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biografiA. - Lexikon österreichischer Frauen, Band 3, P – Z
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Schlesinger | S 2901 nicht gewerkschaftlich organisierte Frauen für die Ideen der Sozialdemokratie begeistert wer- den sollten. Ihr politisches Engagement zeigte sich auch in der Mitarbeit bei sozialdemokra- tischen Zeitungen und Zeitschriften, u. a. „Die Unzufriedene“, „Der Kampf“, „Arbeiter-Zei- tung Wien“ sowie „Die Neue Zeit“, in umfangreicher Referenten- und Schulungstätigkeit in Partei- und Gewerkschaftsorganisationen, als Delegierte zu fast allen internationalen sozia- listischen Frauenkongressen. 1907 nahm sie an der ersten internationalen sozialdemokrati- schen Frauenkonferenz in Kopenhagen teil. Ab 1908 war sie Mitarbeiterin im theoretischen Organ „Der Kampf“. 1911 führte sie den Vorsitz beim ersten Internationalen Frauentag in den Wiener Sofiensälen. Bei Kriegsausbruch Mitglied der linken, kriegsgegnerischen Min- derheit in der SDAP, war sie ab 1916 maßgeblich in der im Bildungsverein Verein Karl Marx organisierten pazifistischen Linksopposition um Friedrich Adler engagiert. 1917 nahm sie als deren Delegierte an der 3. Zimmerwalder Konferenz teil. 1919 war sie für das sozialde- mokratische Frauenreichskomitee Delegierte zur zweiten Reichskonferenz der deutschöster- reichischen Arbeiter im Parlamentsgebäude. Sie war von 4. 3. 1919–9. 11. 1920 Mitglied der Konstituierenden Nationalversammlung (SdP), von 10. 11. 1920 bis 20. 11. 1923 Abgeordnete zum Nationalrat (I. GP) SdP und ab 20. 11. 1923 bis zu ihrem Ausscheiden aus Altersgrün- den am 5. 12. 1930 Mitglied des Bundesrates SdP. 1919 bis 1933 war Th. Sch. Mitglied des Parteivorstandes, 1900 bis 1932 (mit Ausnahme 1924) Delegierte auf den Parteitagen. Th. Sch. meldete sich auf fast allen Parteitagen zu Wort. Sie trat auf Parteitagen und Frauenkonfe- renzen vehement für die Gleichberechtigung der Geschlechter, speziell für das Frauenwahl- recht, Gleichstellung der Frau im Familienrecht, ein und wurde zur unbequemen Kritikerin einschlägiger Vorurteile auch innerhalb der österreichischen Arbeiterbewegung. Neben der politischen Emanzipation der Frau galt ihre besondere Aufmerksamkeit dem Mutter- und Kinderschutz, der sozialen Akzeptanz der Hauswirtschaft und sozialpsychologischen The- men. Setzte die Zulassung von Frauen als Parteivertreterinnen vor Gericht durch. Setzte sich besonders für die Ausgestaltung der Mädchenbildung ein. Th. Sch. stand innerhalb der So- zialdemokratie der Linksopposition nahe und trat in einem 1919 im „Kampf“ erschienenen Artikel für selbständige, aber in Verbindung mit der SDAP stehenden Arbeiterräten ein. Th. Sch. vertrat als Anhängerin der Freudschen Psychoanalyse innerhalb der Sozialdemokratie eine Minderheitenposition. 1926 formulierte sie den die Frauenfrage betreffenden Teil des „Linzer Programms“. Nach den politischen Veränderungen 1933, den Februarkämpfen 1934 und der Auflösung der SDAP zog sie sich ins Privatleben zurück. Sie wurde nicht, wie andere führende SozialdemokratInnen, nach Auflösung des Parlaments inhaftiert. Sie wechselte im Ständestaat mehrmals die Wohnung, kränkelte und vereinsamte zusehends. 1939 emigrierte sie nach Paris, zuletzt befand sie sich auf einem Aufenthalt in einem Sanatorium in Blois. Mitglsch.: Bereits im 1. WK wurde die Wohnung der Schlesinger-Ecksteins zum Treffpunkt für junge Frauen, die in Th. Sch. ein Leitbild sahen und durch sie beeinflusst, aktive Sozialdemo- kratinnen wurden, dazu zählten u. a.: Marianne Pollak, Käthe Leichter und Stella Klein-Löw. Qu.: Internationaal Instituut voor sociale geschiedenis, Amsterdam, Niederlande, 25 Briefe an Karl Kautsky; WStLa, Nachlass Fickert; MA 8, Meldearchiv, M-2241–48/91, Therese Schlesinger; Institut für Zeitgeschichte, München; Israelitische Kultusgemeinde, Trauungs- matrikel 1888; Tagblattarchiv (Personenmappe). W. u. a.: „Gem. m. Eckstein, Gustav: Die Frau im 19. Jahrhundert. Am Anfang des Jahr-
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biografiA. Lexikon österreichischer Frauen, Band 3, P – Z
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
biografiA.
Untertitel
Lexikon österreichischer Frauen
Band
3, P – Z
Herausgeber
Ilse Korotin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79590-2
Abmessungen
17.4 x 24.5 cm
Seiten
1238
Kategorie
Lexika
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