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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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nach dem Süden zu erreichen. Drauf fest verharrend, gelang es mir, eine mittlere Linie herauszufinden, auf der sich zur Not auch die Interessen der beiden Staaten in Einklang bringen ließen.— Ich habe im Beginn dieses Kapitels erzählt, unter welchen Moda- litäten ich meine Installation als Kriegsminister bewirken mußte. Aus den hieraus resultierenden geringfügigen Adaptierungsarbeiten konstruierte die geschäftige und stets wohlwollende Fama ganze lyuxusbauten. Desgleichen wurden die unerläßlichen Erweiterungen und Ergänzungen des höchst bescheidenen Inventars zu umfang- reichen und luxuriösen Bestellungen hinaufgeschraubt. So kam's, daß der schlesische Abgeordnete Seidel irregeführt wurde und im Par- lament eine Interpellation einbrachte. Ich lud ihn daher ein, unter Intervention des Abgeordnetenkollegen Dr. Otto Lecher in die Woh- nung zu kommen, und veranlaßte ihn, alle Räume und auch die gesamte Einrichtung genauestens zu besichtigen, worauf der Abgeordnete Seidel in loyaler Weise einen mündlichen und schrift- lichen Widerruf im Parlament veröffentlichte. Die nun endlich einsetzende kurze Ruhepause benützte ich zu Inspizierungen. Ichwohnte einerOrdonnanzWettfahrt der freiwilligen Auto- und Motozycle Vereine des II. und III. Korpsbereichs bei. Zielpunkt war der Semmering, woselbst ich schon im Winter bei einem Staffettenlauf der Skiläufer anwesend gewesen war. Dann sah ich mir eine Reihe wichtiger Heeresetablissementsund alle inner- halb Tagesfrist erreichbaren Mihtärschulen an. Darunter auch die in Kismarton {Eisenstadt), woselbst ich ein halbes Jahrhundert früher meinen Eintritt in die MiUtärerziehung genommen hatte. — In Ungarn gelang es auch der Regierung Lukacs nicht, das Wehr- gesetz auf normalem parlamentarischen Weg durchzusetzen. Da raffte sich die Arbeitspartei auf, und ihrFührer Tisza vollführte einen parlamentarischen Staatsstreich. Das Wehrgesetz und die neue Mili- tärstrafprozeßordnung wurden en bloc in einem Gesetzesartikel zur Abstimmung gebracht und von der Majorität, trotz aller Rekrimi- nationen der Opposition, angenommen. Eine mutige, energische Tat! Und es ist wahrlich nicht Tiszas Schuld, daß dieser gewaltsame Ein- griff wegen eines so unvollkommenen und nur wenig tauglichen Ge- setzes bewirkt werden mußte. Jetzt kam an das österreichische Parlament die Reihe, die Wehr- gesetzdebatte zu finalisieren. Eine Majorität war dafür schon seit langem sichergestellt. Doch im letzten Momente wollten die durch die Polen drangsalierten Ukrainer (Ruthenen) alles über den Haufen werfen. LandesVerteidigungsminister Georgi wandte sich an mich, ich möge es dahin bringen, daß Franz Ferdinand auf die loyalen 190
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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