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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
Seite - 187 -
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selbst ungarische Magnatenhausmitglieder, daß sie diesem Minister in den Delegationen nicht einen Heller bewilligen würden. Doch,— trotz alledem konnte sichKhuen aus den Verstrickungen der Reso- lution nicht mehr loslösen und gab seine Demission. Sie wurde zwar genehmigt, doch wurde Khuen mit einer Neukonstruktion des Ka- binettes betraut. Drei Wochen lang mühte er sich ab. Alle poli- tischen KoryphäenUngarns erschienen vordem Kaiser, es gab wieder- holt erregte Ministerkonferenzen— aber alles war vergebens. Khuen konnte denrichtigenWeg nicht mehr zurückfinden^ und ich gab nicht um Haaresbreite nach. So kam's, daßKhuen auch zum zweitenMale unterlag und am 14. April endgültig seine Demission gab. Und als der Nachfolger Khuens, der frühere Finanzminister Dr. Lukacs, mich direkt zm: Unterstützung im Kampf gegen die oppositionellen unga- rischen Parlamentsparteien lud, da stand ich wohl am Gipfelpunkt meiner Macht tmd der Macht überhaupt, auf die ein Kriegsminister in Österreich-Ungarn je gestanden war. Doch hatte ich schon damals das volle Bewußtsein, daß ,,dieser Adler mir nicht geschenkt sei". Während dieser Konfliktsperiode fand der Stapellauf des zweiten Dreadnoughts— ,,Tegetthoff"— statt. Hierbei hatte ich eine längere Audienz beim Thronfolger auf seiner Jacht ,,Lacroma". Nach einer Reihe schmeichelhafter Worte machte er mir Vorwürfe, daß ich mit dem Gouverneur eines großen Bankinstitutes zu sehr liiert sei. Diese Verbindung bestand darin, daß er mich in seiner Eigenschaft als Gouverneur einigemal dienstlich aufgesucht hatte. Da aber der Erz- herzog ihn nicht mochte, erschien ihm dies Grund genug, mir von diesem Verkehr dringend abzuraten. An diese persönliche Einschrän- kung hielt ich mich natürlich nicht gebimden. So fiel schon damals der erste Reif in der Frühlingsnacht, Und auch die Herzogin von Hohenberg war nicht sehr gnädig, hauptsächlich weil ich ihrer An- schauung nach die kirchlichen Interessen noch zu wenig gefördert hatte. Mit Bedauern nahm ich die Macht der Laune wahr. Beim Empfang der ungarischen Deputation brüskierte Franz Fer- dinand ostentativ den Prinzen Ludwig Windischgraetz. Ich konnte mir's nicht versagen, dem Erzherzog darüber eine submisse Vor- stellung zu machen, die nicht ohne Effekt blieb. Daraus entwickelte sich ein Freundschaftsverhältnis zwischen dem Prinzen und mir, das dann in späterer Zeit für mich von besonderem Werte wurde. Auch der nachmalige ungarische Ministerpräsident, Graf Eszterhazy, erfreute sich nicht der erzherzoglichen Gunst, und als mich Franz Ferdinand mit dieser geistig bemerkenswerten Persönlichkeit in regem vmd andauerndemGespräch sah, erkundigte er sich—völlig aigriert— um das Gesprächsthema. Das stets wache Mißtrauen der Habsburger! 187
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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