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Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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blick an klar, wie enorm vieles zuschaffen sei, wenn man der Armee und dem Vaterland dienen wollte. Schönaich, ohne Zweifel eine geistig bedeutende Persönlichkeit, im Umgang mit Menschen, mit den Parteien und auf der Rednertribüne des Parlamentes gewandt, liebte immerhin leichte, vor allem in die Augen springende Erfolge, hing mit Liebe am Ministerfauteuil und war dabei seinem ganzen Wesen nach behäbig. So zog er es vor, sich mit Minimalerfolgen zufriedenzugeben, um sich nicht mit den Fach- ministern und Parlamenten in Auseinandersetzungen einzulassen, die sich leicht zu einer Entweder-Oder-Situation zuspitzen. Am deut- lichsten trat dies bei der lyösung des Wehrgesetzes in Erscheinung. Dieses Gesetz, das volle 20 Jahre imStadium nascendi stand, wurde von Volksvertretern und Bevölkerung leidenschaftlich ersehnt, weil es die zweijährige Dienstzeit erbringen sollte, von der man sich aller- dings größere Erleichterungen erhoffte, als in praxi geboten wer- den konnten, da der Standard unserer Armee im lyaufe der letzten Jahre ohnehin schon von allen andern kontinentalen Heeren weit- aus überboten worden war. Für die Erwerbung der zur Durchführung der Wehrreform benötigten Summen hatte Schönaich wohl einen harten Kampf geführt. Sie schienen bedeutend, waren aber in An- betracht der unerläßlichen Neuschaffungen nochimmer viel zu gering. Und selbst hierbei hatte sich Schönaich zu einem Pakt verstehen müssen, wonach er—ganzunvorherzusehende Fälle ausgenommen— durch fünf Jahre mit keiner Neuforderung hervortreten durfte! Was nun das Wehrgesetz selbst betraf, so war es meiner Über- zeugung nach nicht genügend, um der Armee jenen kräftigen Fort- schritt zu garantieren, der die auf der zweijährigenWehrpflichtresul- tierenden Nachteile hätte wettmachen können. Gibt es übrigens hier- für einen bessern Beweis, als den, daß das durch 20 Jahre in Verhand- lung gestandene Wehrgesetz eine Lebensdauer von nicht einmal einem Jahre erreichen konnte und sofort novelliert werden mußte? Damals befand es sich aber noch immer in parlamentarischer Ver- handlung. Beide Regierungen bemühten sich nach wie vor vergeb- lich, die Zustimmung der Parlamente zu gewinnen. Ich werde später erzählen, wie ich dann doch mittun mußte, um dieses mir so wenig konvenierende Gesetz in den Hafen der Zustimmung zu bugsieren. Dies war der Zustand der Heeresaufbringung in dem Momente, da ich das Ministerium übernahm. Weiter waren folgende wichtige Fragen teils schwebend, teils noch nicht in Erwägung gezogen: Die Regelung der Unteroffiziersfrage. Die Ausgestaltung der Artillerie. Die Reorganisation der technischen Truppen. 156
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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