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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
Seite - 176 -
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schlössen war, dieZügel desStaatswagens gewissermaßen gemeinsam in die Hände zu nehmen, ja dabei auch noch schwiegermütterliche und andere geheime Einflüsse zu observieren. Eine objektive Be- urteüung muß nun zu dem Schlüsse gelangen, daß diese Verbindung für den Staat von ungünstigen Folgen begleitet war, daß daher jener Augenblick, in dem von den Lippen des jungen Paares das Wörtchen „oui" (!) erldang, für die Monarchie zu schicksalsschwerer Bedeutung wurde. Die Zeremonie selbst fandim engen Familienkreise statt, doch bald daraufnahm die jugendliche Erzherzogin in den Prunkgemächern der Kaiserburg den ersten hochoffiziellen Empfang entgegen. Die ober- sten Würdenträger, der hohe Klerus, die Generalität, die hoffähige Gesellschaft erschienen in mehreren Gruppen, um der jungen Erz- herzogin die Honneurs zu entbieten. Ihre Erscheinung war nicht ohne Anmut und Charme, aber freilich, wir, die Alten, mußten im Geiste unwillkürlich den Vergleich ziehen zwischen diesem dimkel- äugigen Kinde und der strahlenden Gestalt der Elisabeth, die einst in diesen Räumen ihres königlichen Repräsentationsamtes gewaltet hatte. Denn mag man sich über die Entschlafene welch UrteÜ immer bilden, das Eine bleibt unbestritten, daß es nie eine Frauengestalt gab, die hoheitsvoller und bezaubernder das Büd einer Kaiserin vor- stellte als sie, die einst der Volksmimd: ,,Rose aus Bayerland" ge- nannt. Übrigens bedeutete immerhin das erste Auftreten der Erzherzogin Zita in der Öffentlichkeit einen vollen Erfolg, besonders, wenn man die keineswegs leichten Umstände in Betracht zieht, denen diese, den Kinderschuhen kaum entwachsene Fürstin gegenübertrat. Oh, hätte sie sich doch auch weiterhin mit solchen gesellschaftlichen, repräsen- tativen und später mit charitativen Erfolgen zufrieden gegeben! Für Ende Dezember wurde der Zusammentritt der Delegationen als Vorkonferenz ausgeschrieben, da die parlamentarischen Ver- hältnisse in Ungarn eine normale Session nicht zuließen. Daher sollte eine Indemnität des Budgets für die folgenden vier Monate erteüt werden. Hierdurch war auch entschieden, daß meine artülerie- reorganisatorischenPläne, sowie jene, die sich auf dieSchaffung einer Luftflotte bezogen, für lange Zeit verschoben werden mußten. Da ich dies mit meinem ministeriellen Verantwortungsgefühl nicht in Einklang bringen konnte, beschloß ich, einen nochmaligen Appell an die Minister zur Gewährung eines diesbezüglichen Kredites zu richten. Bei der zu diesem Zwecke am 6. Dezember zusammenberufenen Ministerkonferenz ersuchte ich Aehrenthal, mich im Interesse seiner 176
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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