitet. D. S. ist bis ins hohe Alter poli-
tisch aktiv: Sie tritt als Zeitzeugin an die Öffentlichkeit (u. a. Vortrag bei „Young Austria
im Gespräch“ September 2011; Diskussion in der Sendung Ö1 Campus im Webradio von
Ö1 Oktober 2012; Rede bei der Feier zu Ute Bocks 70. Geburtstag am 23. 7. 2012; Podi-
umsdiskussion am Aktionstag Rassismusfreie Zone Leopoldstadt am 28. 9. 2012); außerdem
engagiert sie sich in der KPÖ, im Verein „Politik Direkt in die Leopoldstadt“ (Poldi), im
Aktionsradius Wien. Sie lebt heute in Wien-Leopoldstadt.
Qu.: Video: „Dora Schimanko: Flucht nach England“ aus der Gesprächsreihe „Young Aus-
tria“ vom 9. 11. 2011 in der VHS Hietzing, auf youtube.com.
W.: „Warum so und nicht anders. Die Schiffs: Eine Familie wird vorgestellt“ (2006)
L.: Kittler 2007
Carina Tiefenbacher
Schimitzek Adelheid, auch Simacek; Kunstpädagogin
Geb. 1906
Gest. ?
Herkunft, Verwandtschaften: Tochter des Architekten Hans Schimitzek (1875–1957);
Mutter: Anna Rosa Schimitzek († 1944). Schwester: Gertraud Straub.
Ausbildungen: Besuchte die LehrerInnenbildungsanstalt, 1926–1936 an der Kunstgewerbe-
schule (Löffler, Larisch-Ramsauer).
biografiA.
Lexikon österreichischer Frauen, Band 3, P – Z
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- biografiA.
- Untertitel
- Lexikon österreichischer Frauen
- Band
- 3, P – Z
- Herausgeber
- Ilse Korotin
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2016
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79590-2
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1238
- Kategorie
- Lexika