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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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unbesiegt, nur dem autokratischen Willen der Krone gehorchend, vom Schauplatze abtreten konnte. Zu Flügeladjutanten wählte ich Major Csoban und Rittmeister vonDöry. ErstemkannteichvonSarajewo her alseinenhochbegabten, den politischen Vorgängen tiefes Interesse und Verständnis entgegen- bringenden Offizier. Er bewährte sich auch glänzend, und blieb mir stets ein trefflicher, treuer Freund. Die ministeriellen Mitarbeiter— Sektionschefs und Abteilungsvor- stände— waren fast durchwegs voll am Platze. Einige unter ihnen entsprachen vorzüglich, namentlich der Chef der Intendanz, Sek- tionschef Berger. Gleich der Beginn meines Wirkens erforderte somit eine rege Tätig- keit. Dies war um so fühlbarer, als ich bezüglich meiner privaten Installierung ein Nirwana vorfand. Mein Vorgänger, der während seiner Amtsdauer in seiner Hütteldorfer Villa gewohnt, hatte die seit Jahrhunderten bestehende Amtswohnung dienstlichen Zwecken zugeführt. Da ich aber über keine Villa verfügte, beschloß ich, die zugewiesene Dienstwohnung wieder zu beziehen. Von den historischen Repräsentationsräumen abgesehen, bestand sie aus nicht mehr als vier Wohnräumen, die vernachlässigt waren und billigst instand gesetzt werden mußten. Diese Selbstbeschränkung war notwendig, da das Gebäude zum Abbruch bestimmt, und der Neubau amKaiser- Wilhelmsring schon mächtig fortgeschritten war. An unsere gemütliche Altwiener Wohnung schlössen sich die Reprä- sentationsräume an. Vielhundertjährige Vergangenheit wohnte in den Gemächern, darinnen entscheidungsschwere Entschlüsse gefaßt wor- den waren und die das prunkvolle Rokoko noch gesehen hatten. Kaiserliche Prinzen, darunter Erzherzog Karl,Abkömmlinge der ersten Familien des Reiches, Marschälle, Präsidenten des Hofkriegsrates hatten einst in diesen Räumen residiert. Ihren religiösen Bedürfnissen entsprechend, führte ein kleiner Gang von der Wohnung ins Orato- rium der Kirche zu den ,,zwölf englischen Chören". Knapp daneben mündete die schmale Wendeltreppe, über die der unglückliche Kriegs- minister des Revolutionsjahres 1848, Graf Latour, vor den Mord- gesellen geflüchtet war, ohne dem Laternenpfahl zu entkommen. Die Repräsentationssäle erstrahlten in der Pracht wertvollster Kunst- werke und Gobelins, einGeschenk der französischenAntoinette an ihre kaiserlicheMutter. Von seltenerSchönheit, besitzen sieeinen Millionen- wert. Der Thronsessel, auf dem die große Monarchin den Kriegsräten präsidiert hatte, stand von schützenden Seidenschnüren umgeben. Wenn ich nach heißen Schaffenstagen in nächtlicher Stille aus meinem Arbeitsraum durch diese Gemächer schritt, gemahnte mich 158
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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