Seite - 181 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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sie eingesehen hätte, daß die Einhaltung des Paktes zum allgemeinen
Schaden gereiche.
In der österreichischen Delegation rückte mir der Sozialdemokrat
Dr. Ellbogen an den Leib. Dieser sonst so ausgezeichnete Redner
bediente sich der oft erprobten Waffen aus der soziaHstischen Rüst-
kammer und schleuderte das alte Schlagwort vom „Moloch" in die
Debatte. Überdies hieß er mich einen Elriegshetzer, gewissermaßen
den Chef der Kriegspartei, wenngleich aus meiner Rede das genaue
Gegenteil herausklang. Leider hielten mich Aehrenthal und Stürgkh
von einer Replik ab.
r Selbstredend befaßte sich die Presse, besonders die ungarische,
eingehend mit meiner Rede, wobei es auf Verdrehungen und Ent-
stellungen weiter nicht ankam. Und auch bei meinen Ministerkol-
legen fand meine von der Tradition abweichende Behandlung der
öffentlichen Angelegenheit wenig Sympathie. Dagegen zollte ein
großerTeil desPubUkumsmeinemFreimutAnerkennung. Allenvoran
Franz Ferdinand, der mir telegraphisch einen Glückwunsch sandte,
den er dann mündhch wiederholte. Der Kaiser äußerte über meinen
Maidenspeech nicht ein Wort. Aus den Andeutungen des General-
adjutanten Bolfras entnahm ich jedoch, daß ich in derAllerhöchsten
Gnade gerade keine Fortschritte gemacht hatte.
Die Session endete ohne Zwischenfall mit der angeforderten vier-
monatigen Budgetverlängerung.
Durch mein Hervortreten war mein persönliches Prestige immerhin
noch gestiegen, was sich bei der Gratulationscour am Silvesterabend
1911 so recht kundgab. Die Mitglieder des Hochadels, die sich im
Innern schon langsam anschickten, mit fliegenden Fahnen ins Lager
des Thronfolgers überzugehen, waren voll der größten Liebens-
würdigkeit. Auch Obersthofmeister Fürst Montenuovo zwang sich
zu persönlichen Freundschaftsversicherungen.
Im Bestreben, die materielle Lage der Offiziere zu heben und die
Avancementsverhältnisse einigermaßen auf die Stufe der Staats-
beamten zu bringen, welche die achte Diätenklasse unverhältnis-
mäßig rascher erreichten, beabsichtigte ich, eine Zwischenstufe zwi-
schen Hauptmann und Major (Vizemajor) zu schaffen. Dies schei-
terte aber am Widerstände höchststehender Faktoren. Die gleichen
Widerstände machten sich auch gegen die Modernisierung des Dis-
ziplinarstrafverfahrens geltend.
Die ungarische Regiermig bemühte sich indessen erfolglos, das
Wehrgesetz parlamentarisch durchzubringen, und Graf Khuen mußte
den selbstfixierten Termin immer wieder hinausschieben. Er ver-
sicherte mir wiederholt, daß er es doch prästieren würde, konnte
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Titel
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Untertitel
- Eine Lebensschilderung
- Autor
- Auffenberg von Komarów
- Verlag
- Drei Masken Verlag München
- Ort
- München
- Datum
- 1921
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.4 x 21.6 cm
- Seiten
- 536
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918