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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
Seite - 170 -
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bekenne offen, daß ich seit dem Heimgang meines Bruders Franz niemandes Scheiden so schmerzlich empfand, als das Scheiden auf ewig vom Botschafter des Deutschen Reiches, an dessen Bahre ich just an dem Tage stand, da ich diese Zeilen niederschrieb. Und wenn es ein geistiges Wiedersehen gibt, mit ihm würde es mir Erhebung bedeuten. — In denNovembertagenmußte ichauch vonmeinemFreunde Brosch Abschied nehmen, wenngleich zunächst noch nicht für immer. Oberst von Brosch trat auf seine Bitte von seinem Posten als Vorstand der Militärkanzlei des Thronfolgers zurück und wurde durch Oberst Dr. Bardolff ersetzt. l^ardolff, ein ausgezeichneter Offizier, der sich auch im Weltkrieg hervorragende Verdienste erwarb und eine dominierende Stellung einnahm, besaß gründliches Wissen, große Befähigimg und nicht zu- letzt die Ktmst, mit dem nicht leicht zu behandelnden Erzherzog zu verkehren. Vielleicht gebrauchte er nicht stets die besänfti- gende, das Sachliche hervorkehrende Stimme, deren der ohnedies temperament\'olle Erzherzog so sehr bedurfte und die Brosch stets zum Wohl der großen Sache angewendet hatte. Sehr ehrgeizig, war derneue Flügeladjutant bestrebt, seine Person zur Geltung zu bringen. Sein Einfluß wurde mit der Zeit groß, wenngleich Franz Ferdinand bis zu seinem Tode in wichtigen Angelegenheiten die Ansicht Broschs einholte. Welch ein Unglück, daß er sie nicht auch vor Antritt der verhängnisvollen Sarajewoer Reise anhörte! Als Brosch sich zur Abschiedsmeldung bei mir einfand, wußte er zu berichten, daß an Allerhöchster Stelle eine Änderung in der Lei- tung des Generalstabes beschlossen sei,undSchemua anStelle Conrads kommen sollte. Dieser Personenwechsel hatte folgende Vorgeschichte : Wie schon erwähnt, bestanden zwischen Aehrenthal und Conrad große Differenzen bezüglich der Ziele der äußeren Politik: Conrad zweifelsohne kriegerisch gesinnt, Aehrenthal für den Frieden quand meme! Diese Gegensätze spitzten sich bei Beginn des italienischen Eroberimgszuges gegen Tripolis aufs äußerste zu. Conrad wollte die sich einstellenden erheblichen Schwierigkeiten Italiens benützen, um mit diesem höchst unsicheren Bundesgenossen endgültig abzu- rechnen. Aehrenthal wollte dagegen die Bundesgenossenschaft un- bedingt wahren, d. h. bei einer Politik bleiben, von deren vogelstrauß- artigem Charakter er im Innern vollkommen überzeugt sein mußte. Anfang November verfaßte Conrad für den Kaiser ein eingehendes Memorandum, darin er in scharfer Weise die Politik Aehrenthals seitdem Abschluß der Annexionskrise besprach und kurz imd bündig den Angriff a.ui Italien forderte. Für mich wäre es am klügsten ge- 170
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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