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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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entsprach es, daß er Neuerungen nicht sehr liebte. Besonders solchen technischer Natur sah er mit Skepsis entgegen. Wurden ihm doch auch wiederholt die heterogensten Lösungen alsdie alleinseligmachen- den vorgetragen. Unrichtig wäre es, anzunehmen, daß der Monarch sich nicht überzeugen ließ. Nur galt auch da der alte Satz: ,,C'est le ton, qui fait la musique". Bekannt war sein unermüdlicher Arbeitsfleiß, der seine ganze Tageseinteilung beherrschte. An der Pünktlichkeit, Genauigkeit und korrekten Erledigung der Vorlagen konnte sich der strengste Büro- krat ein Beispiel nehmen. Diese Korrektheit veranlaßte den Mon- archen, auch mit den Ministern stets nur streng das Ressortgemäße zu besprechen. Ein Übergreifen in ein anderes Ressort erfuhr stets eine Zurückweisung. Dieser Standpunkt wäre vielleicht richtig ge- wesen, wenn sich in Praxis die Materien auch scharf hätten trennen lassen, was aber schon lange nicht mehr der Fall war. Des Kaisers Arbeitszimmer war in den letzten Jahren eigentlich auch sein Wohn- zimmer. Dort nahm er mindestens eine Mahlzeit im Tag kurzweg am Schreibtisch ein. Auch kleine Konferenzen, zu denen nur vier bis fünf Personen beschieden wurden, hielt man daselbst ab, wobei die höchst einfachen, fast primitiven Schreibutensilien auffielen. Nach Beendigung des unterbreiteten Referats erhob sich der Mon- arch mit rascher Neigung des Kopfes und ordnete die Gegenstände am Schreibtisch, während der Referent en reculant der Tür zustrebte. So sah ich den Kaiser bei den vielen verschiedenartigsten Refe- raten, die ich zu erstatten hatte. Erwähnt sei noch, daß die Kamarilla einen Ring bildete, die den Kaiser fest umschloß. Niemand konnte durch, wenn's die KamariUa nicht wollte, und wehe dem, der ihr nicht zu Gesicht stand. Der Eindruck, den die Persönlichkeit Franz Josefs auf die meisten Menschen machte, war unbedingt ein tiefgehender. In einer unend- lichen Zahl schwieriger Momente war es ihm persönlich gelungen, Widerstände zu beseitigen. Widerstrebende in seinem Sinne zu be- einflussen. Es gab hartgesottene Oppositionelle, die ihn tränenden Auges verließen, und viele, die nach kurzer und meist recht bedeu- tungsloser Audienz voll Wärme, Dankbarkeit, ja Innigkeit seiner ge dachten. Fast überall, wohin er kam, jubelte ihm dieMenge zu. Sei- nen Namen auf den Lippen, gingen Tausende in den Tod. Ein merk- würdiges psychologisches Moment! Eine mächtige Suggestion, vor allem aber die Frucht mehrhundertjähriger Volkserziehimg. Franz Josef war eine durchaus kühle Natur. Seine Gefühle konnten den zündenden Funken für das Empfinden anderer nicht büden. Auch seine geistigen Fähigkeiten waren nicht überragend, und die i6o
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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