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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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hier zu sehen. Er kam sofort auf den eben geschilderten Mißstand der schwachen Kompagnien in der bestehenden turbulenten Zeit zu sprechen. Weiter äußerte er, daß die Italiener die tripolitanische Aktion demnächst beginnen würden, was ihm sehr erwünscht käme, da ihre Aspirationen imd Gedanken dadurch von Trient und Triest abgelenkt werden dürften. Auf den ersten Blick schien dies ein- leuchtend, und kurze Zeit hindurch machte es auch wirklich denEin- druck, als ob hierdurch ein Ventil geöffnet worden wäre. Der Di- plomat ließ sich's aber damals wohl nicht träumen, daß damit die schlummernde orientalische Frage und alle sonstigen Fragen aufge- rollt und daß mit den ersten Schüssen, die an der nordafrikanischen Küste fielen, der Auftakt zu einem Völkerkrieg gegeben werden würde. Die führenden Diplomaten der aggressiven Mächte dachten darüber \'ieUeicht anders. Aehrenthal beklagte sich über Conrad von Hötzendorf, der seine friedliche Politik stets durch kriegerische Velleitäten störe imd auf eine Aktion gegen unsern ,,Bundesfreund" Italien hinweise. So neben- bei sagte mir dann der Minister, ,,daß er mich rechtzeitig avisieren werde, wenn die Lage tatsächlich kritisch werden sollte". Dieser Ausspruch enthüllte mir den Diplomaten alter Schule. Als ob dies heutzutage dem Kriegsminister nützen würde, wenn man ihm einige Wochen vor der Wahrscheinlichkeit einer kriegerischen Aktion sagt, daß etwas in der Luft liege. Wo ist das Zeitalter der Kabinettskriege und wo der Glaube an den prädominanten Einfluß diplomatischer Kunststücke? Und genau genommen, hätte Aehrenthal mich sofort avisieren müssen, da der Staat schon damals kritischen Zeiten ent- gegenging. Von dieser ersten Unterredung wenig befriedigt, setzte ich meine weitern offiziellen Besuche fort. Eine längere Unterredung mit dem damaligen österreichischen Finanzminister Mayer sei erwähnt. Der Typus eines tüchtigen, ehrenwerten, routinierten Beamten, wollte er seine enggezogenen KJreise nicht gestört sehen. Er bat mich, von jeglicher etwa geplanten Aktion abzusehen, und meinte lächelnd, daß mir in dieser Richtung ein schlimmer Ruf vorausgehe. Er wollte auch gehört haben, daß ich sofort einen Nachtragskredit von 12 Mil- lionen beanspruchen werde, und zeigte mir scherzhaftden „Kikeriki", der mich im vollen Waffenschmuck, grimmig dreinschauend, auf einer Dukatenpyramide brachte, mit der Überschrift ,,Zwölf Mil- lionen Morgengabe". Ich beruhigte ihn, mußte aberim Stülen lächeln, daß mein Kollege glauben konnte, eine solch geringe Anforderung wäre das Ziel meiner Wünsche. Meine langjährigen eingehenden Beobachtungen als Basis nehmend, wurde mir dochvom ersten Über- 155
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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