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Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
Seite - 182 -
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aber den Widerstand gegen die fundamentalen §§ i und 43 nicht überwinden. § i bezog sich auf die Definition der Wehrmacht, bil- dete also gewissermaßen die staatsrechtliche Grundlage des Wehr- systems. § 43 behandelte die reservaten Kronrechte. Khuen erklärte mir in bündigster Weise, daß die Regierung und ihre Partei an diesen Reservatrechten unerschütterlich festhalten würden. Er vermochte jedoch nicht, die Opposition niederzuzwingen. Glitte Februar verschlimmerte sich das Befinden Aehrenthals, was ich vommenschhchen Standpunkteum so mehr bedauerte, als er ein sehr harmonisches Famihenleben führte. Seinem Wappenspruch ge- treu: ,,Im Glück nicht jubeln, im vSturm nicht zagen!" hielt er wacker stand, bis am Abend des 18. Februar der Allbezwinger ihn aiif die Bahre streckte. Vom sachlichen Standpimkte aus hatte ich keinen Grimd, sein Scheiden tief zu beklagen. Ich fand bei ihm weder eine persönliche Stütze, noch konnte ich mich in vielen Stücken mit seiner Politik einverstanden erklären. Nichtsdestoweniger folgt ihm meine hohe Achtung übers Grab hinaus, denn er war unleugbar eine ernste und^ in den Anfängen seiner Ministerlaufbahn^ auch zielbewußte Per- sönhchkeit mit unermüdhcher Arbeitskraft und Pflichttreue. Sein Nachfolger, Graf Berchtold, war schon vor Aehrenthals Heim- gang zur Stelle. Bei erster Gelegenheit entrollte ich ihm ein über- sichtliches Bild der Armeeverhältnisse. Selbstverständlich malte ich hierbei mit ungeschminkter Wahrheit, Somit wies dieses Büd viele dunkle Flecken auf. Berchtold war sichtlich überrascht und meinte, daß man in Petersburg ganz anderer Ansicht sei. Ich will nun gerne glauben, daß man ihm dies dort, wo er mehrere Jahre als Botschafter fungierte, gesagt hatte. Doch unglaubwürdig wäre die Annahme, daß man dort davon auch überzeugt gewesen wäre. Dazu war der russi- sche Nachrichtendienst zu gut organisiert. Graf Berchtold erhielt übrigens eine ähnliche Auskimft, wie ich sie ihm gegeben, vom Chef des Generalstabes und mußte daher wohl oder übel an den wenig erfreulichen Zustand unserer Wehrmacht glauben. Bedenklich war es aber, daß zu jener mit elektrischer Ladung durchsetzten Zeit der verantwortHche Alinister des Äußern über den Grad der eigenen miUtärischen Bereitschaft unzutreffende Anschauungen besaß. Berch- told war in allem und jedem der liebenswürdige diplomatische Kava- lier des ancien regime. Mehr die Form, weniger das Wesen. Die Hand am Steuer, aber das Ziel nicht klar und wechselnd. In großer gefahrvoller Zeit eine mißhche Sache. Persönlich war er sehr ange- nehm, daher in dieser Hinsicht seinem Vorgänger vorzuziehen. Berch- told versprach, sich für die Interessen der Armee einzusetzen, und ließ es auch an einigen Versuchen nicht fehlen. — 182
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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