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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
Seite - 194 -
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derErzherzog bei allerFreundschaft für die Slawen von irgendwelcher Schmälening der deutschenSprache und deren Einfluß auf die öffent- lichen Angelegenheiten— besonders der Armee, wobei er die Gen- darmerie Inbegriff — absolut nichts wissen wollte. Die tschechischen Vertreter hatten den Wunsch, daß im Dienst- reglement I der Passus aufgenommen werde, „die Nationahtät der Leute zuwahrenund auf dieselbe Rücksicht zunehmen". Der Thron- folger wollte darauf nicht eingehen. Ich konnte ihm nicht recht geben, da die verschiedenen Nationalitäten des Reiches gegebene Größen waren, die man bei einem Krieg, wie bei jegUcher belang- reichen Staatsaktion alle, aber auch alle brauchen würde, um sich seiner Haut zu wehren und das gesteckte Ziel zu erreichen. Somit durfte man aber beileibe keine Heloten machen, die im schwierigen Momente dann unbedingt Abtrünnige werden müßten. Und auch den Schein einer Unterdrückung mußte man sorgfältig meiden. DieseAuffassung beherrschte mich damals vollkommen, und eswar nur eine logische Konsequenz, daß mich auch der Wunsch beseelte, alle Völker, die teüs scheinbar, teils wirklich, teils nur im Herzen, teils in realer Weise dissidierten, mit allen Mitteln an das Reich zu ketten. Dies namentHch bei solchen, die jenseits der Grenzen Kon- nationale oder Stammesverwandte fanden, was allerdings mit Aus- nahme der Magyaren bei allen Völkerschaften des alten Reiches der Fall war, zu jener Zeit aber namentlich bei den Tschechen und Ser- ben in Erscheinung trat. Für den Spätsommer jenes Jahres (1912) war nun in Prag ein all- gemeiner Sokoltag ausgeschrieben, an dem sich viele Zehntausende Sokoln aus allen slawischen Ländern zusammenfanden. Man klopfte bei mir an, ob ich eine Einladung annehmen würde, was ich bejahte. Denn solch eine imposante Kraftäußerung ließ sich nicht übersehen. Man mußte entweder zustimmen, sich also gewissermaßen an deren Spitze stellen oder sie gar nicht zulassen. Da letzteres aber im da- maUgen Moment nicht mehr möglich gewesen wäre, so proponierte ich ersteres und meinte, daß just der Kriegsminister hierfür die ge- eignete PersönUchkeit sei. Dies trug ich den beiden obersten Stellen (Kaiser und Thronfolger) vor, die sich aber nicht recht entscheiden konnten. Die staathcheVertretung übernahm im letztenMoment der Unterrichtsminister Dr. Hussarek^). Damals traten auch die Pourparlers wegen Errichtung einer Ka- nonen- und einer großen Munitionsfabrik in Ungarn in ein ernstes Stadium. Für Ungarn war dies von poUtischer und finanzieller Be- ^) Da keinerleiVereinbarungen getroffen waren, kam's dazu, daß die Sokol- feierlichkeiten einen spezifisch allslavischen Charakter annahmen. 194
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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