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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
Seite - 151 -
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Franz Ferdinand, daß ich tags darauf zur kaiserlichen Audienz be- fohlen werden würde. Der Monarch wollte gewisse Bedingungen stellen, deren Annahme nicht leicht sei, doch möge ich alles rück- haltlos akzeptieren. Die Hauptsache wäre, daß ich das Ministerium in die Hand bekäme. Alles andere würde sich durch Franz Ferdi- nands Mitwirkung finden. Ich war über diese Mitteilurg nicht sehr erfreut, denn sie zeigte mir wieder die Mühlsteine, zwi<^chen die ich früher oder später geraten würde. Am folgenden Tag fuhr ich nach Schönbrunn. So ähnlich mußte es Martin Luther bei seinem Gang zum Reichstag inWorms gewesen sein. Vor dem Privatgemaoh des Kaisers begegnete ich nicht dem biedern Frundsberg sondern— dem Chef der Militärkanzlei, Baron Bolfras, der mich mit süßsaurem Lächeln begrüßte, doch nicht den kleinsten konventionellen Glückwunsch über die Lippen brachte. Der Monarch empfing mich äußerlich gnädig, in jener leutselig scheinenden und doch eine ungeheure Entfernung sorgsam wahrenden Art, die ihm eigen war. Ohne Einleitung sagte er, ,,daß er sich ent- schlossen habe, mich zu seinem Kriegsminister zu ernennen". Von irgendwelchen Bedingungen war nicht die Rede. Er verlangte nur, daß das Wehrgesetz durchgebracht, die Fahnen- und Emblemenfrage geregelt würde. Ich machte keine Einwendung, da das Wehrgesetz schon lange in parlamentarischer Behandlung und dadurch nach unsern damaligen staatsrechtlichen Verhältnissen dem kriegsmini- steriellen Einfluß entrückt war. Die Regelung der Fahnenfrage bil- dete aber einen Punkt des Neunerprogrammes vom Jahre 190.5, auf das sich der Monarch schon verpflichtet hatte. Der Kaiser betonte, daß ich ,,sein" Minister sei. Ich verstand den Ausspruch natürlich sehr wohl. Dann erwähnte er, daß er keinesfalls gewillt wäre, den Minister Aehrenthal fallen zu lassen. Dabei hatte ich gar nicht ge- wußt, daß des Thronfolgers Wünsche auch in dieser Richtung gingen. Selbstredend versprach ich, mein Bestes einsetzen zu wollen, und nie dürfte ein Versprechen ehrlicher gemeint gewesen sein, wenn man die rein sachlichen Ziele als die allein anzustrebenden ansieht. Ohne Unbescheidenheit konnte ich dem Kaiser versichern, daß ich— gewissermaßen als ministerielle Morgengabe— eine besondere Kenntnis der Armee mitbringe. So berechtigt dies war, beging ich dabei doch unwissentlich einen Irrtum. Ich vergaß das Kriegs- ministerium an sich. Diese Unternehmung mit allen ihren krausen verschlungenen Wegen, Treppen und Hintertreppen, Konventikeln und andern kollegialen Verbindungen kannte ich in der Tat nicht, was ich dann bitter fühlen sollte. Der Monarch nahm meine Ver- sicherung kopfnickend entgegen und entließ mich mit einem Hände- 151
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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