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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
Seite - 188 -
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Sehr ungnädig war der Erzherzog gegen den apostolischen Feld- vikar Dr. Bjelik. Mit vollem Recht; und ich bedaure, daß ich mich des Gekränkten annahm und mich sogar bald darauf für dessen In- thronisierung zum Bischof wärmstens und an mehreren Stellen ver- wendete. Diesen Würdenträger hatte der Erzherzog richtig beurteüt, wie ja überhaupt das erste Urteil Franz Ferdinands meistens ein durchaus zutreffendes war. Gelegentlich des Routs beim Statthalter, Prinzen Hohenlohe, lernte ich auch Frau Gina Reininghaus kennen. Wer hätte damals ge- ahnt, daß sich einst ihr unbewußter Einfluß selbst auf das Geschick des Staates ausdehnen würde! — Zu allen Zeiten die elementare Macht der Weiblichkeit! — Bei derEröffnungssitzungder Delegations-Vorsessionwarich bereits der „rangälteste der gemeinsamenMinister" geworden! Berchtold war an Stelle Aehrenthals, Büinski an Stelle Burians getreten. Als Graf Berchtold sein erstes Expose hielt, überkam ihn ein heftiges Lam- penfieber, und er raunte mir mehrfach zu, ,,wie peinlich dies sei". Er las seine Darlegungen, die im Ministerium am Ballplatz sorgfältig ausgearbeitet worden waren, gewissenhaft vom Manuskript herunter und erfreute seine Zuhörer mit einer Schilderung der äußern Situa- tion, in der laicht und Schatten gleichmäßig und sehr angenehm verteilt waren. Kein Mensch hätte daraus entnehmen können, daß irgendwelche Gefahr lauere, zumal auch dem russischen Minister des Äußern, Herrn von Sasonow, Lob imd Vertrauen gespendet wurde. Und doch war sechs Wochen früher, just in den Tagen des Buda- pester Resolutionsrummels, eine Balkankonföderation imter der stülen Patronanz Rußlands abgeschlossen worden, deren Direktion zwar noch nicht feststand, die sich aber naturgemäß nur gegen uns oder die Türkei richten konnte. Ich glaube auch wirklich, daß weder der Minister noch die betreffenden Botschafter und Gesandten davon eine Ahnung hatten. Zum mindesten war in den offiziellen, auch mir zugänglichen Rapporten kein Wort darüber enthalten. Berch- told und seinem mandelmilchartigen Expose flog eine ganze Wolke des Vertrauens und Wohlwollens entgegen, wodurch erneuert doku- mentiert wurde, daß bei uns die Vogel-Strauß-Politik— durch etliche Tiraden aufgeputzt— stets auf einen Augenblickserfolg mit Sicher- heit rechnen konnte. Kollege Berchtold war dadurch sehr geschmei- chelt und sah nicht ohne Genugtuung auf mein Expose herab, das durch kein Vertrauensvotum ausgezeichnet wurde. Ich war aber dennoch sehr zufrieden. War doch vursprünglich für mich ein Auto- dafe aufgerichtet gewesen, imd ein Niederrennen in offener Parla- mentssitzung das mindeste, was man erwartet hatte. Und nun hörte i88
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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