Seite - 154 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
Bild der Seite - 154 -
Text der Seite - 154 -
einzustehen hatte. Allerdings im Einvernehmen mit dem Kriegs-
minister, der ein Mitglied des „gemeinsamen Ministeriums" bildete,
das sich aus dem Minister desÄußern, dem Kriegsminister und dem
gemeinsamen Finanzminister zusammensetzte, Letzterer hatte je-
doch auf die eigentliche Finanzgebarung keinerlei Ingerenz, war
dafür aber gleichzeitig Minister für Bosnien und Herzegowina. Dieses
gemeinsame Ministerium war den „Delegationen" verantwortlich,
die aus den Parlamenten der beiden Staaten gewählt wurden und
alljährlich die Budgets für Äußeres, für Heer und Marine sowie für
das Annexionsgebiet zu beraten und zu votieren hatten.
Kapitel XI
Kriegsminister
Nach meiner Rückkehr aus Sarajewo legte ich den Ministereid in
die Hände des Kaisers ab. In der darauf folgenden Audienz empfahl
mir der Monarch erneut, an der Perfektionierung des Wehrgesetzes
bestens mitzutun. Diese Aufforderung erfolgte wohl aus dem Grunde,
weil der Kaiser wußte, daß ich mich für dieses werdende Gesetz nicht
begeistere. Es ist die Frage, ob es klug war, gerade in diesemMoment
auf die Unzulänglichkeit der Wehrvorlage hinzuweisen. Doch es
hatte damals in den Vorstädten aus irgend einer Ursache Krawalle
mit blutigemAusgang gegeben,und die oberstenVerwaltungsbehörden
besorgten eine Wiederholung solcher Vorfälle. Somit oblag mir als
erste Aufgabe die Zusammenziehung von Truppen, um die bedrohte
OrdnunginWienzuverbürgen. Bei allenTruppenkörpernwaren dieBe-
urlaubungen bereits durchgeführt, so daß ich fünfKorpsbezirke völlig
plündern mußte, um eine ausreichende Assistenz zu konzentrieren.
Ich wies darauf hin, daß sich die Verhältnisse in einem ähnlichen
Falle nachdem neuenWehrgesetz noch ungünstigergestalten würden.
Der Kaiser sah dies zwar ein, entließ mich aber mit einer nicht
allzu freundlichen Miene, nachdem er mir noch nahegelegt hatte,
mich von der Presse möglichst fernzuhalten.^)
Von der Audienz ging ich direkt zu Aehrenthal. Er empfing mich
zwar liebenswürdig, immerhin konnte er seine Freude zügeln, mich
^) Der Monarch konnte sich in dieser Hinsicht von den überkommenen An-
schauungen nicht freimachen. SelbsteingründHcherZeitungsleser, spezielldes
konservativenFremdenblattes, war ihm die Zeittmgsschreiberei dochhöchstun-
sympathisch. Gelegentlich eines Referates äußerte er einmal imTone der Ent-
rüstimg: ,,Es gibtsogarGeneralstabsoffiziere, dieselbstin dieBlätterschreiben!"
154
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Titel
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Untertitel
- Eine Lebensschilderung
- Autor
- Auffenberg von Komarów
- Verlag
- Drei Masken Verlag München
- Ort
- München
- Datum
- 1921
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.4 x 21.6 cm
- Seiten
- 536
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918