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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
Seite - 165 -
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waren, doch nur eine sehr geringe Manövrierfähigkeit hatten und speziell gegen moderne Panzerkuppeln fast gar keine Wirkung äußer- ten. Schließlich standen noch als Verteidigungsgeschütze die alten eisernen Wahrendorfkanonen aus dem Jahre 1860 (!) in Verwendimg, die eine Maximalportee von 4 Kilometern besaßen ! In diesem Zustande fand ich die Artillerie. Hierzu im Schreibtisch des Ministers einen Wunschzettel, auf dem die notwendigsten Aus- gestaltungen verzeichnet und mit 180 Millionen berechnet waren. Diese Summe war aber in dem gewissen— früher erwähnten— und auf fünf Jahre lautenden Pakt nicht eingestellt, so daß an deren budgetmäßige Einbringung nicht vor dem Jahre 1916 zu denken ge- wesen wäre! Die Erkenntnis dieser Tatsachen löste in mir ein völliges Ent- setzen aus. Und noch heute kann ich mich in den Gedankengang jener Männer nicht hineindenken, denen die Organisation der Artil- lerie oblag. Als ich eine dieser artilleristischen Koryphäen fragte, wie der Stand der Dinge so werden konnteund wieman sich unsere Armee eventuell auf russischen Schlachtfeldern gegen russische Massenartillerie vor- stelle, wurde mir die Antwort, daß man im Laufe des letzten Jahr- zehntes vor allem den italienischen Kriegsschauplatz vor Augen hatte, auf dem die topographischen Verhältnisse — nach damaligen An- sichten — einer Artilleriemassenentfaltung imgünstig seien! Eine treffliche Illustration des ,,Vertrauens" zu imserm Bundesgenossen, das aber— leider— nur die Militärs beseelte, wohl aber auch der fast unbehebbaren Schwierigkeiten, vor die das alte Reich infolge seiner geographischen Lage gestellt war. Bei meinen weiterenErhebungen wurde mir die Meldung erstattet, daß die Erprobimg eines neuen, bei Skoda konstruierten 30,5 cm- MörsersimGange sei. Ummichvon der Beschaffenheitund Leistungs- fähigkeit diesesGeschützes zu überzeugen, fuhr ich— wie erwähnt— aufs Versuchsfeld. Ohne Artillerietechniker zu sein, war ichvon der insAuge springen- den Vorzüglichkeit dieses Geschützes durchdrungen, um so melir, als es eine ausgezeichnete Manövrierfähigkeit besaß und daher eine Ver- wendbarkeit auch im Feldkrieg erhoffen ließ. Noch am Schießplatz reifte mein Entschluß, das Geschütz unter allen Umständen, unbekümmert um alle Hindernisse, sofort einzuführen, bezie- hungsweise anzuschaffen, sobald alle wichtigen Konstruktionsdetails festgestellt sein würden. Dagegen führten die Projekte zur Moderni- sierung der Feldhaubitzen zu keinem Resultate, und ich erkannte, daß diese Frage nur durch ein ganz neues Modell gelöst werden könne. 165
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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