Seite - 157 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Die Schaffung einer Luftflotte.
Die Akquisition großer Schieß- und Übungsplätze.
Unmittelbar hätte sich daran anzuschließen gehabt: Die Lösung
der Offiziersfrage, eine gründliche Restrinktion des Verwaltungs-
apparates, die Neubewaffnung der Infanterie und im Zusammenhang
damit deren Neuorganisation.
Dies stellte im Wesen mein Regierungsprogramm dar, wobei als
erschwerend in die Wagschale fiel, daß ich die Fragen der ersten
Gruppe gleichzeitig und sofort der Lösung zuführen mußte.
Zunächst wollte ich jedoch demOffizierskorps eine kleineundan-
genehme Überraschung bieten, indem ich jedem in die Charge eines
Hauptmanns einrückenden Frontoffizier 400 Kronen als Beitrag zur
Berittenmachung anweisen ließ. Für unsere beschränkten Verhält-
nisse und bei dem damaligen Geldwert immerhin ein nicht unbe-
trächtlicher Betrag. Es war gewissermaßen mein erster Ruf, der
aber merkwürdigerweise nicht das geringste Echo fand. Nun, dies
lag schon so im System meines Lebens!
Bestehenden Notwendigkeiten Rechnung tragend und unabänder-
lichen Wünschen des Thronfolgers Folge leistend, nahm ich zunächst
etliche Personaländerungen vor.
In erster Liniemußte der ,,ungarische" Sektionschef, Feldmarschall-
leutnant von Hoffmann, zurücktreten, weÜ dessen nationale An-
schauung dem Erzherzog zu radikal erschien. Ich bedauerte lebhaft,
diesen eminent befähigten General scheiden zu sehen. Es war ein
Unrecht und ein großer Schaden für die Sache. Wir hatten keinen
besseren für diesen Wirkungskreis.
Chef des Präsidialbüros wurde mein früherer Generalstabschef in
Sarajewo, Oberst von Boog. Bisher hatte diesen Posten General-
major Urban inne, dessen außerordentliche bürokratische Routine,
Fach- und Personalkenntnis ich hoch einschätzte. Ich tat für ihn
das Möglichste, konnte aber seine Bitterkeit nicht bannen. Auch die
Flügeladjutanten mußten von ihren Posten scheiden. Diese und
andere umfassende Personalveränderungen erbrachten mir viele
Feinde. Und da überdies alle Welt wußte, welch harterKampf meiner
Ernennung vorausgegangen war, so kam es, daß ich vom ersten Mo-
ment an eine wohl allseits beachtete, aber noch mehr angefeindete
Persönlichkeit wurde. Ganz besonders kam da die Stellung der prä-
dominanten Militärkanzlei des Kaisers in Betracht, namentlich die
beiden Generale Baron Bolfras und Marterer. Dies alles in Erwägung
ziehend, mein Drängen, Hasten und mein stets bereites persönliches
Einsetzen dazunehmend, war es eigentlich ein Wunder, daß ich diesen
kontinuierlichen Kampf durch fünf viertel Jahre bestehen und dann
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Titel
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Untertitel
- Eine Lebensschilderung
- Autor
- Auffenberg von Komarów
- Verlag
- Drei Masken Verlag München
- Ort
- München
- Datum
- 1921
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.4 x 21.6 cm
- Seiten
- 536
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918