Seite - 187 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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selbst ungarische Magnatenhausmitglieder, daß sie diesem Minister
in den Delegationen nicht einen Heller bewilligen würden. Doch,—
trotz alledem konnte sichKhuen aus den Verstrickungen der Reso-
lution nicht mehr loslösen und gab seine Demission. Sie wurde zwar
genehmigt, doch wurde Khuen mit einer Neukonstruktion des Ka-
binettes betraut. Drei Wochen lang mühte er sich ab. Alle poli-
tischen KoryphäenUngarns erschienen vordem Kaiser, es gab wieder-
holt erregte Ministerkonferenzen— aber alles war vergebens. Khuen
konnte denrichtigenWeg nicht mehr zurückfinden^ und ich gab nicht
um Haaresbreite nach. So kam's, daßKhuen auch zum zweitenMale
unterlag und am 14. April endgültig seine Demission gab. Und als
der Nachfolger Khuens, der frühere Finanzminister Dr. Lukacs, mich
direkt zm: Unterstützung im Kampf gegen die oppositionellen unga-
rischen Parlamentsparteien lud, da stand ich wohl am Gipfelpunkt
meiner Macht tmd der Macht überhaupt, auf die ein Kriegsminister
in Österreich-Ungarn je gestanden war. Doch hatte ich schon damals
das volle Bewußtsein, daß ,,dieser Adler mir nicht geschenkt sei".
Während dieser Konfliktsperiode fand der Stapellauf des zweiten
Dreadnoughts— ,,Tegetthoff"— statt. Hierbei hatte ich eine längere
Audienz beim Thronfolger auf seiner Jacht ,,Lacroma". Nach einer
Reihe schmeichelhafter Worte machte er mir Vorwürfe, daß ich mit
dem Gouverneur eines großen Bankinstitutes zu sehr liiert sei. Diese
Verbindung bestand darin, daß er mich in seiner Eigenschaft als
Gouverneur einigemal dienstlich aufgesucht hatte. Da aber der Erz-
herzog ihn nicht mochte, erschien ihm dies Grund genug, mir von
diesem Verkehr dringend abzuraten. An diese persönliche Einschrän-
kung hielt ich mich natürlich nicht gebimden. So fiel schon damals
der erste Reif in der Frühlingsnacht, Und auch die Herzogin von
Hohenberg war nicht sehr gnädig, hauptsächlich weil ich ihrer An-
schauung nach die kirchlichen Interessen noch zu wenig gefördert
hatte. Mit Bedauern nahm ich die Macht der Laune wahr.
Beim Empfang der ungarischen Deputation brüskierte Franz Fer-
dinand ostentativ den Prinzen Ludwig Windischgraetz. Ich konnte
mir's nicht versagen, dem Erzherzog darüber eine submisse Vor-
stellung zu machen, die nicht ohne Effekt blieb. Daraus entwickelte
sich ein Freundschaftsverhältnis zwischen dem Prinzen und mir,
das dann in späterer Zeit für mich von besonderem Werte wurde.
Auch der nachmalige ungarische Ministerpräsident, Graf Eszterhazy,
erfreute sich nicht der erzherzoglichen Gunst, und als mich Franz
Ferdinand mit dieser geistig bemerkenswerten Persönlichkeit in regem
vmd andauerndemGespräch sah, erkundigte er sich—völlig aigriert—
um das Gesprächsthema. Das stets wache Mißtrauen der Habsburger!
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Titel
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Untertitel
- Eine Lebensschilderung
- Autor
- Auffenberg von Komarów
- Verlag
- Drei Masken Verlag München
- Ort
- München
- Datum
- 1921
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.4 x 21.6 cm
- Seiten
- 536
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918