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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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einzustehen hatte. Allerdings im Einvernehmen mit dem Kriegs- minister, der ein Mitglied des „gemeinsamen Ministeriums" bildete, das sich aus dem Minister desÄußern, dem Kriegsminister und dem gemeinsamen Finanzminister zusammensetzte, Letzterer hatte je- doch auf die eigentliche Finanzgebarung keinerlei Ingerenz, war dafür aber gleichzeitig Minister für Bosnien und Herzegowina. Dieses gemeinsame Ministerium war den „Delegationen" verantwortlich, die aus den Parlamenten der beiden Staaten gewählt wurden und alljährlich die Budgets für Äußeres, für Heer und Marine sowie für das Annexionsgebiet zu beraten und zu votieren hatten. Kapitel XI Kriegsminister Nach meiner Rückkehr aus Sarajewo legte ich den Ministereid in die Hände des Kaisers ab. In der darauf folgenden Audienz empfahl mir der Monarch erneut, an der Perfektionierung des Wehrgesetzes bestens mitzutun. Diese Aufforderung erfolgte wohl aus dem Grunde, weil der Kaiser wußte, daß ich mich für dieses werdende Gesetz nicht begeistere. Es ist die Frage, ob es klug war, gerade in diesemMoment auf die Unzulänglichkeit der Wehrvorlage hinzuweisen. Doch es hatte damals in den Vorstädten aus irgend einer Ursache Krawalle mit blutigemAusgang gegeben,und die oberstenVerwaltungsbehörden besorgten eine Wiederholung solcher Vorfälle. Somit oblag mir als erste Aufgabe die Zusammenziehung von Truppen, um die bedrohte OrdnunginWienzuverbürgen. Bei allenTruppenkörpernwaren dieBe- urlaubungen bereits durchgeführt, so daß ich fünfKorpsbezirke völlig plündern mußte, um eine ausreichende Assistenz zu konzentrieren. Ich wies darauf hin, daß sich die Verhältnisse in einem ähnlichen Falle nachdem neuenWehrgesetz noch ungünstigergestalten würden. Der Kaiser sah dies zwar ein, entließ mich aber mit einer nicht allzu freundlichen Miene, nachdem er mir noch nahegelegt hatte, mich von der Presse möglichst fernzuhalten.^) Von der Audienz ging ich direkt zu Aehrenthal. Er empfing mich zwar liebenswürdig, immerhin konnte er seine Freude zügeln, mich ^) Der Monarch konnte sich in dieser Hinsicht von den überkommenen An- schauungen nicht freimachen. SelbsteingründHcherZeitungsleser, spezielldes konservativenFremdenblattes, war ihm die Zeittmgsschreiberei dochhöchstun- sympathisch. Gelegentlich eines Referates äußerte er einmal imTone der Ent- rüstimg: ,,Es gibtsogarGeneralstabsoffiziere, dieselbstin dieBlätterschreiben!" 154
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang