Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
Seite - 92 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 92 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung

Bild der Seite - 92 -

Bild der Seite - 92 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung

Text der Seite - 92 -

Im Herbst und Winter 1904/05 gestalteten sich die Verhältnisse in Györ nichts weniger als erfreulich. Mit einem offenen Brief Tiszas an seine Ugraer Wähler setzte die politische Kampagne wieder ein. Als Tisza dann eine überfallartige Abstimmung im Hause inszenierte, ging der Radau los. Es kam seitens der Opposition zu Gewaltakten, bis der Reichstag aufgelöst und Neuwahlen ausgeschrieben wurden. Györ war der Schauplatz einer besonderen politischen Agitation, denn Tisza kam selbst, um diesen wichtigen Platz wieder in seine politische Gewalt zu bekommen. Über die Stimmung, die die Be- völkerung diesem Besuche entgegenbrachte, täuschten sich die zivilen Autoritäten gründlich. Sie schwuren Stein und Bein, daß der Mi- nisterpräsident mit Jubel empfangen werden würde, und lehnten mein Anerbieten der militärischen Bereitschaft ab. Doch ich war miß- trauisch und ließ zwei Kompagnien in der Kaserne bereitstellen, die dann nicht schnell genug zum Bahnhof eilen konnten, weil sich die Situation vom ersten Moment an ungünstig entwickelte. Im Laufe des Tages mußten die ganze Garnison und die Husaren aus Szabat- Hegyi ausrücken. Pöbelkrawalle mit Angriffen auf Läden fanden statt, worauf ich die Husaren die Menge zerstreuen hieß. Apponyi und Kossuth kamen ebenfalls zwecks politischer Agitation nach Györ. Diesmal traf man Vorsichtsmaßregeln. Doch alles löste sich in eitelWonne auf, und es gab nur eine jubelnde, keineheulende Menge. Nichtsdestoweniger errang dann ein Regierungskandidat den Sieg!— Diese Dinge waren eben nicht allzu ernst zu nehmen. Zufall und die Wetterwendigkeit der heißblütigen Volksmassen brachten oft die größten Überraschungen. ,,Die heute Hosianna schreien, rufen morgen crucifige!" Angenehm waren aber die Verhältnisse keineswegs. Man hatte das Gefühl, auf einem Vulkan zu stehen, um so mehr, als sich selbst bei manchen jüngeren Offizieren ausge- sprochen nationale Gesinnungen erkennen ließen. Just die intelli- gentesten und verwendbarsten waren darunter. Diese nahm ich nun kurzerhand unter meine spezielle Obhut, indem ich sie als Stations- offiziere und in solchen Diensten verwendete, bei denen sie direkt an mich gewiesen waren. Vielleicht war es gewagt, weil sie hierdurch Einblick in alle Vorbereitungen bekamen, dafür war aber mein per- sönlicherEinfluß auf sie ein konstanter. IchmachtemitdieserMethode keine schlechten Erfahrungen. Das Gesamtresultat der Wahlen war für die Regierung und für die liberale Partei so ungünstig, daß Tisza und sein Ministerium demissionierten. Darauf wurde der Reichstag durch einen könig- lichen Kommissär brachial aufgelöst, und Juni 1905 Fejervary mit dem sogenannten Trabantenministerium eingesetzt, in dem Kristoffy 92
zurück zum  Buch Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung"
Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Aus Österreichs Höhe und Niedergang